Einsatz für fair und nachhaltig produzierte Kleidung
Revolutionärinnen für die Mode

Münster -

Eine Jeans für 20 Euro? Eigentlich unmöglich, sagen die Studentinnen Mariel Mergard, Helen Levine und Maria Renée Morales aus Münster. Sie setzen sich dafür ein, dass Kleidung fairer und umweltfreundlicher produziert wird.

Montag, 19.04.2021, 17:30 Uhr aktualisiert: 19.04.2021, 18:38 Uhr
Mariel Mergard, Helen Levine und Maria Renée Morales (v.r.), haben die „Fashion Revolution Week“ vorbereitet und die Schaufenster des Café Fam in der Frauenstraße für ihre Ausstellung genutzt.
Mariel Mergard, Helen Levine und Maria Renée Morales (v.r.), haben die „Fashion Revolution Week“ vorbereitet und die Schaufenster des Café Fam in der Frauenstraße für ihre Ausstellung genutzt. Foto: Karin Völker

Mariel Mergard, Helen Levine und Maria Renée Morales machen gar keinen Hehl daraus: Shoppen in den Filialen der einschlägigen Modeketten, wo die Klamotten schick und preiswert sind – das gehörte früher auch zu ihren lieben Gewohnheiten. Bis den jungen, modebewussten Frauen die Erkenntnis dämmerte: Die Ex-und-hopp-Mentalität beim Kleiderkauf – „fast fashion“ – schadet global Mensch und Umwelt. In dieser Woche sind die drei münsterischen Studentinnen für die Organisation der dritten „Fashion Revolution Week“ vom 19. bis zum 24. April aktiv. Der 24. April ist der achte Jahrestag des katastrophalen Einsturzes der Textilfabrik „Rana Plaza“ in Bangladesch, bei dem 1200 Menschen starben und der die unmenschlichen Arbeitsbedingungen der Textilarbeiterinnen in den öffentlichen Fokus rückte.

Eine Jeans für 20 Euro? Geht eigentlich gar nicht...

Maria Renée Morales merkte bei einem Nähkurs vor einigen Jahren, „wie mühsam und aufwendig es ist, eine Hose zu nähen“. Und sie fragte sich, wie es angesichts dessen möglich sei, dass eine Jeans mitunter für weniger als 20 Euro angeboten wird. Ebenso wie Mariel Mergard und Helen Levine engagiert sie sich in der Regionalgruppe Münster „Saubere Kleidung“. Für die „Fashion Revolution Week“ hat die Gruppe in den Schaufenstern des derzeit wegen der Pandemie geschlossenen Café Fam an der Frauenstraße 14 eine Ausstellung arrangiert, die auf die Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie und die Umweltfolgen von „fast ­fashion“, also Wegwerfmode, aufmerksam macht.

Kunststudentin Morales hat die Infos in Bilderrahmen, unterlegt mit echten Kleidungsstücken, gestaltet. Da erfahren Passanten etwa, dass beim Kauf eines immerhin 19 Euro teuren T-Shirts nur 10 Cent Lohn für die Näherin übrig bleiben. In dieser Woche steht die Verabschiedung des Lieferkettengesetzes auf der Tagesordnung des Bundestages – Münsteraner werden im Schaufenster aufgefordert, mit Appellen an ihre Abgeordneten, darauf Einfluss zu nehmen. Die Produktion von Textilien etwa könnte vom Baumwollanbau bis zum Verkauf in deutschen Läden fairer und nachhaltiger werden.

Kleidung lüften – das hilft

Im Schaufenster finden sich auch praktische Tipps, was man abseits vom Kauf fair produzierter, aber eben auch relativ teurer Kleidung tun kann: Ein Kleidungsstück lüften oder für einen Tag ins Gefrierfach des Kühlschranks zu legen, sorge für längere Haltbarkeit ebenso wie weniger und schonende Waschgänge bei 30 Grad. „Flicken statt wegwerfen“ – all das helfe, zählt Mariel Mergard auf. Sie bedient sich seit einigen Jahren vorwiegend an „Mamas Kleiderschrank“, erzählt sie lachend und zupft an ihrer schicken, einst von der Mutter selbstgenähten Jacke.

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