Mi., 28.02.2018

Stadtgeflüster-Interview: Dennis trifft Alex und Jan-Dirk von den Donots Das Do-it-Yourself-Experiment

Stadtgeflüster-Interview: Dennis trifft Alex und Jan-Dirk von den Donots: Das Do-it-Yourself-Experiment

Alex und Jan-Dirk von den Donots mögen Roggenbrötchen. Foto: Stadtgeflüster

Kalt ist es im Bunker! Aber ich kann mir gut vorstellen, wie es dort schnell sehr heiß wird, wenn die Donots erst loslegen. In diesem Bunker mitten in Münster schreibt und probt die Band nämlich ihre Songs in einem Studio, welches sie selbst gebaut und eingerichtet hat. Doch egal, ob Studiobau, Tourplanung, Musikvideos oder die eigenen Platten – die fünf Donots sprühen auch nach über 20 Jahren nur so vor Ideen und machen alles selbst.

Von Stadtgeflüster

Euer Musikvideo zu „Eine letzte letzte Runde“ habt ihr in Ibbenbüren im Märchenwald gedreht – einem Teil meiner Kindheit! Wie war es da?

Alex: Sei mal nachts im Märchenwald, das ist echt unheimlich! 

Jan-Dirk: Das Schönste beim Dreh war die Geräuschkulisse der Figuren: Klack, Klack, Ratter, Quietsch. Da ist ja echt alles mechanisch! 

Alex: Das ist noch immer ein Familienbetrieb und die Besitzer sind wirklich nett und haben sich toll gekümmert. Es war ein sehr spontaner Einfall, dort zu drehen und die beste Entscheidung!

 

Wir haben uns heute in eurem Studio getroffen, welches ihr euch selbst gebaut habt – und ich stelle mir die Frage: Was macht ihr hier eigentlich noch? Das neue Album wird doch sicherlich gerade gepresst…

Jan-Dirk: Hoffentlich!

 

Und wo sind überhaupt die anderen drei von der Band?

Alex: Ingo hat heute Interviews in Köln und die anderen beiden kümmern sich um ihre Familien.

 

Ihr habt also die Arschkarte und müsst Promo machen…

Jan-Dirk: Nein, wir haben das Glück! Da das Album schon eine Zeit fertig ist, sind wir hauptsächlich hier im Studio, um für die Tour zu proben oder hatten z. B. neulich ein Pre-Listening des neuen Albums mit geladenen Gästen … 

Alex: Im Dunkeln. 

Jan-Dirk: Ja, du hattest die Idee, das gesamte Album im Dunkeln zu hören, weil so eine andere Aufmerksamkeit herrscht. Das hat super funktioniert.

 

Ende Februar beginnt eure Tour?

Alex: Ja, ist echt schon bald. So bald, dass wir teilweise überlegen, ob wir die Lieder schon gut genug können. (lacht) 

Jan-Dirk: Und zwischendurch kommen immer wieder Interviews oder Auftritte dazwischen. 

Alex: Jetzt wo es auf die Veröffentlichung zugeht, ist es wie an der Uni kurz vorm Abgabetermin: Egal, wie sehr du dich bemühst, am Ende wird es immer knapp!

 

Man hat solange Motivationsprobleme, bis man Zeitprobleme hat.

Jan-Dirk: Voll! Plötzlich muss es ultraschnell gehen! Aber so ist das halt, vor allem da wir jetzt alles selber machen…

 

Moment, ich blicke da nicht mehr durch. Ihr lauft jetzt unter eigenem Label?

Alex: Richtig.

 

Ihr habt auch eigenständig gestartet, wart dann bei einem Label, danach wieder selbstbestimmt, dann bei „Universal“…

Jan-Dirk: Du blickst doch voll durch! 

Alex: Jetzt stehen wir abermals komplett auf eigenen Füßen. Plus einem Vertrieb, der uns dabei hilft, die Sachen in die Geschäfte zu bringen.

 

Wieso seid ihr von einem Major Label weg?

Jan-Dirk: Och, wir haben gemerkt, dass es irgendwie nicht so…

 

Ihr könnt ruhig ehrlich sein.

Jan-Dirk: Nee, wirklich! Das ist ehrlich! Wir haben beidseitig gemerkt, dass es nicht so geklappt hat. 

Alex: Es war wie in einer Beziehung: Zuerst ist alles super und wir passten toll zusammen, aber dann wollte man abends nicht mehr die gleichen Filme schauen.

 

Ich habe mit einigen Musikern gesprochen, die meinten, dass man definitiv als sein eigener Plattenboss veröffentlichen sollte, da die großen Labels so sehr mitreden, dass man sich in seiner Musik nicht mehr wiederfindet.

Jan-Dirk: Das sollte man nie zulassen. 

Alex: Naja, es gibt aber auch eine Menge Kram, bei dem man viel falsch machen kann. Oder viel falsch laufen kann, ohne dass man etwas dafür kann. Ich würde nun niemandem ein eigenes Label als Geschäftsmodell empfehlen, denn verdienen kann man damit auch nicht. Vielmehr behält man die inhaltliche und kreative Kontrolle und die Gestaltungsmöglichkeiten – das stimmt. 

Jan-Dirk: Wir können Tourmanagern oder Plattenbossen schon schwer auf die Nerven gehen, weil wir viele Ideen rausballern. Wir sind keine Band, die sich nach einem fertigen Album zurücklehnt und schaut, was passiert. Wir müssen immer weiter werkeln – im Grunde ist die Band ein großes „Do-it-yourself-Experiment!“ Ein Label nimmt uns da eine Menge Arbeit ab, die wir aber gerne selbst machen würden … 

Alex: Vielleicht sind wir aber auch einfach unerträglich. 

Jan-Dirk: Ja, das stimmt! Wir sind unerträglich! 

Alex: Du gehst auch nicht zum Bäcker und bittest darum, das Brötchen so zu backen, wie du es gerne hättest.

 

Aber es ist ja toll, dass euch eure Brötchen nach 20 Jahren noch schmecken und dass ihr noch so brennt…

Alex: Und deswegen ist es nur konsequent und ehrlich, dass man nicht zum Bäcker geht, und ihm im Handwerk rumpfuscht. Wenn ich meine eigenen Brötchen essen möchte, backe ich sie selbst.

 

Ein schönes Bild!

Alex: Ich liebe Roggenbrötchen! Findet ihr Roggenbrötchen auch okay, oder nicht so? 

Jan-Dirk: Ein bisschen sauer, aber sonst ganz gut.

 

Joar, die können was.

Alex: Ihr seid nicht begeistert, merke ich gerade. 

Jan-Dirk: Weißt du, was das Beste ist? Richtige Laugenbrötchen im Süden! 

Alex: Oh, okay. 

Jan-Dirk: Hier sind die Brötchen nur so bepinselt, damit sie aussehen wie Laugenbrötchen, bleiben aber normale Brötchen. Wenn du z. B. in Freiburg so ein Teil aufmachst … Die sind der Hammer! Da willst du dich reinsetzen!

 

Okaaaay … Ihr habt nicht zufällig gerade ein neues Album gemacht?

Alex: Ja, da war was.

 

Wieder auf Deutsch.

Alex: So isses.

 

Bleibt auch so?

Alex: Mal gucken. Wir wussten auch vor dem neuen Album nicht so genau, was wir machen. Kann schon sein, dass auch wieder eine englische Platte kommt.

 

Oder eine Übersetzung dieser Platte, wie bei der letzten?

Alex: Die gibt es schon, die haben wir aus Zeitmangel nur noch nicht aufgenommen. Werden wir aber wohl noch machen. 

Jan-Dirk: Es ist einfach total interessant, wie anders die gleichen Texte in unterschiedlichen Sprachen wirken.

 

Englisch ist melodischer, oder?

Jan-Dirk: Auf jeden Fall. Deutsch ist sehr stakkatomäßig, viersilbig, lange Wörter…

 

Findet ihr nicht, dass gerade in Deutschland dem Text viel mehr Bedeutung beigemessen wird als in anderen Ländern? In Interviews stehen grundsätzlich die Inhalte der Songs im Fokus und weniger die Musik.

Jan-Dirk: Wir merken dies, seit wir zum Deutschen gewechselt sind. Seitdem haben wir ganz andere Interviews und es überrascht mich, wie wenig Transferleistung offenbar bei englischen Texten stattfindet.

 

Gehen wir nun auch von den Texten weg: Ich finde, dass eure Musik rotziger geworden ist.

Jan-Dirk: Danke! (Lacht) Wir merkten, dass die Musik gemeinsam mit den deutschen Texten mehr Kraft haben kann. 

Alex: Aber du hast recht, wir haben seit der letzten Scheibe noch eine Schippe draufgelegt.

 

Ich muss zugeben, dass ich beim Durchhören weniger auf die Texte, als vielmehr auf die Musik geachtet habe.

Alex: Danke schön!! (lacht)

 

Einige der Gitarren hören sich an, als wären sie noch aus den ersten Demoaufnahmen dringeblieben – roh und noch nicht glattgezogen…

Alex: Genauso ist es! 

Jan-Dirk: Schön, dass man das hört. 

Alex: Wir beide wollten auch gerne noch eine Instrumentalversion der Platte rausbringen, damit man beim Hören nicht von Ingos Gesang abgelenkt wird.

 

Fänd ich super!

Jan-Dirk: Wir laden das mal irgendwo hoch – bekommt Ingo eh nicht mit. (lacht)

 

Schauen wir uns Statistiken an: Euer Erfolg nimmt zu…

Alex: Verstehe ich auch nicht.

 

Seit das deutsche Album raus ist, geht es bei euch ziemlich ab.

Alex: Toll finde ich die Resonanz, die sich verändert hat. Noch nie wurden wir so oft von Menschen angesprochen, dass gewisse Songs sie durch Situationen begleitet haben oder unsere Texte mit etwas Bestimmtem verbunden werden. Denn zum Glück müssen wir nichts mehr hinterherrennen, was wir haben wollen. 

Jan-Dirk: Wir machen, worauf wir Bock haben – und manchmal haben wir damit zufällig Erfolg. 

Alex: Dadurch bleiben wir auch vor Enttäuschungen gefeit. Wir freuen uns, dass es gerade gut läuft, wissen aber auch, dass es flott wieder vorbei sein kann.

 

Dann kannst du ja immer noch Roggenbrötchen backen und verkaufen…

Alex: Roggenbrot kaufe ich am liebsten. Ihr nicht so?

 

Doch! Roggenbrot ist toll, das macht satt.

Alex: Und hat diese tolle Säure… 

◊◊◊

Donots

Am 16. April 1994 wurden die Donots  in einem Jugendkulturzentrum in Ibbenbüren geboren. Fast 24 Jahre später hat die Band elf Alben und immer höhere Charteinstiege erreicht.
Ab Ende Februar können die Donots wieder live mit neuen Songs ihres aktuellen Albums „Lauter als Bomben“ auf Tour genossen werden.



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