Testpflicht in Schulen
Bußgeld-Androhung ist „Aufreger“ bei Eltern

Münster -

Eltern, die die Selbsttests ihrer Kinder in den Schulen verweigern, müssen mit Ordnungsstrafen rechnen. In der Stadtelternschaft wird das Thema heftig diskutiert.

Freitag, 16.04.2021, 17:00 Uhr aktualisiert: 16.04.2021, 19:10 Uhr
Ab Montag herrscht mit der Wiederaufnahme des Wechselunterrichts in den Schulen eine Testpflicht für Schüler.
Ab Montag herrscht mit der Wiederaufnahme des Wechselunterrichts in den Schulen eine Testpflicht für Schüler. Foto: Thomas F. Starke

Wenn am Montag der Präsenzunterricht im Wechselmodell für alle Klassenstufen wieder startet, herrscht Testpflicht. Das bedeutet: Wer sich hier verweigert, darf nicht am Unterricht teilnehmen. Für die Bezirksregierung entspricht dies rechtlich einer Schulverweigerung, wie sie den Schulen mitgeteilt hat. Und dafür können Ordnungsstrafzahlungen bis zu 1000 Euro verhängt werden.

Leiter münsterischer Schulen berichten derweil jeweils von vereinzelten Verweigerern. Kathi Kösters, Leiterin der Gesamtschule Münster Mitte, hat den Eltern nun vorerst die Rechtslage dargelegt, wie sie sagt. Für sie ist aber klar, dass die Schule für die betreffenden Kinder Distanzunterricht anbieten werde, auch wenn kein Anspruch darauf bestehe.

Keine einheitliche Position

Unter Eltern sei die Androhung der Bezirksregierung „ein ziemlicher Aufreger“, sagt Karla Foerste aus dem Vorstand der Stadtelternschaft. Vor dem Schulstart bei hohen Inzidenzwerten sei es wegen der großen Spannbreite der Sichtweisen unmöglich, in dem Gremium eine einheitliche Position zu formulieren.

Die Stadtelternschaft regt aber beim Land an, die Förderbedingungen für die Anschaffung von Luftfiltergeräten für die Klassenräume neuzu formulieren, damit das zurVerfügung stehende Geld abgerufen werden könne. Foerste merkt an, es gebe „auch leisere Geräte als jene, die in den münsterischen Schulen im Einsatz sind“.

Was die Weitergabe der Selbst-Testergebnisse in den Schulen an die Gesundheitsämter angeht, hat das Land seine Vorgaben geändert. Positive Ergebnisse müssen jetzt doch den Behörden gemeldet werden.

 

 

Kommentar: Testen - am besten täglich

Lockern oder verschärfen – wenn wir eins in der nun mehr als ein Jahr währenden Pandemie gelernt haben: Es gibt kein allgemeingültiges richtig oder falsch – und der Umgang mit den Schulen ist zum größtmöglichen Zankapfel geworden. Beispiel? Vor genau einer Woche waren die nicht rechtzeitig an die Schulen verschickten Tests und die dadurch verschobene Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts der – zurecht – große Aufreger. Jetzt, die Tests sind mittlerweile angekommen, wird die erregte Debatte darüber geführt, ob es angesichts der hochschnellenden Inzidenz überhaupt verantwortbar ist, die Kinder in die Schulen zu lassen. Dazu mischen sich Stimmen von Eltern ins Konzert, die gegen die Testpflicht opponieren.
Klar aber ist: Wenn man überhaupt Schule in Präsenz planen will, geht es nicht ohne verpflichtende Tests in kurzen Abständen. Bisher wurden durch die freiwilligen Tests an den Schulen nicht allzu viele Infektionsfälle aufgedeckt. Nun aber werden, vorausgesetzt, die Testlieferung kommt nicht wieder uns Stocken, alle Kinder und Jugendlichen zweimal wöchentlich getestet. Besser wäre täglich, aber die Unsicherheit der Momentaufnahme, die ein Selbsttest liefert, wird so immerhin relativiert. Die Dauer-Testung ist auch unverzichtbar um Kinder und Jugendliche, für die es in absehbarer Zeit keine Impfung gibt, vor einer Ansteckung und im Einzelfall auch drohender schwerer Erkrankung zu schützen.
Die Stadtelternschaft bringt in dieser Lage wieder die Anschaffung von Luftfiltergeräten für die Schulräume ins Gespräch – und Aerosol-Forscher geben ihnen recht, dass dies vielleicht doch keine unnütze Anschaffung sein könnte. Die Pandemie wird die Schulen noch länger begleiten.

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