Zoll-Kontrolle auf Münsters Baustellen
Schwarzarbeit im Visier

Münster -

Auf der Jagd nach Schwarzarbeitern: Die Einheit Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Hauptzollamtes Münster hat am Freitag im Rahmen einer bundesweiten Schwerpunktkontrolle Baustellen kontrolliert. Und die Ermittlerinnen und Ermittler sind fündig geworden.

Freitag, 16.04.2021, 21:00 Uhr
Nichts zu beanstanden: Der Zollbeamte Jörg Nicolaus stellt bei der Überprüfung eines Arbeiters an einer Baustelle am Mittelhafen keine Unregelmäßigkeiten fest. Die ganze Baustelle sei „sauber“, so Nicolaus.
Nichts zu beanstanden: Der Zollbeamte Jörg Nicolaus stellt bei der Überprüfung eines Arbeiters an einer Baustelle am Mittelhafen keine Unregelmäßigkeiten fest. Die ganze Baustelle sei „sauber“, so Nicolaus. Foto: Pjer Biederstädt

Am Ende werden sie doch noch fündig. Auf einer Baustelle unweit der Westfalenstraße in Hiltrup entdecken Zollbeamte am Freitagnachmittag zwei Bauarbeiter ohne Arbeitserlaubnis. Die auf frischer Tat ertappten Ukrainer haben nur Touristenvisa, dürfen in Deutschland nicht arbeiten. Immerhin: Sie wollen aussagen. Den Zoll interessiert vor allem eines: Wer ist ihr Arbeitgeber? Denn nicht nur die illegalen Bauarbeiter, auch der Drahtzieher muss mit einem Strafverfahren rechnen.

Etwa sechs Stunden zuvor: 22 Einsatzkräfte der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) – eine Arbeitseinheit des deutschen Zolls – machen sich um kurz nach 7 Uhr im Hauptzollamt Münster an der Loddenheide bereit. Sie sind heute Teil einer bundesweiten Kontrollaktion. Diesmal im Visier: Das Baugewerbe. Das floriert nämlich auch zu Corona-Zeiten, im Gegensatz zum Gaststättengewerbe.

Schusswaffe, Schutzweste, Funkgerät, Taschenlampe, Sicherheitsschuhe, Helm – „in der Ausrüstung kann es schnell warm werden“, sagt Jörg Nicolaus, behält aber kühlen Kopf. Seit 30 Jahren ist der Zollbeamte Schwarzarbeitern auf der Spur. Die Überprüfung der vier Großbaustellen? Routine!

Die Waffe als letztes Mittel

7.40 Uhr, Abfahrt am Linus-Pauling-Weg. Die Kolonne aus Zollautos schlängelt sich durch den Berufsverkehr zum Südufer des Stadthafens. Die 22 Frauen und Männer in blauer Uniform strömen in Teams auf der Baustelle aus und befragen die Arbeiter. Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis vorhanden? Wird Mindestlohn gezahlt? Krankenkasse?Der Fragenkatalog ist lang.

Jörg Nicolaus ist bestimmt, aber freundlich. „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“, lautet sein Motto. Der Befragte ist „sauber“, genau wie die ganze Baustelle. „Gute Buchführung, keine Unregelmäßigkeiten“, so das erste Fazit von Bernd Fischer, stellvertretender Leiter des Hauptzollamtes Münster. Genaueres wissen sie erst nach der abschließenden Prüfung der Angaben im Hauptzollamt. Fürs erste ist die Stimmung entspannt.

Werden Straftaten aufgedeckt, „so wie neulich auf einer Baustelle in Handorf, wo fünf Illegale gearbeitet haben“, erzählt Nicolaus, gehe es nicht immer friedlich zu. Nicht umsonst tragen die Beamten eine Waffe. Nicht umsonst dürfen nur zwei von 22 Zollbeamten von vorne fotografiert werden. „Die anderen werden eventuell noch als verdeckte Ermittler eingesetzt“, erklärt Pressesprecherin Verena John.

Volkswirtschaftlichen Schaden abwenden

Die Ermittlungen sollen vor allem volkswirtschaftlichen Schaden abwenden: Die von der FKS aufgedeckte Schadenssumme aufgrund von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten belief sich im Jahr 2020 auf rund 10,2 Millionen Euro.

Von volkswirtschaftlichem Schaden ist auf der zweiten Baustelle am Hafenweg und der dritten in Rumphorst keine Spur. Erst auf der letzten Baustelle – ein Wohnbauprojekt in Hiltrup – werden die Beamten fündig: zwei Männer ohne Arbeitserlaubnis und ein Verdachtsfall. Bei einem Pass eines Arbeiters könnte es sich um eine Fälschung handeln. Ausgang ungewiss.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7920218?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker