Stadtgeflüster-Interview: Claudia Maschner telefoniert mit Froonck
Froonck hat`s drauf

Wie Menschen sich doch verändern können - in extremen Situationen. Schon mal eine Freundin gehabt, die heiraten möchte? Wer? Wie? Wo? Was?  Es gibt so viele mögliche Antworten. Sie alle (!) müssen besprochen werden. Wer dann immer noch befreundet ist, hat entweder ähnliche Pläne oder beweist wahre Treue. Für Froonck das täglich Brot. Ok, es gibt schlimmere Jobs als den eines Hochzeitsplaners. Seit „Sarah und Marc – crazy in love“ waren und uns daran  teilhaben ließen, kennt man ihn. Nach über 400 organisierten
Hochzeiten – nicht nur von Prominenten – gilt er selbst längst als einer.

Mittwoch, 04.07.2018, 12:49 Uhr
Stadtgeflüster-Interview: Claudia Maschner telefoniert mit Froonck: Froonck hat`s drauf
Froonck ist Kaufmann für Marketingkommunikation. Aber das war, bevor er DER Hochzeitsplaner wurde. Foto: Illustration: Stadtgeflüster Interview – Thorsten Kambach

Guten Morgen nach L.A., bist du beruflich oder privat da?

Guten Abend nach Deutschland! Beides, ich war auf dem „Destination Wedding Planners Congress“, dem größten internationalen Hochzeitskongress in Mexiko und habe jetzt ein bisschen frei.

 

Und hältst trotzdem auf dem Weg immer nach Traum-Locations Ausschau? Oder was sind das für Clips von „monsieurfroonck“ auf Instagram?

Der Ausblick auf die Weinberge in Baja California? Na klar! Ich habe so was natürlich im Blick, wenn ich reise. Aber ich kann auch abschalten, ich bin nicht 24 Stunden beruflich unterwegs.

 

Bei diesem Kongress, waren da nur so Frooncks?

(lacht) Könnte man so sagen, internationale Kolleginnen und Kollegen waren da. Organisiert von einer Agentur aus Dubai. USA und Indien sind auch groß in dem Business. Und ich werde im Herbst den ersten Hochzeitsgipfel in Europa veranstalten. Gibt es so hier noch nicht.

 

Du hast dieses ganze Planer-Business vor 16 Jahren rübergeholt?

Ja, als ich meine Agentur gegründet habe. Im angelsächsischen Raum, auch in Vorderasien gibt es das schon seit Jahrzehnten. Leute, die professionell Partys organisieren – und da waren Hochzeiten eben auch dabei.

 

Dann warst du der Wedding Planner für Sarah Connor und Marc Terenzi. Die beiden sind nicht mehr zusammen, berührt dich so was?

Wenn eine Ehe nicht funktioniert, ist es natürlich traurig. Das betrifft mich dann auch, weil ich ja irgendwie ein Teil davon war. Man baut eine Beziehung zu jedem Brautpaar auf, man kennt die Familie, die engsten Vertrauten. Wenn dieses Glück auseinander geht, bin ich unglaublich traurig – und das beschäftigt mich.

 

Überrascht es dich?

Wenn ich darüber nachdenke, gab es schon manchmal Anzeichen im Laufe der Planung, dass ein Paar nicht hundertprozentig kompatibel ist. Aber im Nachhinein ist man immer schlauer.

 

Moment! Der Wedding Planner als Orakel?

Na ja, man ist ja ein Stück weit auch Psychologe. Ich zumindest, weil ich viele Fragen stelle und versuche, das Paar zu verstehen. Nur dann kann ich die perfekte Hochzeit organisieren. Da merkt man auch, wie gehen die miteinander um, liebevoll oder ruppig? Wer lässt sich überstimmen? Ist es ein wirklicher Kompromiss geworden?

 

Wenn du den ehrenamtlichen Hochzeitsplanern unter uns einen Tipp geben solltest, was ist das Wichtigste für die perfekte Hochzeitsfeier?

Auf jeden Fall das Timing. Wann ist welcher Programmpunkt, wie wird der gestaltet? Meistens wird der Tag zu lang geplant, ich hatte auch Kunden, die kamen mit einer Liste von 20 Ideen. Da weiß ich, das ist too much, das schaffen wir nicht. Das wird ein Marathon an Spektakels, das kann kein Mensch ertragen.

 

Und genießen schon  gar nicht?

Genau, es gibt dann keine Höhepunkte mehr. Ein Höhepunkt ist dadurch gekennzeichnet, dass er für sich steht. Wenn es nur noch Highlights sind, heben sie sich gegenseitig auf und das ist schade. Die Dramaturgie, die Ablaufplanung ist wichtig für jede gelungene Veranstaltung, auch für Hochzeiten.

 

Gab es denn trotz perfekter Planung bei dir schon mal die Super-Katastrophe?

Bei mir nicht, sonst wäre ich nicht mehr da. Aber kleine Katastrophen, wenn man sie denn so nennen will, gehören dazu. Letztens in Nizza wollte der Hoteldirektor nicht, dass wir die Pool-Party machen. Das Paar stand schon mit gepackten Koffern und wollte wieder abreisen. Dann kam die Band aus London, aber ihr Gepäck nicht. Das sind diese Backstage-Themen, die uns als Team auf Trab halten, aber das sieht der Kunde von außen nicht.

 

Du bist als Wedding Planner dermaßen gefragt, hast schon so viele Paare begleitet: Hast du eigentlich noch Wunschkandidaten?

Grundsätzlich hätte ich gerne Stammkunden.

 

Haha, in dem Business irgendwie schlecht.

Ja, Liz Taylor wäre es gewesen. Der Vorteil wäre, man kennt die Person und muss sich trotzdem immer wieder was anderes einfallen lassen. Aber ich hatte in der Tat schon mal Wiederholungstäter, die zweimal mit uns geheiratet haben. Einmal die Hochzeit und dann das „Renewel of the Vows“, die Erneuerung des Eheversprechens. Das war sehr schön!

 

Ich dachte an irgendwelche  Berühmtheiten auf der Wunschliste.

Dass sie berühmt sind ist nicht entscheidend, sondern dass sie verstehen, wofür sie einen Wedding Planner brauchen. Dass sie Vertrauen und Spaß bei der Begleitung haben. Die Planung geht über ein Jahr oder länger. Das Tolle ist nicht nur die Hochzeit am Ende. Mir ist wichtig, dass man da einfach eine super Zeit verlebt, das Brautpaar, mein Team und ich.

 

Und wofür brauchen sie ansonsten einen Wedding Planner?

(lacht) In erster Linie stehen Kreativität und die Entwicklung von Ideen im Vordergrund. Die Realisierung des Traumes zweier Menschen. Sie können vielleicht nicht in Worte fassen oder wissen noch nicht, was zu ihnen passt. Dafür braucht es viel Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl.

 

Schließlich das Ja-Wort zum 400 und xten Mal, wie ist das für dich?

Das ist immer noch magisch. Wenn Braut oder Bräutigam einzieht. First Look, die sehen sich zum ersten Mal. Es kribbelt, es vibriert. Das ist dieses wahnsinnige Glücksgefühl, diese Freude und die Liebe, die sich da eben in diesem Moment und an diesem Tag ausdrückt. Es ist einfach wundervoll zu erleben. Außerdem kann ich auch ein bisschen stolz darauf sein, dass ich dazu beitragen konnte.

 

Motivation für den nächsten Auftrag?

Klar! Zum Geldverdienen gäbe es lukrativere Jobs. Wenn es mir nur darum ginge, wäre ich Immobilienmakler oder an der Börse. Bei mir ist es die Freude, etwas Wertvolles für diese beiden Menschen und für die Familie, die Anwesenden getan zu haben. Für alle Beteiligten unvergessliche Erlebnisse und Erinnerungen zu gestalten, die ein Leben lang halten. Ich finde, das ist es, was uns Menschen letzten  Endes ausmacht.

 

Stimmt.

Das kennt man doch aus seinem Alltag. Es geht darum, mit Freunden Erlebnisse zu teilen, weil es das ist, was in einem drin bleibt, egal ob man viel oder wenig Geld hat. Worauf es ankommt, kann man sich nicht für Geld kaufen. Man möchte am Ende auf ein erfülltes Leben zurückblicken und sagen, das war toll, es ist viel Schönes passiert. Und dieser Hochzeitstag wird ein Teil davon sein – und ich bin wiederum ein Teil davon.

 

Also doch ein traumhafter Job.

Mir geht es darum, dass ich happy bin. Dass ich mir einen Beruf ausgesucht habe, der mich erfüllt. Nur wenn ich happy bin, kann ich auch die Kunden happy machen. Das vergessen viele in ihrem Job und an anderer Stelle auch. Freude, Harmonie und Liebe nach außen zu tragen und mich damit beruflich zu beschäftigen. Und mir ist es wichtig, mich weiterzuentwickeln. Insbesondere über Aufgaben, die zu Anfang vielleicht unlösbar scheinen.

 

Dafür lieben dich deine TV-ZuschauerInnen. Wenn sie was zu kritisieren haben, dann vielleicht deine Kritik. Muss das Geplante denn immer neu und einzigartig sein?

Nein, mir ist es nur wichtig, dass es maßgeschneidert ist und dadurch eine Einzigartigkeit bekommt. Es geht jetzt nicht darum, was neues zu machen um was Neues zu machen. Das Brautpaar steht im Mittelpunkt aller Gedanken und ist der Ausgangspunkt. Das heißt zum Beispiel bei einer Tischdekoration, wenn man die schon 150 Mal gesehen hat, hat sie nichts mit diesem Paar zu tun.

 

Da fehlt der persönliche Bezug?

Richtig. Wir kopieren nichts. Man kann das Rad nicht neu erfinden, aber es wird angemalt, geformt, es gibt unterschiedliche Speichen und schon entsteht was anderes. So ist das in der Kunst ja auch. Etwas wird in andere Zusammenhänge gesetzt, neu interpretiert.

 

Aber wie macht man das ohne Profi-Planer?

Man sollte sich fragen, wo kommt meine Persönlichkeit durch, was unterscheidet meine Hochzeit von anderen? Was möchte ich von uns als Paar erzählen? Schön sind persönliche Details wie Souvenirs auf den Tischen. Ich habe zum Beispiel Thementische, nach den Hobbys des Brautpaares erstellt, weil dann die Gäste etwas über das Paar erfährt. Und was sendet man aus, mit dem, was man gestaltet? Alles Visuelle hat ja eine Botschaft. Die verstehen die Gäste nicht bewusst, aber unterbewusst nehmen sie sie auf – das kreiert die Atmosphäre.

 

Was ist mit der Location?  Du kannst ja heute quasi überall heiraten.

Alles ist möglich und da ist man rasch überfordert. Oft ist die Location schon falsch gewählt, weil sie nicht passt. Die Gäste denken vielleicht, das ist too much. Das Paar, das eigentlich im Mittelpunkt stehen sollte, geht da unter. Oder man hätte mehr erwartet, auch das sorgt für Irritationen bei den Gästen.

 

Wo du so viel planen musst, magst du eigentlich Überraschungen?

(lacht) Das frage ich meine Kunden auch immer, ob wir mit Gästen zusammen etwas organisieren dürfen. Aber das entscheidet jedes Paar für sich und da sieht man dann die Unterschiede. Denn sich überraschen zu lassen heißt auch loslassen zu können. Nicht mehr alles unter Kontrolle zu haben. Let go.

 

Aber wie wäre es bei dir?

Ich persönlich mag Überraschungen sehr gerne, denn ich kann loslassen. Ich würde meine Hochzeit vom Kollegen planen lassen. Das würde mir viel Freude machen, zu sehen, was die sich überlegt haben.

 

Hört sich mutig an! Vielen Dank für das Gespräch und noch einen schönen Tag!

Dir einen schönen Abend!

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Froonck

In seinem Personalausweis steht mittlerweile nur noch „Froonck“.  Er ist Kaufmann für Marketingkommunikation. Aber das war, bevor er DER Hochzeitsplaner wurde. 2002 gründete er die Agentur „WH!TE The Wedding Agency“. Mit der plant und realisiert er Hochzeiten an allen möglichen und unmöglichen Orten auf der Welt. Tipps für jede und jeden gibt es auch in seiner aktuellen TV-Show auf VOX, „4 Hochzeiten und eine Traumreise“. Oder in seinem Buch: „Hochzeitsfieber – Liebe, Tränen, Traualtar – Meine besten Storys“. 

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