Land unterstützt Projekt mit 224.000 Euro
„Jüdisches Leben gehört zur Heimat dazu“

Münster -

Auf digitale Lösungen setzt ein Projekt, das Menschen die jüdische Geschichte Münsters näherbringen will. Initiator ist der Verein zur Förderung des Jüdischen Friedhofs. Dieser kann sich jetzt über Unterstützung aus Düsseldorf freuen.

Donnerstag, 15.04.2021, 08:00 Uhr
Heimatministerin Ina Scharrenbach (l.) übergab am Mittwoch auf dem Jüdischen Friedhof den Förderbescheid für das Projekt „Jüdische Heimat Münster“. Mit dabei (v.l.): Sharon Fehr (Vorsteher der Jüdischen Gemeinde), Ludger Hiepel, Karin Reismann, Gisela Möllenhoff (alle Förderverein Jüdischer Friedhof), Dorothee Feller (Regierungspräsidentin), Stefan Querl (Antisemitismusbeauftragter) und Marie-Theres Wacker (Vorsitzende des Fördervereins). Foto:
Heimatministerin Ina Scharrenbach (l.) übergab am Mittwoch auf dem Jüdischen Friedhof den Förderbescheid für das Projekt „Jüdische Heimat Münster“. Mit dabei (v.l.): Sharon Fehr (Vorsteher der Jüdischen Gemeinde), Ludger Hiepel, Karin Reismann, Gisela Möllenhoff (alle Förderverein Jüdischer Friedhof), Dorothee Feller (Regierungspräsidentin), Stefan Querl (Antisemitismusbeauftragter) und Marie-Theres Wacker (Vorsitzende des Fördervereins). Foto: Foto: kal

Der Jüdische Friedhof an der Einsteinstraße ist ein verwunschener Ort. Zwischen uralten Bäumen stehen Grabsteine, an denen unübersehbar der Zahn der Zeit genagt hat. Manche sind umgestürzt, auf andere hat sich eine dicke Moosschicht gelegt. Hier haben Menschen ihre letzte Ruhe gefunden, die Anfang des 19. Jahrhunderts jüdisches Leben nach Münster zurückbrachten, die für den Aufstieg des Judentums in der Kaiserzeit und der Weimarer Republik standen, die den Holocaust überlebten. Für viele von ihnen war Münster Heimat.

„Jüdische Heimat Münster – digitale Stadtrundgänge mit augmented reality“: So heißt ein Projekt, das der Verein zur Förderung des Jüdischen Friedhofes an der Einsteinstraße bis 2023 umsetzen will. Dass es sich dabei um ein bedeutendes Vorhaben handelt, zeigt die Tatsache, dass NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach einen Förderbescheid in Höhe von rund 224 000 Euro am Mittwoch persönlich in Münster übergeben hat.

Scharrenbach: Vielfalt wertschätzen

„Man kann die Zukunft nur gestalten, wenn man die Vergangenheit kennt“, betonte die Ministerin auf dem Jüdischen Friedhof. Heimat sei keine selbstverständliche Gegebenheit, sondern eine Aufgabe, die immer wieder neu zu formen sei und eine Wertschätzung von Vielfalt erfordere.

Das Projekt des Fördervereins habe gerade dies zum Ziel, so die Vorsitzende Prof. Dr. Marie-Theres Wacker. Münster solle als Heimat jüdischer Gemeinden vom Mittelalter bis zur Gegenwart vorgestellt und jüdisches Leben als Teil der westfälischen Heimat nahegebracht werden.

Konkret sollen mehrere Stadtspaziergänge mit diversen Stationen entwickelt werden. Unterschiedliche Technologien werden dabei behilflich sein. So sollen die Spaziergänge unter anderem den Platz des Westfälischen Friedens, wo die ältesten Spuren jüdischen Lebens rekonstruiert werden konnten, das Gymnasium Paulinum, wo sich der mittelalterliche Jüdische Friedhof befand, und die Synagoge ansteuern.

Mit Hilfe von „augmented reality“ werden historische Situationen rekonstruiert und begehbar, Karten, Pläne und Filme sollen den Spaziergang weiter anreichern.

Verschlossene Orte werden begehbar

Mit diesem digital-virtuellen Zugang sollen gerade auch junge Generationen angesprochen werden, betont Wacker. Zudem würden Orte begehbar, die in der Realität aus Sicherheitsgründen meist verschlossen sind, wie der Jüdische Friedhof an der Einsteinstraße.

„Jüdisches Leben gehört zur Heimat dazu“, betonte Regierungspräsidentin Dorothee Feller am Mittwoch. Einen ausdrücklichen Dank für die Unterstützung des zukunftsweisenden Projektes sprach der Vorsteher der Jüdischen Gemeinde, Sharon Fehr, aus.

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