Unfallstatistik für 2020
Das E-Bike als Unfallrisiko

Münster -

Weniger Unfälle und weniger Verletzte im Straßenverkehr registrierte die münsterische Polizei im vergangenen Jahr. Eine Gruppe von Verkehrsteilnehmern macht ihr jedoch zunehmend Sorge: Die Zahl der Unfälle, in die E-Bike-Fahrer verwickelt waren, nahm deutlich zu.[mit Video]

Mittwoch, 10.03.2021, 17:55 Uhr aktualisiert: 10.03.2021, 17:58 Uhr
Unfallstatistik für 2020: Das E-Bike als Unfallrisiko
Foto: dpa (Symbolbild)

Münsters Straßen waren im vergangenen Jahr so sicher wie seit Jahren nicht mehr. Nicht nur die Zahl der Unfälle ging zurück, auch die Zahl der Personen, die dabei zu Schaden kamen – und zwar „coronabedingt“, wie Polizeipräsident Falk Schnabel am Mittwoch bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik 2020 betonte.

Auf Münsters Straßen waren während der Lockdown-Phasen deutlich weniger Kraftfahrzeuge, Fahrräder und Fußgänger unterwegs als sonst. Allein im April und Mai ging das Verkehrsaufkommen um 37 Prozent zurück, im gesamten Jahr um neun Prozent. Dies ergaben Verkehrszählungen.

15 Prozent weniger Verkehrsunfälle

9767 Verkehrsunfälle ereigneten sich 2020 in Münster – mehr als 11.500 waren es im Jahr zuvor, ein Rückgang um 15 Prozent. Auch die Zahl der verletzten Personen ging zurück – von 1377 auf 1108. Eine Verkehrsteilnehmerin kam ums Leben – die 82-jährige Radfahrerin war im Bereich einer Querungshilfe für Fußgänger gegen einen Pkw gefahren, stürzte und zog sich dabei tödliche Verletzungen zu.

Die Frau war mit einem E-Bike unterwegs – und gehörte damit zu einer Gruppe von Verkehrsteilnehmern, die der Polizei zunehmend Sorgen bereitet. Während die Verkehrsunfallstatistik in fast allen Bereichen positive Entwicklungen aufzeigt, nahm die Zahl der E-Bike-Unfälle 2020 zu – und zwar deutlich auf 138, ein Anstieg von 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dabei erlitten 114 E-Bike-Fahrerinnen und Fahrer Verletzungen, ein Anstieg von 50 Prozent gegenüber 2019. Die Polizei führt diese Entwicklung auf die zunehmende Beliebtheit von E-Bikes zurück. Immer mehr Radfahrer steigen auf die Elektrovariante um – oder haben sich 2020 erstmalig ein solches Rad angeschafft.

Kommentar: Appell an die Starken

Die Zeiten, in denen vor allem ältere Mitbürger mit dem E-Bike unterwegs waren, sind längst vorbei. Mittlerweile sind sie zu einem Fortbewegungsmittel für alle Altersklassen geworden. E-Bikes sind allerdings nicht nur bequem, sondern auch schnell, und gerade das ist das Problem: Die Zahl der Unfälle nimmt zu, und wer mit einem E-Bike verunglückt, zieht sich in der Regel schwerere Verletzungen zu als mit einem konventionellen Fahrrad.

E-Bikes sind zudem schwer – und schwerer im „Handling“, wie die Polizei am Mittwoch betonte. Schnell erreicht man ein hohes Tempo, wobei sich mit jedem Stundenkilometer der Bremsweg verlängert. Eine Unaufmerksamkeit – und es wird gefährlich. Dass Polizei und Verkehrswacht ein gemeinsames Trainingsprogramm auflegen, ist da nur konsequent. Doch das allein reicht nicht: E-Bike-Fahrer sollten sich immer bewusst sein, dass sie auf den Radwegen die Stärkeren sind – und sich entsprechend rücksichtsvoll verhalten.

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Sicher mit dem Pedelec unterwegs

„Der sichere Umgang mit dem Pedelec gestaltet sich schwieriger als manch einer denkt“, warnt Polizeipräsident Falk Schnabel. E-Bikes verhielten sich anders als konventionelle Räder. „Daran muss man sich gewöhnen, das muss trainiert werden.“ Zusammen mit der Ordnungspartnerschaft plane die Polizei daher das einjährige Projekt „Mit dem Pedelec auf Münsters Wegen“. „Wir wollen die Möglichkeit bieten, durch Training und Sachkunde den sicheren Umgang mit dem neuen Fortbewegungsmittel zu erlernen“, so Schnabel.

Viele Unfälle beim Rechtsabbiegen

Häufigste Ursache bei Unfällen zwischen Radlern und Kraftfahrzeugen sind Fehler beim Rechtsabbiegen. Die Polizei will daher mit der Stadt die Umsetzung des sogenannten Separierungskonzeptes vorantreiben: An rund 100 Kreuzungen mit großem Gefahrenpotenzial sollen die Ampelschaltungen so getrennt werden, dass eine gefährliche Situation nur dann entstehen kann, wenn ein Verkehrsteilnehmer bei Rot fährt. An 20 Kreuzungen sei die Separierung bereits umgesetzt worden, so André Niewöhner (Direktion Verkehr). Dort habe es seitdem keinen Abbiegeunfall mehr gegeben. 

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"Pedelec-Simulator" für Münster

Bei mindestens elf Veranstaltungen soll auch ein „Pedelec-Simulator“ zum Einsatz kommen. Das einzige Gerät seiner Art in Nordrhein-Westfalen hat die münsterische Verkehrswacht mit Unterstützung von Brillux angeschafft, berichtete am Mittwoch Verkehrswacht-Geschäftsführer Christoph Becker. Der Simulator solle demonstrieren, wie schnell man mit einem E-Bike im Vergleich zum konventionellen Rad unterwegs ist – und wie man sich verhalten muss, damit das E-Bike in einer brenzligen Situation rechtzeitig zum Stillstand kommt. 

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