Förderverein Aktuelle Kunst zeigt Malte Frey und Julian Reiser
Analog ist lebendiger

Münster -

Was ist spannender, Kunst im Netz oder Kunst vor Ort? Der FAK zeigt es . . .

Donnerstag, 08.04.2021, 18:58 Uhr aktualisiert: 09.04.2021, 19:11 Uhr
Raus aus der virtuellen Welt, raus aus der Isolation: Julian Reiser und Malte Frey (v. l.) zeigen beim Förderverein Aktuelle Kunst Arbeiten, die während des Lockdown entstanden sind.
Raus aus der virtuellen Welt, raus aus der Isolation: Julian Reiser und Malte Frey (v. l.) zeigen beim Förderverein Aktuelle Kunst Arbeiten, die während des Lockdown entstanden sind. Foto: Gerhard H. Kock

Der Förderverein Aktuelle Kunst (FAK) zeigt schmerzlich, dass Malerei und Zeichnung körperliche Erlebnisse sind – für den Künstler und für den Betrachter. Die Maler Malte Frey und Julian Reiser machen dies durch gleich zweiparallele Ausstellungen deutlich. Die eine heißt „Blender“, die andere „Drinnen ist immer schön“ . Die eine ist in ihrer „Front Gallery“ weltweit zu sehen, die andere exklusiv beim FAK, die eine ist virtuell, die andere analog. Der Betrachter kann Wahrnehmungswelten vergleichen – wenn es denn die Pandemie nicht schmerzlich verhindert.

FAK zeigt Malte Frey und Julian Reiser

1/9
  • Der Förderverein Aktuelle Kunst FAK zeigt in der Ausstellung „Drinnen ist es immer schön“ Arbeiten von Malte Frey und Julian Reiser.

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Der Förderverein Aktuelle Kunst FAK zeigt in der Ausstellung „Drinnen ist es immer schön“ Arbeiten von Malte Frey und Julian Reiser

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Der Förderverein Aktuelle Kunst FAK zeigt in der Ausstellung „Drinnen ist es immer schön“ Arbeiten von Malte Frey und Julian Reiser

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Der Förderverein Aktuelle Kunst FAK zeigt in der Ausstellung „Drinnen ist es immer schön“ Arbeiten von Malte Frey und Julian Reiser

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Der Förderverein Aktuelle Kunst FAK zeigt in der Ausstellung „Drinnen ist es immer schön“ Arbeiten von Malte Frey und Julian Reiser

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Der Förderverein Aktuelle Kunst FAK zeigt in der Ausstellung „Drinnen ist es immer schön“ Arbeiten von Malte Frey und Julian Reiser

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Der Förderverein Aktuelle Kunst FAK zeigt in der Ausstellung „Drinnen ist es immer schön“ Arbeiten von Malte Frey und Julian Reiser

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Der Förderverein Aktuelle Kunst FAK zeigt in der Ausstellung „Drinnen ist es immer schön“ Arbeiten von Malte Frey und Julian Reiser

    Foto: Gerhard H. Kock
  • Der Förderverein Aktuelle Kunst FAK zeigt in der Ausstellung „Drinnen ist es immer schön“ Arbeiten von Malte Frey und Julian Reiser

    Foto: Gerhard H. Kock

Malte Frey und Julian Reiser zeigen in beiden Räumen aktuelle Arbeiten, die unter Corona-Produktionsbedingungen entstanden sind, das bedeutet: nicht im Atelier, sondern am Schreibtisch. Das Wohnzimmer wurde Atelier, der Bildschirm zur Leinwand. Not macht erfinderisch. Sie schufen einen virtuellen Raum, um ihre Arbeiten zeigen zu können; dabei verstehen sich beide dezidiert nicht als „digital artists“. Ein Witz der Ausstellung an der Fresnostraße: Hier wird mal nicht die Wirklichkeit im Computer simuliert, sondern umgekehrt. Die beiden Künstler simulieren im FAK ihre virtuelle Ausstellung, der sie mit dem doppeldeutigen Titel „Blender“ eine oszillierende Ambivalenz gegeben haben, die zugleich für Arbeiten von Frey und Reiser gilt: auf der einen Seite eine Mixer-Mischung unterschiedlicher Medien, auf der anderen Seite „Blendwerk“, das durchschaut werden möchte und soll. Bei Malte Frey blickt man auf eine Fläche, aber zugleich auf gerechnete und gepinselte Bilder. Er spielt in seinen Gemälden auf Landschaften aus Computerspielen auf eine Weise an, dass diese noch eine Offenheit zu natürlichen Landschaften und urbanen Szenen behalten. Und auch die Malerei selbst spannt sich von der monochromen Fläche bis hin zu präzisen gegenständlichen Darstellungen zum Beispiel von Architektur. Geheimnisvoll schwebt zugleich eine Erzählung in den Bildern, ein Geschehen, das just innegehalten zu haben scheint.

Bei Julian Reiser wird der Schmerz, Kunst unvermittelt zu sehen, augenfällig. Reiser zeigt seine neueste Serie von Zeichnungen mit dem Titel „Wenn das Geld verschwindet“. Zu sehen sind in Reihe gehängte, aufgefaltete Blätter, deren linke Seite stets kohlrabenschwarz schillert, während die linke ein bürgerliches Wohlstands-Interieur mit Kunst zeigt. Stilisiert wird auf Werke von Blue-Chip-Künstlern angespielt wie Neo Rauch oder Gerhard Richter, die auf dem Kunstmarkt fast so viel Ertrag wie Top-Unternehmen der Wirtschaft erzielen. Im Verlauf von Reisers Serie werden die Szenen immer dunkler bis zum Verschwinden im Schwarz. Der Betrachter muss sich immer mehr mühen, noch Konturen zu erkennen. Die Materialität der fetten Graphit-Farbe, ihre sinnliche Kraft, ist ausschließlich analog erlebbar – ein Vorteil für die Lebendigkeit gegenüber digitalen Bildern oder Werken, die aufgrund ihrer pekuniären Werte in Safes verschwinden oder in Museen auf Distanz gehalten werden müssen.

Dass die Ausstellung beim Förderverein Aktuelle Kunst „Drinnen ist immer schön“ heißt, darf als ein ironischer Kommentar gelesen werden. Schließlich gibt es ohne Draußen kein Drinnen. Und was wäre das Drinnen ohne das Draußen? Auf jeden Fall nicht immer schön . . .

Die Ausstellung ist bis zum 2. Mai beim Förderverein Aktuelle Kunst, Fresnostraße 8, zu sehen. Aufgrund der aktuellen Lage ist ein Besuch nur mit vorheriger Anmeldung möglich. Der Zeitraum des Besuches kann über die Website via Doodle gewählt werden.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7907164?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker