Debatte um Namensgeber der Uni Münster
Mit Kaiser Wilhelm II. geht es jetzt „Zur Sache“

Münster -

Seit Mittwoch ist die Öffentlichkeit zu einer Debatte über den Namenspatron der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster eingeladen. Ob der letzte deutsche Kaiser Wilhelm II. weiter der Uni den Namen geben soll, wird sich nach den Plänen der Hochschule aber nicht so zeitnah entschieden.

Mittwoch, 14.04.2021, 20:00 Uhr aktualisiert: 15.04.2021, 08:10 Uhr
Wie geht die Universität mit ihrem Namensgeber um? Eine Online-Diskussionsplattform und ein Beirat sollen die Frage voranbringen.
Wie geht die Universität mit ihrem Namensgeber um? Eine Online-Diskussionsplattform und ein Beirat sollen die Frage voranbringen. Foto: Matthias Ahlke

Die Frage, ob der letzte deutsche Kaiser Wilhelm II. der richtige Namenspatron für die Universität Münster bleiben soll, schwelt seit Jahr und Tag. Und sie wird sich auch nicht so schnell entscheiden, wie am Mittwoch in der Senatssitzung der WWU deutlich wurde.

Dr. Eckhard Kluth, Leiter der zentralen Kustodie der Uni, erläuterte das Projekt zum Umgang mit dem Namensgeber, das gestartet wurde. Ganz aktuell ist seit Mittwochmittag eine Diskussionsplattform zum Thema online ( www.uni-muenster.de/ZurSacheWWU ).

Zu Jahresbeginn hat die WWU mit Kathrin Schulte eine wissenschaftliche Mitarbeiterin eingestellt, die mit Kluth die Koordination des auf zwei Jahre angesetzten Projekts verantwortet. Zudem tagte Mitte Februar erstmals ein neunköpfiger wissenschaftlicher Beirat, dem neben Experten der WWU auch externe Fachleute angehören.

Interessierte zur Diskussion eingeladen

Unter anderen wurden Dr. Silvia Necker, Leiterin des LWL-Preußenmuseums Minden, Prof. Dr. Martin Sabrow, Direktor des Leibniz-Zentrums für zeithistorische Forschung in Potsdam sowie Dr. Christoph Spieker, Leiter des Geschichtsorts Villa ten Hompel, dafür gewonnen. Auf der Diskussionsplattform sind nun alle am Thema Interessierten zur Debatte eingeladen – wozu der Rektor der WWU, Prof. Dr. Johannes Wessels, ausdrücklich ermuntert.

Seit 1907 trägt die WWU den Namen ihres damaligen Stifters, Kaiser Wilhelm II. Eine seit 2018 unter Leitung des WWU-Historikers Prof. Dr. Olaf Blaschke tagende Arbeitsgruppe kam zu dem Ergebnis, dass „Wilhelm II. überaus militaristisch und nationalistisch, antislawisch und geradezu obsessiv antisemitisch war“.

Andererseits habe der letzte deutsche Kaiser die Wissenschaft gefördert und der münsterischen Lehranstalt 1902 wieder den Status einer Universität verliehen.

Veranstaltungen und Infomaterial zum Thema

Demnächst soll eine öffentliche Diskussionsreihe zum Thema beginnen. Darüber hinaus soll in Absprache mit Studierenden Informationsmaterial zu Wilhelm II. und seinem politischen Handeln erstellt werden. Schließlich wird das Rektorat die zentralen Erstsemester-Begrüßungen im Herbst jeweils dazu nutzen, die neuen Studierenden über diesen Prozess zu informieren.

Die Projekt-Ergebnisse sollen in einer Ausstellung ab Herbst 2022 dargestellt werden. Voraussichtlich im ersten Quartal 2023 sollen die WWU-Gremien eine Entscheidung über die Namensfrage fällen.

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