Mordprozess gegen 52-Jährigen
Nierenschmerzen – Verhandlung auf der Liege

Münster -

Frühes Ende: Weil der Angeklagte im Gerichtssaal über starke Nierenschmerzen klagte, wurde der zweite Verhandlungstag im Mordprozess gegen den 52-jährigen Münsteraner abgebrochen. Nur einer von vier Zeugen kam zu Wort – und berichtete über dramatische Szenen am Tattag.

Donnerstag, 22.04.2021, 16:05 Uhr aktualisiert: 22.04.2021, 16:18 Uhr
Knapp sechs Jahre nach dem gewaltsamen Tod einer 47 Jahre alten Frau aus Münster muss sich der Ehemann (l., hier beim Prozessauftakt) seit dem 19. April 2021 wegen Mordes vor Gericht verantworten. Der Angeklagte soll seine Ehefrau am 5. Juli 2015 in der gemeinsamen Wohnung am Kappenberger Damm mit einem Gurt erdrosselt haben. Bisher hat der Angeklagte zu den Vorwürfen geschwiegen. Vertreten wird er von Verteidiger Stephan Kreuels (r.).
Knapp sechs Jahre nach dem gewaltsamen Tod einer 47 Jahre alten Frau aus Münster muss sich der Ehemann (l., hier beim Prozessauftakt) seit dem 19. April 2021 wegen Mordes vor Gericht verantworten. Der Angeklagte soll seine Ehefrau am 5. Juli 2015 in der gemeinsamen Wohnung am Kappenberger Damm mit einem Gurt erdrosselt haben. Bisher hat der Angeklagte zu den Vorwürfen geschwiegen. Vertreten wird er von Verteidiger Stephan Kreuels (r.). Foto: Pjer Biederstädt

Zweiter Verhandlungstag, zweite Überraschung: Nachdem der angeklagte Münsteraner, der im Jahr 2015 seine Frau erdrosselt haben soll , zum Prozessauftakt zunächst nicht erschienen war und auf Anordnung des Gerichts in den Verhandlungssaal gebracht werden musste , hat die Zweite Große Strafkammer den Haftbefehl gegen den 52-Jährigen – der wegen dessen schlechten Gesundheitszustandes ausgesetzt worden war – wieder in Vollzug gesetzt. Zu groß war offenbar die Sorge, dass der Angeklagte der Verhandlung erneut fernbleiben könnte.

Bedeutet für den Angeklagten: Justizvollzugskrankenhaus Fröndenberg statt Pflegeheim in Münster. Ein medizinisch ausgebildeter Wachtmeister  schob den 52-Jährigen, der damals unmittelbar nach dem Tod seiner Frau ein Tabaksaft-Klebstoff-Gemisch getrunken haben soll und bis heute an den Folgen leidet, am Donnerstag in den Saal.  Dort blieb er jedoch nicht lange. 

Fortsetzung im Gerichtssaal im Liegen

Nach einer halben Stunde unterbrach Verteidiger Stephan Kreuels die Zeugenbefragung: „Mein Mandant leidet unter starken Nierenschmerzen.“ Zwar bekomme er stündlich Nahrung und Flüssigkeit über einen Zugang zugeführt, und gegen Mittag auch Medikamente, erklärte der Pfleger aus Fröndenberg,  doch Mittel gegen Nierenschmerzen seien nicht darunter.

Die Vorsitzende Richterin Elisabeth Hülsmann unterbrach die Sitzung, konsultierte den behandelnden Arzt und ließ eine Liege im Gerichtssaal aufstellen. Für den 52-Jährigen  ging es in der Waagerechten weiter, doch die Schmerzen blieben. Nach nur eineinhalb Stunden erklärte die Kammer den Verhandlungstag für beendet.

Schlafzimmertür eingetreten

Von den vier geladenen Zeugen kam zuvor  nur einer zu Wort. Ein Feuerwehrbeamter berichtete, wie er am Tattag vor knapp sechs Jahren zum Tatort an den Kappenberger Damm gerufen worden war. Dort hätten sich dramatische Szenen abgespielt, schon im Hausflur habe Geschrei den Einsatzkräften den Weg gewiesen.  Nach dem Aufbrechen der verriegelten Schlafzimmertür hätte der Angeklagte „zittrig, krampfig mit Schaum vor dem Mund“ auf dem Bett gelegen, neben ihm seine leblose Frau. Viel weiter kam der Zeuge in seinen Schilderungen nicht.

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