Zeugin belastet 31-Jährigen
In der Entzugsklinik zur Prostitution überredet

Münster -

Im Prozess wegen Zwangsprostitution gegen drei Angeklagte berichtete eine heute 20 Jahre alte Frau, wie sie in einer Entzugsklinik überredet wurde. Einen 31-jährigen Kosovaren schilderten sie im Prozess als gewalttätig. Aus Angst vor ihm, hörte die Frau auf, in der Wohnung in Kinderhaus zu arbeiten.

Mittwoch, 07.04.2021, 08:00 Uhr aktualisiert: 07.04.2021, 08:42 Uhr
Drei Angeklagte müssen sich am Landgericht Münster wegen Zwangsprostitution verantworten.
Drei Angeklagte müssen sich am Landgericht Münster wegen Zwangsprostitution verantworten. Foto: Friso Gentsch

Die Verlockung des schnellen Geldes siegte am Ende gegen alle inneren Widerstände: „Ich hatte Schwierigkeiten mit Geld, viele Schulden“, erzählte eine Altenpflegeassistentin am Dienstag am Landgericht. Fast 10.000 Euro Miese wegen Online-Einkäufen drückten die damals 18-Jährige aus dem westlichen Münsterland zu dieser Zeit, wie sie als Zeugin der dritten Strafkammer berichtete.

Zunächst habe sie sich noch gesperrt, als ihr in der Drogenentzugsklinik zwei Männer vorschlugen, sich für Sex gegen Geld anzubieten. „Ich war erst nicht davon überzeugt“, sagte die junge Frau zwei Jahre später im Zeugenstand und berichtete dann, wie sie fast ein halbes Jahr als Prostituierte in einer Wohnung im Zen­trum von Kinderhaus gearbeitet habe – von Montag bis Freitag. „Es gab Tage, da ging es mir richtig dreckig.“

Einen Mann aus der Entzugsklinik und die Frau, die ihr die Freier besorgt haben soll, traf die 20-Jährige jetzt im Gerichtssaal wieder. Denn der 31-jährige Kosovare und die 22-jährige Deutsche, die vom Sexlohn die Hälfte abbekommen haben sollen, müssen sich dort zusammen mit einem 24-jährigen Serben wegen Zwangsprostitution verantworten . Die Staatsanwaltschaft wirft den drei Angeklagten vor, von Februar 2019 bis Mai des vergangenen Jahres junge, teils minderjährige Frauen angesprochen und zur Ausübung der Prostitution bewegt zu haben.

Angeklagter soll Freundin misshandelt haben

Nicht nur die Hälfte des Geldes musste die junge Frau offenbar an den Kosovaren und seine damalige Partnerin abgeben. Auch die Hälfte der Miete für die Wohnung, 300 Euro, habe sie von ihrem Geld noch bezahlt. Weil sie erlebt haben wollen, wie der 31-Jährige, der in Untersuchungshaft sitzt und sich noch wegen anderer Delikte verantworten muss, seine Partnerin mehrfach misshandelt habe, hörten die damals 18-Jährige und ihre Freundin spontan auf, weiter als Prostituierte in der Kinderhauser Wohnung zu arbeiten. „Wir hatten Schiss“, erklärte die Altenpflegeassistentin.

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7903808?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker