Di., 12.06.2018

Stadtgeflüster-Interview: Tom und Chris Ehrlich sprechen ohne doppelten Boden Zwei Brüder mögen`s magisch

Stadtgeflüster-Interview: Tom und Chris Ehrlich sprechen ohne doppelten Boden: Zwei Brüder mögen`s magisch

Andreas und Chris Ehrlich füllen mit ihren Magie-Shows große Hallen. Foto: Illustration: Stadtgeflüster Interview – Thorsten Kambach

Illusion und Magie. Zwei Worte, die seit jeher Menschen jeden Alters in ihren Bann ziehen. Je mehr man sich auf die Magie einlässt, desto größer ist die Faszination, die von ihr ausgeht. Dabei ist es egal, ob ein weißes Kaninchen aus dem Hut gezaubert wird oder ob Lokomotiven von einer Bühne verschwinden. Wichtig ist nur, dass uns am Ende die zersägte Assistentin mit ihrem schönsten Lächeln entlässt.

Von Stadtgeflüster

Ich habe heute gelernt, dass du und Andreas gar keine Zwillinge seid?

(lacht) Nein, allerdings sind wir ehrlich Brüder.

 

Aus meinen Recherchen weiß ich, dass ihr anfangs als Solokünstler unterwegs wart. Ihr habt euch den deutschen Namen Ehrlich gewählt – wieso noch der englischen Zusatz Brothers?

Wir waren früh international unterwegs und nannten uns zunächst „Magic Brothers“. Schließlich haben wir uns für „Ehrlich Brothers“ entschieden, da wir für eine ehrliche Herangehensweise an die magische Kunst stehen. Wir sind keine Gaukler, die den Zuschauern übernatürliche Fähigkeiten vorspiegeln. Wir sagen immer, dass man eine coole Show erlebt – nicht mehr.

 

Zauberer, Magier – gibt es da einen Unterschied?

Ich weiß nicht, ob es den gibt. Magier klingt sicherlich etwas mystischer als Zauberer. Da wir aber Illusionen schaffen, bezeichnen wir selbst uns folgerichtig lieber als Illusionskünstler.

 

Ihr habt klassisch mit einem Zauberkasten angefangen, fahrt jetzt auf verblüffende Weise mit dem Motorrad aus einem iPad. Wann wurde dieses Hobby zur Passion und zum Beruf?

Uns hat diese Leidenschaft rund um die Magie stets begleitet. Wir haben auf allen Familienveranstaltungen, Feiern mit Freunden und bei Bekannten gezaubert. Später kamen die Events wie die Weihnachtsfeiern von Firmen. Das bisschen Geld, das wir damit verdient haben, wurde in Tricks investiert. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Wir haben immer an der nächsten größeren Illusion gefeilt. Nie hätten wir zu träumen gewagt, dass wir es so weit bringen würden. Es ist großartig, heute die Mittel zu haben, immer noch spannendere Shows liefern zu können!

 

Was meinst du, warum ziehen Illusionen und Zauberei seit jeher Menschen aller Altersgruppen in ihren Bann?

Am Ende ist es ein Märchen, das wir auf der Bühne präsentieren. Es sieht alles aus wie eine Mischung aus Harry Potter und Hollywood – mit dem Unterschied, dass es echt ist. Dieses Staunen, wie die Welt funktioniert, ist ja eine sehr kindliche Emotion. Die Erwachsenen verlassen am Ende wie große Kinder die Show. Verblüfft und begeistert. Die Magie bietet eine fantastische Welt, in der man sich für zwei, drei Stunden verlieren kann.

 

So wie du von deiner Arbeit sprichst, scheinst du selbst verzaubert zu sein.

Wir hegen absolute Wertschätzung für unseren Beruf. Wir leben diesen Traum seit 25 Jahren, den größten Teil der Zeit haben wir mit der Entwicklung neuer Illusionen verbracht. Es erfüllt uns voll und ganz – nicht nur zeitlich. Es macht einfach jeden Tag aufs Neue Spaß!

 

Ist es leichter, Kinder oder Erwachsene zu faszinieren?

Auch wenn die Reaktionen unterschiedlich ausfallen, zaubern wir für die einen so gerne wie für die anderen. Kinder sind impulsiv und besitzen nicht den Filter der Etikette. Erwachsene hingegen sind häufig vor allem davon begeistert, wie sehr die Kinder die Show genießen.

 

Über euch heißt es, ihr würdet eure Shows komplett selbst konzipieren. Stimmt das?

Die Entwicklung einer Illusion kann schnell gehen, aber auch Monate, Jahre dauern. Es gibt Ideen, die wir bereits jetzt für das Jahr 2020 planen und entwickeln. Aber neben diesem Schritt geht es auch darum, die passende Musikauswahl zu treffen. Das Design von Licht und Bühne muss stimmig sein. Nicht zuletzt will das Ganze logistisch gestemmt werden. Wir sind heute bereits mit zwölf 40-Tonnern unterwegs. Dazu kommt die Manpower, die man braucht, um ein solches Projekt zu bewältigen.

 

Das sind die langfristigen Vorbereitungen – was gibt es denn kurz vor Vorstellungsbeginn noch zu tun?

Vor jeder Show gehen wir über die Bühne und schauen uns hier und da ein paar Details an. Wir setzen uns auf die Plätze, hören, wie es von der Akustik passt. Wir testen, wie die Visualität für die Besucher ist, ob sie von überall einen guten Blick genießen. Es ist eine Herausforderung, wenn du jeden Tag an einem anderen Ort auftrittst. Anders als in Las Vegas, wo du 100 Mal das gleiche Theater verzauberst.

 

Das ist aber eher selten, dass sich die Künstler um alles kümmern, was um eine Veranstaltung herum passiert?

Wir haben nicht so ganz viele Vergleiche. Aber es ist unüblich. Unser Naturell ist eher auf einen ganzheitlichen Ansatz ausgerichtet. Andere Performer sind eher in ihrer Kunstwelt unterwegs. Wir wollen nicht nur zaubern, sondern sicherstellen, dass am Ende alles passt.

 

Worin liegt in der Magie der Vorteil, dass ihr als Duo auftreten könnt?

Wir teilen die gleiche Leidenschaft und haben immer jemanden, der ehrliches Feedback gibt. Das ist nicht selbstverständlich. Es gibt viele Momente, in denen man zu zweifeln anfängt, auf Probleme stößt. Es gibt einfach viele Situationen, in denen es gut ist, wenn man an einem Strang zieht. Hinzu kommt, dass es doppelt so viel Spaß bereitet, wenn man zu zweit auf der Bühne steht und dieses ganze Abenteuer beschreitet. Das ist ein ganz hohes Gut.

 

Bei aller Harmonie, die diese Brüderlichkeit mit sich bringt, wie oft bekommt ihr euch in die Köppe?

(lacht) Fast täglich. Wir streiten sehr direkt, nehmen aber es nicht persönlich und sind nicht so nachtragend.

 

Ihr füllt Stadien und Arenen. Gibt es bei der Magie, der Illusion, eigentlich eine physische Grenze, ab wann eine Show nicht mehr zu verfolgen ist? Oder werden wir irgendwann sehen,
dass die Ehrlich Brothers 100.000 Besucher verzaubern?

Das kann ich nicht sagen. Die 40.000 damals im Stadion haben eine tolle Show erlebt. Aber am Ende gehen ja auch Tausende von Menschen ins Stadion, um einen Lederball zu sehen, der noch kleiner ist als unsere Illusionen. Neben der Zauberkunst ist es auch der Livecharakter, den man im Fernseher nicht mitbekommt. Eventuelle Fehler sieht man auch nur, wenn die Show ungeschnitten ist.

Wenn du gerade sagst, dass etwas schiefgehen kann… Heißt das, ihr arbeitet nicht mit doppeltem Boden? 

Na ja, auch bei einem doppelten Boden kann ja etwas schiefgehen. Ich bin zum Beispiel mal mit dem Motorrad aus dem iPad herausgefallen. Das ist wie beim Nachrichtensprecher, der sich verhaspelt. Das Ganze ist amüsant für den Zuschauer. Bei aller Perfektion sind Fehler nur menschlich.

 

Ich habe gehört, dass ein Gespräch mit Copperfield über den Erwerb von zwei Illusionen der Startschuss für eure Karriere war?

Genau. David hatte uns angerufen, er wollte zwei Illusionen kaufen. Eine war, dass wir mit einem Kind einen Samen vergraben, aus dem ein Orangenbaum entsteht, den das Kind am Ende ausgewachsen mitnehmen darf. Wir waren hin- und hergerissen. Zum einen, weil der große Copperfield uns angerufen hatte, und unsere Idee wollte. Auf der anderen Seite sagte unser Vater: Wenn der Copperfield anruft und etwas unbedingt haben will, sollten wir damit selber auf Tour gehen. Also sind wir ein großes Risiko eingegangen und mit einer Tournee gestartet. Am Ende kann man sagen, dass David uns den besagten Klaps gegeben hat. Wer weiß, wo wir wären, wenn es dieses Telefonat nicht gegeben hätte…

 

Also ich habe den Eindruck, ihr wärt genau da, wo ihr jetzt seid – auch ohne den Anruf von Copperfield!

Es gibt immer so Momente und Punkte im Leben, die man im Nachhinein als Scheideweg bezeichnet, wo man entweder eine richtige oder falsche Entscheidung gefällt hat. Es war in diesem Fall sicherlich die richtige. Diese Anfrage hat uns das nötige Selbstbewusstsein verliehen, um diesen Weg zu beschreiten.

 

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Ehrlich Brothers

Andreas und Chris Ehrlich, zwei Weltstars der Illusion aus Ostwestfalen, verzaubern seit ihrer frühesten Jugend die Menschen in ihrer Umgebung, wobei die Zahl der Zuschauer in die Zehntausende geht.



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