Neuer Mietspiegel für Münster
Mietniveau seit 2016 um fast 18 Prozent gestiegen

Münster -

Münster ist bei den Mieten kein billiges Pflaster. Jetzt liegt der neue Mietspiegel vor. Er dient vor allem Vermietern als Richtschnur - und offenbart den drastischen Anstieg der Mieten in den vergangenen Jahren.

Donnerstag, 01.04.2021, 07:00 Uhr aktualisiert: 01.04.2021, 07:41 Uhr
Der Wohnungsmarkt in Münster ist eng. Das wirkt sich auch auf das Mietniveau in der Stadt aus.
Der Wohnungsmarkt in Münster ist eng. Das wirkt sich auch auf das Mietniveau in der Stadt aus. Foto: Oliver Werner

Für Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen wird es immer schwieriger, in Münster bezahlbaren Wohnraum zu finden. Der Anstieg des Mietniveaus schlägt sich auch in dem neuen, ab 1. April geltenden Mietspiegel nieder. Danach zahlen Mieterinnen und Mieter aktuell im Durchschnitt 8,55 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter im frei finanzierten Wohnungsmarkt.

„Gegenüber 2016 ist das eine Steigerung von fast 18 Prozent“, sagte Matthias Peck, städtischer Dezernent für Wohnungsversorgung, Immobilien und Nachhaltigkeit, bei der Vorstellung des Mietspiegels 2021. Diese alle vier Jahre neu erstellte Übersicht soll ein realistisches Bild der Mietentwicklung auf dem freien Wohnungsmarkt nachzeichnen. Öffentlich geförderte Wohnungen fallen nicht in die Übersicht.

"Erheblichen Mietpreissteigerung" in Münster

Vor vier Jahren lag die Durchschnittsnettomiete in Münster nach Angaben der Stadt noch bei 7,25 Euro pro Quadratmeter. Seitdem sind die Mieten im Schnitt jährlich um 4,48 Prozent gestiegen. Peck sprach in diesem Zusammenhang von einer „erheblichen Mietpreissteigerung“.

„Die hohe Attraktivität der Stadt Münster schlägt sich auch auf dem Immobilienmarkt nieder“, bilanzierte der Immobiliendezernent unter Verweis auf die Einwohner-Zahlen: Ende 2020 lebten demnach 312.969 Menschen in Münster und damit fast 28.000 mehr als noch Ende 2010. Steigende Mieten in einer wachsenden Stadt – das sei kein Münster-spezifisches Problem, betonte Peck. Ähnliche Entwicklungen verzeichneten andere wachsende Städte. So liege etwa die Durchschnittsmiete in Freiburg derzeit bei 9,79 Euro pro Quadratmeter und damit um fast 19 Prozent höher als vor vier Jahren.

Der Einfluss der Stadt ist relativ überschaubar.

Matthias Peck, städtischer Dezernent für Wohnungsversorgung, Immobilien und Nachhaltigkeit

„Der Einfluss der Stadt ist relativ überschaubar“, sagte Peck mit Blick auf den frei finanzierten Wohnungsmarkt in Münster. Es herrsche das alte Gesetz von Angebot und Nachfrage.

Für den neuen Mietspiegel wurden im Sommer vergangenen Jahres 18.000 Fragebögen an Mieter und Vermieter verschickt. Die Rücklaufquote von 2600 Bögen ermöglich ein realistisches Bild der Lage, wie es heißt.


Eine Hilfe für Mieter und Vermieter

In Null-Zins-Zeiten steht das Betongold hoch im Kurs – „die lukrativste Form der Geldanlage“, sagt der städtische Immobiliendezernent Matthias Peck bei der Vorstellung des Mietspiegels 2021. Doch es gibt eine Schattenseite: „Das schlägt sich deutlich in den Mieten nieder.“ Denn neu gebaute Wohnungen werden nun mal zu höheren Mieten an den Markt gebracht. Und diese Entwicklung bildet sich zu guter Letzt beim Mietniveau auf dem frei finanzierten Wohnungsmarkt in Münster ab, das in den vergangenen vier Jahren stark angestiegen ist.

Broschüre zum Mietspiegel

Die Mietspiegel-Broschüre gibt es ab dem 1. April gegen eine Schutzgebühr von fünf Euro an folgenden Stellen: Haus- und Grund, Mieterverein für Münster; Mieter/innen-Schutzverein, Münster-Information im Stadthaus 1. Online-Bestellung und -Abfrage unter:  www.stadt-muenster.de/wohnungsamt/mietspiegel

...

Die Vermieter seien aber keine Preistreiber, betont Peter Guski, Geschäftsführer des Eigentümervereins „Haus & Grund“ in Münster. Nicht die Gewinnmaximierung stehe im Vordergrund, sondern beim allergrößten Teil die private Altersvorsorge. Insofern sei der Mietspiegel ein praktikables Instrument, findet Guski. Der Betrachtungszeitraum sei auf die zurückliegenden sechs Jahre ausgeweitet worden.

Der Mietspiegel dient als Orientierungshilfe bei Neuvertragsmieten und bildet die Grundlage für die Berechnung der ortsüblichen Vergleichsmiete. Er wird alle vier Jahre neu aufgelegt. Eine Anpassung an die Marktentwicklung erfolgt nach zwei Jahren. „Die Befriedungsfunktion steht im Vordergrund“, erklärt Volker Jaks, Geschäftsführer vom Deutschen Mieterbund Münster. So versuche der Mietspiegel anhand einer Vielzahl von Merkmalen, Wohnungen vergleichbar zu machen.

Der Mieter kann jedes Mieterhöhungsverlangen auf Richtigkeit überprüfen lassen.

Noma Hajar

Ähnlich sieht das Noma Hajar, Juristin beim Mieter/innen-Schutzverein Münster: „Der Mieter kann jedes Mieterhöhungsverlangen auf Richtigkeit überprüfen lassen.“ Hajar rät im Zweifelsfall, zunächst einen Mietvertrag zu unterschreiben. „Dann habe ich ihn in der Tasche.“ Anschließend könne man überprüfen, ob die etwa die Mietpreisbremse greife.

Vor der Mieterhöhung überprüfen

Bei bestehenden Mietverträgen empfiehlt Hajar, „nicht vorschnell zuzustimmen“, wenn es um die Anpassung an die ortsübliche Vergleichsmiete geht. „Dann ist das Kind in den Brunnen gefallen.“

Obwohl Münster zu den Städten gehört, in denen die Mieten am stärksten gestiegen sind, sieht Immobiliendezernent Peck für die Kommune nur beschränkt Handlungsspielraum, um preiswerten Wohnraum zu schaffen. Man bemühe sich, die Zahl öffentlich geförderter Wohnungen zu steigern – im vergangenen Jahr wurden demnach 505 Einheiten gebaut. Auch die städtische Wohnungsgesellschaft soll gestärkt werden. Der bei Weitem größte Anteil der Wohnungen wird aber laut Stadt privat vermietet.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7895805?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker