Digitalisierung am UKM
Palliativmedizin im Wandel: „Hürden abbauen und Netzwerke stärken“

Münster -

Nicht nur Visiten, auch Absprachen unter Kollegen werden unkomplizierter: Der Einsatz von Telemedizin ermöglicht den Spezialisten des UKM und des Palliativnetz Münster die enge und ortsunabhängige Zusammenarbeit bei der Versorgung schwerstkranker Patienten.

Montag, 12.04.2021, 13:41 Uhr aktualisiert: 12.04.2021, 13:50 Uhr
Digitalisierung am UKM: Palliativmedizin im Wandel: „Hürden abbauen und Netzwerke stärken“
Schnell, unkompliziert und sicher funktioniert der (Daten-)Austausch dank neuer Kommunikationstechnologien: Andreas Bückmann (v.l.), Ulrich Büßelmann und Dr. Janina Krüger. Foto: UKM/Deiters-Keul

„Als immer wieder was dazugekommen ist, war mir klar, dass ich mit der Krankheit leben muss.“ Ulrich Büßelmann weiß, dass der Prostatakrebs, der vor mittlerweile rund zehn Jahren bei ihm diagnostiziert wurde und seitdem mehrfach gestreut hat, nicht mehr heilbar ist. Anfang dieses Jahres war er durch die Erkrankung und die notwendigen Therapien dann körperlich so geschwächt, dass er auf die Palliativstation des UKM (Universitätsklinikum Münster) überwiesen wurde.

„Die Ärzte und Pfleger haben sich toll um mich gekümmert und mich dann soweit aufgebaut, dass ich sogar wieder nach Hause zu meiner Frau konnte“, erzählt der 76-jährige Münsteraner, der seitdem zu Hause vom Team des Palliativnetz Münster betreut wird. Dass der Wechsel von der stationären in die ambulante Versorgung so reibungslos verlief, wurde auch durch den Einsatz neuer Kommunikationstechnologien möglich.

Alle wichtigen Daten sind digital greifbar

„Im Zuge der Digitalisierung eröffnen sich vielfältige Möglichkeiten im Bereich der Telemedizin“, berichtet Prof. Philipp Lenz, Leiter der Palliativmedizin am UKM und Geschäftsführer des universitären Krebszentrums, dem WTZ (Westdeutsches Tumorzentrum) Münster. Dabei gehe es nicht nur um Tele-Visiten im klassischen Sinne, sondern auch um die schnelle und unkomplizierte Absprache mit Kollegen bei Videokonferenzen und den sicheren digitalen Austausch wichtiger medizinischer Daten oder CT-Aufnahmen. „Wir haben dann alle erforderlichen Angaben direkt greifbar. Auch der Patient kann bei Bedarf zum Beispiel einfach mal eine Packung ins Bild halten, wenn er sich beim Namen eines Medikaments, das er einnimmt, nicht ganz sicher ist – ,stille Post‘ ist da manchmal schwierig“, ergänzt Kollege Andreas Bückmann, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Palliativmedizin für den Bereich Telemedizin verantwortlich ist. „Und natürlich spart man auch Wegezeiten.“

Ein Projektpartner ist das Palliativnetz Münster, dessen Team die lebensbedrohlich erkrankten Patienten und deren Angehörigen in ihrem eigenen Zuhause betreut. „Natürlich ist der persönliche Kontakt nach wie vor besonders wichtig – auch und gerade in Corona-Zeiten“, betont Dr. Janina Krüger, die das Palliativnetz Münster gemeinsam mit ihrer Kollegin Dr. Birgit Bauer leitet.

Palliativnetz bietet 24-Stunden-Bereitschaft

Das Netz bietet eine 24-Stunden-Bereitschaft, in der sowohl Ärzte als auch Pflegefachkräfte in dringenden Fällen sofort kommen können. Eine Unterstützung, für die Ulrich Büßelmann sehr dankbar ist: „Frau Dr. Krüger ist ein Geschenk!“ Das zusätzliche telemedizinische Angebot bringt aus seiner Sicht viele Vorteile: Er könne jederzeit eine Verbindung herstellen, wenn es ihm schlecht gehe. „Mir wird dann auf schnelle, unkomplizierte Art geholfen. Der Arzt macht den Bildschirm auf und hat direkt meine Daten. Außerdem ist es toll, dass sich alle schon untereinander kennen.“

„Gerade bei der palliativmedizinischen Betreuung ist ein gut funktionierendes Netzwerk besonders wichtig“, betont auch Krüger. Die Telemedizin ermögliche dabei einen unmittelbaren und ortsunabhängigen Austausch mit den Kollegen. So manche Krankenhauseinweisung könne auf diesem Wege sogar verhindert werden. „Es ist der große Wunsch ganz vieler schwerkranker Menschen, in ihrer letzten Lebenszeit zu Hause betreut und begleitet zu werden“, erzählt sie. 

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