Nach Angriff mit Schraubenzieher
Angeklagter soll in die Psychiatrie

Münster -

Wenn es nach dem Staatsanwalt geht, soll der 28-jährige Mann aus Münster, der seinen Stiefvater mit einem Schraubenzieher lebensgefährlich verletzt haben soll, in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden. Denn er stelle eine Gefahr für die Allgemeinheit dar.

Dienstag, 13.04.2021, 15:15 Uhr aktualisiert: 13.04.2021, 20:23 Uhr
Vor dem Landgericht Münster muss ich seit Mitte März ein 28-Jähriger Mann verantworten. Ihm wird vorgeworfen, seinen Stiefvater mit einem Schraubenzieher schwer verletzt zu haben.
Vor dem Landgericht Münster muss ich seit Mitte März ein 28-Jähriger Mann verantworten. Ihm wird vorgeworfen, seinen Stiefvater mit einem Schraubenzieher schwer verletzt zu haben. Foto: Friso Gentsch

Der 28-jährige Münsteraner, dem vorgeworfen wird, im September seinen Stiefvater mit einem Schraubenzieher lebensgefährlich verletzt zu haben, soll in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden. Dafür plädierte der Staatsanwalt am Dienstag am Landgericht.

Er sah es als erwiesen an, dass der psychisch kranke Mann seinen Stiefvater mit mehreren Stichen verletzt und dessen Lunge durchbohrt habe. Weil der Angeklagte die Tat aufgrund einer Psychose im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen habe, sei er freizusprechen.

„Es hat keinen halbwegs plausiblen Anlass für die Tat gegeben“, sagte der Staatsanwalt. Infolge seines Zustandes sei aber mit weiteren Taten zu rechnen, die für andere gefährlich sein könnten, begründete der Staatsanwalt seine Forderung nach der Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik. Die Verteidigerin des Angeklagten schloss sich in ihrem Plädoyer der Staatsanwaltschaft an.

Schizophrene Psychose attestiert

Wesentliche Grundlage für die Beurteilung der Verteidigerin und des Staatsanwaltes war neben Zeugenaussagen ein psychiatrisches Gutachten: Eine Sachverständige attestierte dem Angeklagten eine schizophrene Psychose. Der 28-Jährige sei immer noch schwer krank, sagte sie. Er fühle sich verfolgt, habe Wahnvorstellungen und leide unter akustischen Halluzinationen.

Erste Anzeichen für die Erkrankung habe es bereits im Teenager-Alter gegeben. Die Krankheit sei lange unbehandelt geblieben. Das habe zu aggressivem und unberechenbarem Verhalten geführt, wie zahlreiche Drohungen und Auseinandersetzungen in der Vergangenheit in Obdachloseneinrichtungen, Kliniken oder im Gefängnis zeigten.

Mann hatte Tatwaffe noch bei sich

Zu Beginn des dritten Verhandlungstages sagten zwei Polizisten als Zeugen aus. Einer schilderte, wie der Angeklagte untypischerweise nach der Tat nicht weglief und sogar noch die Tatwaffe bei sich trug. Der andere beschrieb den 28-Jährigen als teilnahmslos mit ständig starrer Körperhaltung, „als ob er gleich platzen könnte“.

Das Urteil will die 11. Große Strafkammer am 20. April verkünden.

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