Missbrauchsskandal, Segnungsverbot und Proteste
„Es wird offensichtlich, dass in unserer Kirche Dinge schieflaufen“

Münster -

Die vergangenen zwölf Monate waren für die katholische Kirche kein berauschendes Jahr – auch in Münster nicht, wo zuletzt die Austrittszahlen rapide gestiegen sind. Im Interview berichten Mitglieder des Stadtdekanatsvorstands, warum das bedauerlich ist. Gerade in der Corona-Zeit könne die Kirche eine Stütze sein.
Samstag, 03.04.2021, 15:00 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 03.04.2021, 15:00 Uhr
Der Stadtdekanats-Vorstand mit (v.r.) Stadtdechant Jörg Hagemann, Diakon Reinhard Kemper, Pastoralreferentin Katharina Löhring und Definitor Ulrich Messing – Geschäftsführer Sebastian Reimann konnte nicht an dem Gespräch teilnehmen.
Der Stadtdekanats-Vorstand mit (v.r.) Stadtdechant Jörg Hagemann, Diakon Reinhard Kemper, Pastoralreferentin Katharina Löhring und Definitor Ulrich Messing – Geschäftsführer Sebastian Reimann konnte nicht an dem Gespräch teilnehmen. Foto: Oliver Werner
Das zweite Osterfest unter Corona-Bedingungen steht bevor – doch für die katholische Kirche in Münster ist die Pandemie derzeit nicht die einzige Herausforderung. Die Diskussion um das Kölner Missbrauchs-Gutachten, das Verbot der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare, die Forderung nach mehr Gleichberechtigung und nicht zuletzt der Protest um die Versetzung von Pastor Thomas Laufmöller in St. Stephanus beherrschen die öffentliche Debatte, bewegen etliche Menschen zum Austritt und verunsichern viele in der Kirche Tätige. Redakteur Lukas Speckmann sprach mit vier Mitgliedern des münsterischen Stadtdekanatsvorstands über die angespannte Situation. Wundert es Sie, dass die Kirche zurzeit so viel Gegenwind erlebt? Stadtdechant Jörg Hagemann (Pfarrer in der Pfarrei St. Nikolaus): Es wird offensichtlich, dass in unserer Kirche Dinge schieflaufen. Die Regenbogenfahne an der Überwasserkirche signalisiert, dass wir auch als Seelsorgerinnen und Seelsorger mit Vielem nicht einverstanden sind. Auf der anderen Seite sind wir aber doch auch mit den Menschen unterwegs, wir begleiten viele gerade in der unsicheren Corona-Zeit, wir sind nahe bei den Kranken, bei den Sterbenden. Im Stadtdekanat Münster sind viele Seelsorgerinnen und Seelsorger und noch weitaus mehr Ehrenamtliche sehr engagiert tätig – warum wird das nicht wahrgenommen? Das wundert mich schon. Definitor Ulrich Messing (Pfarrer in der Pfarrei St. Marien und St. Josef und Pfarrverwalter in der Pfarrei St. Franziskus): Natürlich müssen wir intensiv darüber diskutieren, dass Menschen verletzt werden. Aber bei all dem, was laut nach draußen dringt, darf man nicht vergessen: Kirche ist mehr als das. Viele gute Sachen geschehen gerade leise. Reinhard Kemper (Diakon in der Pfarrei Liebfrauen-Überwasser): Bei uns in Nienberge werden gerade 3500 Osterkarten verteilt – nicht nur an katholische und evangelische Christen, sondern wirklich an alle, die im Stadtteil wohnen. Wir bekommen viele Rückmeldungen. Die Leute freuen sich, dass sie überhaupt eine Karte bekommen – und dass die Kirche sie wahrnimmt und ein solches Kontaktangebot macht.
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