Kongo-Projekt der WN-Spendenaktion
Mechaniker statt Kindersoldat

Münster -

Einst waren sie Kindersoldaten, nun werden sie zu Kfz-Mechanikern oder Krankenschwestern ausgebildet. Ein Bildungszentrum im Kongo ermöglicht Kindern eine berufliche Perspektive. Finanziert wurde es unter anderem durch Spenden aus Münster.

Sonntag, 11.04.2021, 11:00 Uhr aktualisiert: 11.04.2021, 11:20 Uhr
In einem der Werkräume des durch WN-Leser finanzierten Bildungszentrums erlangen Kinder und Jugendliche aus dem Kongo handwerkliche Fähigkeiten.
In einem der Werkräume des durch WN-Leser finanzierten Bildungszentrums erlangen Kinder und Jugendliche aus dem Kongo handwerkliche Fähigkeiten. Foto: privat

Ausgestattet mit einem Bauarbeiterhelm, stehen die Kinder an der Werkbank und bearbeiten mit einer Pfeile ein vor ihnen eingeklemmtes Metallstück. Nebenan sitzen andere Kinder konzentriert vor Nähmaschinen, ein Stück weiterfindet Französisch-Unterricht statt. Schulalltag im Berufs-Bildungszentrum in Kolwezi, einer Halbemillion-Einwohnerstadt im Süden des Kongo.

Solch einen Schulalltag gibt es dort noch nicht lange. 2011 hat der aus dem Kongo stammende Priester Hilarius gemeinsam mit Aktiven der St.-Ida-Gemeinde Münster (gehört heute zu St. Nikolaus) an der WN-Spendenaktion in der Adventszeit teilgenommen.

Das Ziel: Der Bau eines Berufs-Bildungszentrums, um Waisenkindern und Kindersoldaten eine berufliche Perspektive sowie gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Rund 68 000 Euro haben WN-Leserinnen und -Leser damals gespendet, um Kindern eine Arbeit in Minen und Bergwerken zu ersparen.

Schüleranzahl ist stark gewachsen

2013 wurde das Berufsbildungszentrum durch die Spendengelder fertiggestellt. „Wir haben mit 40 Kindern angefangen“, sagt Priester Hilarius. Heute besuchen 800 Kinder in zwei Schichten die Schule, alle Altersklassen vom Kindergarten bis zum Gymnasium sind vertreten. Die ehemaligen Kindersoldaten werden in 13 Klassen- und Werkräumen zu Kfz-Mechanikern, Maurern, Krankenschwestern oder Schneiderinnen ausgebildet und erhalten einen vom Staat anerkannten Schulabschluss, sagt Bernhard Morbé, der das Projekt ehrenamtlich mit seinem Bruder Werner von Münster aus mitorganisiert.

Mit den Jahren sei die Einrichtung im Kongo gewachsen. 2014 kam ein selbstgebautes Gesundheitszentrum hinzu. „Erst war das nur für die Kinder des Projekts, dann für alle Anwohner aus der Umgebung“, berichtet Priester Hilarius. Durch Sachspenden von Krankenhausbetten und medizinisches Gerätschaften – unter anderem durch Einrichtungen der St.-Franziskus-Stiftung – sei das Gesundheitszentrum mittlerweile gut ausgestattet. „Wir haben gerade wieder einen neuen Container voller Sachspenden losgeschickt“, berichtet Werner Morbé, es sei mittlerweile der achte.

Trotz der fast zehnjährigen Unterstützung aus Münster gebe es vor Ort noch viel zu tun. „Als nächstes wollen wir dort fließendes Wasser hinbekommen“, erläutert Werner Morbé.

Impfzentrum für die Region

Vor wenigen Monaten wurde zudem das Gesundheitszentrum zu einem Impfzentrum für die gesamte Region erweitert. Kinder werden dort nun gegen Poliolähmung, Windpocken, Gelbfieber oder auch Malaria geimpft.

Von einer Impfung gegen Covid-19 sei man allerdings noch weit entfernt, berichtet Priester Hilarius, obwohl der Kongo hart von der Pandemie getroffen wurde. Monatelang war das Land im Lockdown, erst seit Februar sind die Schulen wieder offen.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7909051?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker