Künstlerduo versteigert NFT-Kunstwerk
Ein Original wie die Mona Lisa

Münster -

Eine Datei als Kapitalanlage oder Renommierobjekt? Die Kunst macht es möglich. Und ein Künstlerduo aus Münster hat jetzt ebenfalls ein Original NFT-Kunstwerk in die virtuelle Welt gestellt.

Montag, 19.04.2021, 18:43 Uhr aktualisiert: 19.04.2021, 18:48 Uhr
„Corona Nights in Hamburg.
„Corona Nights in Hamburg. Foto: Screenshot: -kok-

Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit hat es schwer. Copy and Paste, – und schon sind das Original und seine millionenfachen Klone ununterscheidbar. Die arme Aura, die der Philosoph und Kunstkritiker Walter Benjamin (1892-1940) einst rühmte und deren Verfall er zutiefst bedauerte. Echt, einmalig und unnahbar – wie soll das bei digitaler Kunst funktionieren? Ausgerechnet der Meister technischer Reproduzierbarkeit macht es möglich: der Computer. Mit der Blockchain-Technik sind jetzt sogenannte NFT-Kunstwerke möglich. Für 69 Millionen Dollar kam jüngst eine Collage von Mike Winkelmann (Künstlername: Beeple) unter den „Hammer“. In der virtuellen Welt wird Kunst eine bedeutende Rolle spielen, glaubt das Künstlerduo „Malou & Arit“ aus Münster und hat als eines der ersten in Nordrhein-Westfalen ein NFT-Kunstwerk zur Auktion freigegeben.

Daniel „Arit“ Saul und Malou Hilberer arbeiten seit drei Jahren zusammen. Sie kommt aus dem Schwarzwald und hat die School of Design am Leonardo Campus absolviert; er kommt aus Hamburg und ist gleich gegenüber an der Kunstakademie Meisterschüler von Andreas Köp­nick . Beide bearbeiten Fotografien minimalistisch mit gemalten Kratzspuren – „Digital Scratching“ nennen sie den Stil. Saul: „Wir wollen, dass aus einem realen Bild etwas Neues hervorsticht.“ Ihr NFT-Kunstwerk „Corona Nights in Hamburg. Skyscraper“ zeigt das „Empire Riverside Hotel“ im Herzen von St. Pauli, der Platz menschenleer, eine zwar pandemische, aber nicht bedrückende Nacht-Szene. Den „Wolkenkratzer“ haben Malou und Arit mit einer Art Flatterband-Muster zerkratzt und damit zugleich umwickelt. Das Kunstwerk greift eine Instagram-Ästhetik auf, indem sich die Blickperspektive im Sekundentakt minimal bewegt. „Die meisten benutzen diesen Stil vorm Spiegel für ein Selfie mit Kussmund“, erläutert Saul.

Dieses sich bewegende Kunstwerk kann selbstverständlich jeder abfilmen, kopieren und verbreiten. Aber: Es wäre nicht das Original! Denn das liegt unzerstörbar und einzigartig signiert in der digitalen „Wallet“ von „Malou & Arit“, gleichsam der digitalen Brieftasche der Künstler. Vorteil: Ihre Urheberschaft ist besser geschützt. Verkaufen sie ihre Arbeit, dann wandert die Kunst-Datei in die „Wallet“ des Käufers. Der kann sie dann in seinem virtuellen Wohnzimmer, seiner virtuellen Firma „aufhängen“ und stolz einen echten „Malou & Arit“ präsentieren, so echt wie die Mona Lisa. Und welche Bedeutung haben in Zukunft virtuelle Räume für Selbstdarstellung, Renommee oder Persönlichkeitsprofile? Man muss sich nur erinnern, mit welchem spielerischen Aufwand die Hintergründe in den Zoom-Konferenzen während der Corona-Pandemie variierten – virtuelle Räume werden zu sozialen Räumen, ja sind es für viele längst – ein Renommierfeld. Daniel „Arit“ Saul will die NFT-Kunst weiter erkunden: „So neu, so kryptisch, so spannend. Je mehr ich mich einlese, desto toller finde ich es.“ Aber: Saul und Hilberer bleiben dabei, weiterhin zugleich auch klassisch analoge Drucke zu verkaufen.

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