Mi., 28.02.2018

Stadtgeflüster-Interview: Tom Feuerstacke und Manni nehmen ein Leben für den Schrott auseinander Sieht primitiv aus, aber funktioniert ganz gut

Stadtgeflüster-Interview: Tom Feuerstacke und Manni nehmen ein Leben für den Schrott auseinander: Sieht primitiv aus, aber funktioniert ganz gut

Schrotthändler und Autoverwerter Manni Ludolf ist der jüngste der vier Ludolf-Brüder. Foto: Stadtgeflüster

Die einen leben ihr ganzes Leben, um zu schaffen. Die anderen leben dafür, das Erschaffene in seine Einzelteile zu zerlegen. Wird das Zerlegte später zu einem Ganzen zusammengefügt, ist der Kreislauf perfekt. So zeigten die vier Ludolf-Brüder vom Schrottplatz fast ein Vierteljahrhundert Woche für Woche im TV: Das organisierte Chaos bildete am Ende den Anfang eines neuen Lebens für so manches Fahrzeug.

Von Tom Feuerstacke

Manfred, wo erwische ich dich gerade?

Ich bin im Lager von unserem Schrottplatz und unterstütze meinen Neffen Thomas, der das Familienunternehmen übernommen hat. Wir kaufen Lagerräumungen auf und verkaufen online weiter. Dabei handelt es sich um Teile für Fahrzeuge mit dem Baujahr ab 1920.

 

Euer Neffe führt das Unternehmen weiter?

Genau. Tommy, der jüngste Sohn von Uwe, ist jetzt der Boss. Der macht das richtig gut. Wir unterstützen ihn. Das Internet als Verkaufsweg zu entdecken und zu nutzen, das war ein wirtschaftlich wichtiger Schritt.

 

Wie kommt es zu dem neuen Standort in Linden?

Das ist schnell erklärt: Einer von uns Brüdern wollte nicht mehr so gerne arbeiten, wir schon. Am alten Standort in Dernbach war das nicht mehr möglich.

 

Von daher der Umzug?

Das Filmen und die Show waren eine lustige Nummer. Aber wir sind Schrotthändler und Schrauber, unsere Hände sind schmutzig. Das ist das, was wir wollen, womit wir unser Geld verdienen. Dann und wann kommt nochmal der eine oder andere Sender, dreht eine Reportage oder möchte ein Interview. Ich persönlich hatte mit meiner Malerei 2016 in Stuttgart eine große Ausstellung. Aber darum dreht sich unser Leben nicht mehr hauptsächlich.

 

Warum hatte einer aus eurer Familienbande keine Lust mehr auf das Schrotti-Dasein?

Peter wollte weiterhin Blitzlichtgewitter und Autogrammkarten verteilen. Er wollte weiterhin Promi sein. Ist ja auch okay. Aber er hatte die Lust verloren an dem, was uns groß- und ausgemacht hat. Am Ende wollte er den Job des Schrotthändlers nur noch zum Schein erledigen. Ich aber mache nichts zum Schein. Entweder ganz oder gar nicht. Seine Wurzeln kann man ja nicht abstreifen. Wir sind und bleiben Schrott- und Ersatzteilhändler.

 

Ich verstehe das. Googelt man allerdings deinen Namen, sieht man dich bei allen möglichen anderen Aktionen. Wie viel Zeit bleibt dir für deine Wurzeln?

In der Firma bin ich im Normalfall von 10–17 Uhr. Das Ganze montags bis freitags. Nach Feierabend gehe ich auf meinen Dachboden, wo ich mir ein Atelier eingerichtet habe, und male meine Bilder. Wenn die Frau es erlaubt. Aber im Normalfall lässt sie das zu, da es mein Hobby ist. Wenn ich vor der Leinwand stehe, kommt ein Bild raus. Im letzten Jahr habe ich eine solche Entwicklung gemacht mit der Malerei, da wundere ich mich selber. Hätte nie gedacht, dass ich solche Bilder malen kann. Das zweite große Hobby ist der Motorsport. Den betreibe ich als Aktiver.

 

Du hast einen Fulltimejob und dennoch so zeitintensive Hobbys?

Richtig. All das mache ich in meiner Freizeit. Darüber hinaus bin ich an Wochenenden schonmal im Fernsehen oder auf anderen Events. Das ist insgesamt aber seltener geworden. Fanpost, die kommt regelmäßig und beansprucht auch ihre Zeit, da ich bei jedem Autogrammwunsch einen Antwortbrief schreibe und beilege. Da hilft mir gerne meine Frau.

 

Wann hat dich die Muse der Malerei geküsst?

In der vierten Klasse. Bei der Aufgabe, unseren Lehrer zu malen, habe ich unter allen Schülern der vierten Klassen den zweiten Platz belegt. 1995 habe ich angefangen, unsere Hauswand malerisch zu gestalten, später dann Autos bemalt. 2007 habe ich die Leinwand für mich entdeckt, danach mit Öl begonnen und bin später auf Acryl umgestiegen. Zusätzlich erstelle ich noch Skulpturen. Das ist meine Passion. Einen Teil meiner Werke habe ich für gute Zwecke zur Verfügung gestellt.

 

2016 folgte eine größere Ausstellung in Stuttgart, was man als durchschlagenden Erfolg deiner Arbeit bezeichnen kann.

Detlev Kümmel hatte mich zu dieser Ausstellung eingeladen, es war eine große Ehre für mich. In seiner Dauerausstellung in Lüdenscheid bin ich auch mit dabei. Allerdings habe ich meine Hauptentwicklung in 2017 erlebt.

 

Wie würdest du deine Entwicklung in der Malerei beschreiben?

Betrachte ich Bilder von früher, sage ich mir, ja, das ist ein Bild – hätte es aber nie bei mir aufgehängt. Das ist heute anders. Wenn ich jetzt meine Werke anschaue, sage ich mir, das kannst du nicht gemalt haben und hänge die auf. Überwiegend male ich abstrakt, fühle mich aber auch in der Landschaftsmalerei wohl. Da lege ich großen Wert darauf, dass Wolken wie Wolken und Bäume wie Bäume aussehen…

 

Vor 18 Jahren wurden die Ludolfs und ihr Schrottplatz weltberühmt. Ihr hattet die Wohnzimmer der Nationen erobert.

Der SWR hatte im Rahmen des Dorfjubiläums Derenbachs über uns berichtet. RTL 2 und Kabel 1 hatten daraufhin die eine oder andere Reportage gedreht, bis dann der damals neue Sender mit der Idee einer Doku-Soap auf uns zukam, die produziert und weltweit ausgestrahlt wurde.

 

Empfindest du rückblickend diese Fernseharbeit als Segen oder als Fluch?

Ich bereue nichts – definitiv als Segen. Es war ja nichts falsch daran. Ich habe viele Dinge gemacht und erlebt, die mir sonst nicht möglich gewesen wären. Mit Stefan Raab Stock Car fahren, ist doch schon ein Hammer.

 

Aber am Ende war dieses Showbiz doch eine Belastung für die Familie?

Das sagt man schnell, da die Situation mit Peter so aussieht. Ist es aber nicht. Uwe und ich sind Schrotthändler geblieben, Peter hat einen anderen Weg gewählt. In der ganzen Zeit der Fernseharbeit habe ich mich charakterlich nicht verändert, bin immer der Manni geblieben. Ich habe vielleicht zu- und abgenommen, aber ich war immer Manni, der Schrotthändler. Eins ist doch klar: Kommt der Größenwahn, ist die Katastrophe vorprogrammiert.

 

Hältst du persönlichen Kontakt zu Peter?

Sehr selten. Peter hat sich im Moment total abgeschirmt. Er versucht zu sehr, im Mittelpunkt zu stehen – ich halte mich da lieber fern und mache meine Arbeit.

 

Ich habe gelesen, dass man euch als „Schrottplatz-Millionäre“ bezeichnet hat. Bist du reich?

Ich sage mal so: Uwe bekommt eine Rente von 330 Euro. Das ist weit entfernt von Millionen. Wir kommen über die Runden durch die neue Firma. Sie trägt und versorgt uns.

 

Es wurde viel über euch geschrieben, was nicht der Wahrheit entsprach?

Ich sage mir, dass man die Leute reden lassen soll. Jeder darf sich gerne seine Gedanken machen. Böse bin ich da keinem. Die meisten denken ja Gott sei Dank weiter und um die Ecke. Wobei natürlich die größte Geschichte die mit dem Maybach war.

 

Wieso?

Weil es ein Golf-Kombi mit 90-PS-Diesel war, den ich für 50 Euro gekauft hatte. Bei 500.000 Kilometern ist mir die Maschine um die Ohren geflogen. Aus dieser Geschichte wurde – wie bei der stillen Post – erst ein Mercedes, später ein Rolls Royce und am Ende ein Maybach. Der Maybach war in Wirklichkeit ein Golf-Kombi mit 90 PS für 50 Euro.

 

Ihr habt 18 Jahre gedreht und von der ganzen Arbeit ist finanziell nichts übrig geblieben!?

Ich habe mir ein Häuschen gönnen können. Aber wirklich geblieben ist tatsächlich nichts. Was dabei ganz wichtig ist: Wir sind nie ausgenutzt worden. Im Gegenteil. Wir wurden sehr fair von den Sendern behandelt.

 

Manni, war es gewollt, dass man durch die Medien erfahren hat, dass du das erste Mal Sex mit 48 Jahren gehabt hast?

Es war nicht gelogen, dass ich stets darauf gewartet habe, bis die richtige Frau kam und ich dann mit 48 das erste Mal Sex hatte. Auch im Nachhinein juckt es mich nicht, dass man das in der Zeitung lesen konnte.

 

Manni, danke für das Gespräch.

Gerne, macht ja immer Spaß. 

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Manni Ludolf

Der 1962 geborene Schrotthändler und Autoverwerter ist der jüngste der vier Ludolf-Brüder. Seine Liebe zur Malerei bildet die sensible Seite in einem kernigen Männerbetrieb.



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