Gewerkschaft IG Bau kritisiert Wohnraum-Politik
86 000 pendeln regelmäßig nach Münster

Münster -

Trotz der Pandemie pendeln täglich tausende nach Münster. Für die Gewerkschaft IG BAU ist klar: Das liegt an den hohen Wohnungspreisen in Münster. Und die Gewerkschaft hat direkt einige Ideen parat, wie das geändert werden könnte.

Donnerstag, 08.04.2021, 18:45 Uhr aktualisiert: 08.04.2021, 18:50 Uhr
Auch in der Pandemie stehen Berufspendler im Stau.
Auch in der Pandemie stehen Berufspendler im Stau. Foto: IG BAU

Wenn Lebenszeit im Stau verloren geht: Auch in Zeiten von Lockdown und Homeoffice bleibt die Zahl der Pendler in Münster auf einem hohen Level. Im vergangenen Jahr kamen rund 86 000 Menschen zum Arbeiten regelmäßig von außerhalb in die Stadt. Darauf macht die Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG Bau) aufmerksam. Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Anzumerken ist allerdings, dass die Zahlen auf dem Juni des vergangenen Jahres beruhen – also genau zu jener Zeit erfasst wurden, in der die Pandemie und damit auch die Homeoffice-Phase eher wieder abflachte.

Dennoch stieg laut der Statistik die Zahl der Einpendler nach Münster um 1,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Zu den Hauptursachen für die anhaltend großen Pendelströme zählt nach Einschätzung der IG Bau Münster-Rheine der teure Wohnraum in den Städten. „Nach jahrelangen Mietsteigerungen können sich viele Beschäftigte das Leben am Arbeitsort nicht mehr leisten. Ihnen bleiben als Alternative oft nur stundenlange Fahrerei mit dem Auto oder der Bahn“, so Bezirksvorsitzender Detlev Hopp. In der Baubranche seien weite Anfahrtswege besonders verbreitet. Es dürfe aber nicht sein, dass Bauarbeiter, die in den Ballungsräumen Wohnungen bauten, sich diese selbst nicht mehr leisten könnten.

Die IG Bau fordert deshalb mehr Anstrengungen bei der Schaffung bezahlbaren Wohnraums. „Deutlich mehr Wohnungen, die sich in den Städten auch Gering- und Normalverdiener leisten können, sind ein entscheidender Beitrag, um die Pendler-Zahlen zu verringern“, sagt Hopp. Dafür müsse laut Pressemitteilung die Politik klare Vorgaben machen, etwa indem kommunale Grundstücke nicht an den Meistbietenden verkauft würden, sondern an Bauherren, die sich zu bezahlbaren Mieten verpflichteten.

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