Stadtgeflüster-Interview: Chiara Kucharski und Lisa Feller sinnieren über Männer, Frauen und die Welt
Zwischen Tournee und Nudelsalat

Lisa Feller zählt zu den bekanntesten Komikerinnen Deutschlands, lebt seit langer Zeit in Münster und ist momentan mit ihrem aktuellen Bühnenprogramm „Der Nächste, bitte“ auf Tour. Zwischen Alltags-Wahnsinn, Rampenlicht und Kindererziehung geht dies stets gut gelaunte Improvisationskünstlerin und Schauspielerin auf „Feld-Forschung“ in der Männerwelt –und plaudert über neueste Projekte, private Entwicklungen und große Themen.

Mittwoch, 07.11.2018, 11:33 Uhr
Stadtgeflüster-Interview: Chiara Kucharski und Lisa Feller sinnieren über Männer, Frauen und die Welt: Zwischen Tournee und Nudelsalat
Lisa Feller zählt zu den bekanntesten Komikerinnen Deutschlands. Foto: Illustration: Stadtgeflüster Interview – Thorsten Kambach

Heimspiel in Münster! Wie fühlt es sich an, mit deinem Tour-Programm hier aufzutreten, wo du doch bereits in der Leezenstadt studiert hast, zum Placebotheater Münster gehörst und seit Jahren hier lebst?

Aufregend! Weil ich unglaublich viele Zuschauer kennen werde. Jeder, der auf der Bühne steht, weiß, dass ein Heimspiel etwas ganz anderes ist. Wenn man in die bekannten Gesichter schaut, denkt man schon ab und zu: „Oh nein, der ist da, der weiß, dass ich ihn meine!“ Auf der anderen Seite fühlt es sich auch gewohnt an, weil ich mit dem Placebotheater seit fast 20 Jahren regelmäßig auf der Bühne stehe. Ich bin gespannt. Das Gute ist: Ich kann mit dem Fahrrad fahren.

 

Merkst du Unterschiede, je nachdem, wo du auftrittst, wie dein Programm aufgenommen wird? Ob gelacht wird?

Ja, aber nicht nach Region. Die Leute fragen immer: „Lachen die Bayern anders als die Ostfriesen?“ Nein, das tun sie nicht. Es kommt eher darauf an, ob man in einem etablierten Kabaretthaus ist, wo die Leute z. B. eher Dieter Nuhr erwarten. Die sind eher gewohnt zuzuhören, um hinterher in ruhiger Runde zu sagen, dass ihnen das wahnsinnig gut gefallen hat, und man fragt sich: „Und wo wart ihr die ganze Zeit? Ich hab euch gar nicht gehört!“ Etwas weiter außerhalb zum Beispiel, sind die Leute auch schon mal überraschter über einen frechen Witz als in Großstädten.

 

Du erwähntest gerade eine Größe wie Dieter Nuhr. Du bist ja nun eine der bekanntesten Komikerinnen Deutschlands. Spürst du da als Frau dennoch einen Unterschied in der Branche?

Oh ja, natürlich, deswegen bringen wir jetzt zum Beispiel auch die „Sisters of Comedy“-Show. Die Leute sagen immer: „Wir brauchen gute Frauen.“ Aber die gibt es längst, guckt doch mal hin. Als Frau wird man zwar schnell gesehen, aber man muss auch einfach wahnsinnig gut sein, bevor die Zuschauer anerkennen: „Och guck mal, ist ja doch lustig.“ Das wird Männern per se viel eher zugetraut – wobei das eine Frechheit ist, denn es gibt viele unlustige Männer.

 

Du tourst momentan mit deinem aktuellen Programm „Der Nächste, bitte“ durch die Republik. Worauf können sich die Leute da gefasst machen?

Ich beobachte gerne das Leben, im Detail, das Zwischenmenschliche. Da entsteht jeden Tag so viel Komik. Ich könnte mich jetzt schon über mich selbst totlachen. Heute bin ich natürlich total im Stress, und da passieren die meisten Sachen. Man hat absolut keine Zeit – und genau dann kochen die Nudeln für den Nudelsalat fürs Grundschulfest über. Dann bringe ich die Wäsche in die Waschmaschine und merke erst nach zehn Minuten, dass ich das Waschmittel vergessen habe.

 

Sicher bisschen ärgerlich…

Sowas passiert alles im Alltag, auch wenn ich es in dem Moment nicht komisch finde. Aber mit etwas Abstand, von außen betrachtet und in eine lustige Form gepackt, sind das Dinge, über die jeder lachen kann, weil man sich in der Situation wiedererkennt. Da kommen die Leute nach der Show begeistert zu mir und sagen: „Mann, das ist wie bei mir!“ Für beide Seiten ein schönes Gefühl. Quasi eine Art Gruppentherapie, und nebenbei genießt man einen sehr unterhaltsamen Abend.

 

Wie bringst du das, was jetzt so witzig klingt, im Alltag unter einen Hut? Du bist alleinerziehend, hast zwei Kinder, die beruflichen Reisen, das Bühnenprogramm … Was tust du, um runterzukommen?

Das mit dem Herunterkommen habe ich mir für in zehn Jahren vorgenommen (lacht). Da sind die Kinder aus dem Haus, dann sollte das gehen. So etwas kennt aber, glaube ich, jeder alleinerziehende Elternteil. Und glücklicherweise gibt es da auch noch einen sehr flexiblen Kindsvater. Das geht alles Hand in Hand – und das ist viel wert.

 

Bei dem Titel „Der Nächste, bitte“ kann man sich schon vorstellen, um was es geht. Ist das Programm auch etwas für Männer?

Naja, bei Mario Barth fragt auch keiner, ob das auch etwas für Frauen ist. Das ist halt einfach lustig. Ich verstehe, warum du die Frage stellst, aber umgekehrt würde das niemand fragen…

 

Dann formuliere ich um: Schauen sich viele Männer das Programm an?

Genau, das ist so eine Sache. Im Publikum überwiegen schon die Frauen. Ich habe mich auch gefragt, woran das liegt, dass es andersherum nicht so ist. Frauen können viel eher über sich selbst lachen, glaube ich. Männer tun sich damit manchmal ein bisschen schwer. Aber sehr süß ist auch, dass mittlerweile zunehmend mehr Männer kommen, die dann auch merken, dass es einfach ein sehr unterhaltsamer Abend ist. Es ist nicht so, dass ich die Kerle in Grund und Boden stampfe.

 

Nein?

Nee, ich schaue eher auf lustiges Verhalten, bei Frauen genauso. Dann sind die Männer nachher immer ganz erleichtert und fanden es doch lustig.

 

Wie kommt es denn, dass dieses Beziehungsthema, von beiden Seiten – Mario Barth, Diether Nuhr, du …, damit können ja Hallen und Stadien gefüllt werden – gefragt ist, wie eh und je?

Weil es das Grundthema eines jeden Menschen ist. Das wird bereits in der Bibel thematisiert, das gibt es bei Shakespeare. Menschliches Miteinander ist das tägliche Leben. Die Liebe und alles, was im weitesten Sinne dazugehört, ist das, was uns stets beschäftigt. Und das hört ja nicht auf. Es betrifft jeden, egal in welcher Form. Sexualität genauso. Ob man eine hat oder nicht, es ist immer ein Thema.

 

Aber man sagt ja so schön: „Aus Fehlern lernt man“. Wie kommt es, dass Frauen und Männer nach Jahrhunderten immer noch nicht auf einen Nenner kommen können?

Wenn ich das beantworten könnte! Da hätte ich wohl einen Bestseller geschrieben und mir davon eine Insel in der Karibik kaufen können (lacht). Ich weiß es nicht. Vielleicht, weil Menschen schlichtweg unterschiedlich sind. Der eine sagt etwas, der andere versteht es falsch. Zack, ist ein Konflikt da, obwohl es keiner böse meint. Kommunikation ist wohl das Schwierigste auf der Welt.

 

Versuchst du da bei deinen Söhnen etwas vorzubeugen, was das Sich-Verstehen angeht?

Ich glaube, meine Söhne werden später Feministen sein, sie können gar nicht anders.

Bist du eine strenge Mutter?

Ich bin zumindest sehr konsequent. Es bringt nichts, sich an der Nase herumführen zu lassen. Wenn man dem Kind zuruft: „Komm bitte. Kommst du? Komm jetzt. Komm jetzt bitte…“ dann wissen die Kids, das sagt sie in fünf Minuten auch noch. Da muss man von Anfang an konsequent sein.

 

Hältst du diese Strenge durch?

Andersherum kann man viele Dinge dann auch wieder mit mehr Humor nehmen. Einmal bin ich in die Küche gekommen und beide saßen mit Mehl paniert auf dem Boden. Ja, das machen Kinder halt. Dann knipste halt ein Foto. Oder bei wirklich lustigen und intelligenten Ausreden, da lässt du auch einfach mal etwas durchgehen. Das kann ruhig auch mal belohnt werden.

 

In deinem neuen Programm machst du keine Kompromisse, da wird der perfekte Mann gesucht. Wie wäre der für dich?

Tja. Perfekt halt. Man muss miteinander reden können. Intelligent, reich, gutaussehend, sportlich, kinderlieb und treu. Du, mehr muss er gar nicht haben. (lacht)

 

Den Humor hast du dann?

Um Gottes Willen, Humor muss er natürlich auch haben! (lacht)

 

Gab es auf der Bühne schon mal Situationen, in denen dir nichts Spontanes einfallen wollte?

Na klar! Aber das Schöne ist ja, dass, wenn einem mal tatsächlich gar nichts einfällt, auch das seine Komik haben kann und das Publikum zum Lachen bringt. Wenn einem nie etwas in den Sinn kommen würde, wäre es natürlich ein langweiliger Abend. Aber wenn es tatsächlich ab und zu mal passiert, ist das für mich nicht mehr schlimm.

 

War die große Bühne geplant? Du hast Grundschullehramt studiert. War das dein erster Wunsch oder ein Plan B? Wie hat sich das entwickelt?

Ach, da rutscht man rein. Nur weil man auf die Bühne möchte, bekommt man nun nicht gleich Geld dafür. Grundschullehramt hätte ich mir auch gut vorstellen können, das ist ein toller Beruf, und es hat sich da so viel entwickelt. Ich habe mich nicht gegen die Schule entschieden, sondern für die Bühne, weil es irgendwann einfach überwogen hat. Aber sowas weiß man vorher nicht.

 

Wann kam der Punkt, an dem du gemerkt hast: So, das ist es jetzt, das mache ich hauptberuflich?

Das habe ich bereits während der Schulzeit ab und zu gedacht. Ich habe dann erst noch eine kaufmännische Ausbildung gemacht und nebenbei Improtheater gespielt. Da war ich noch in Düsseldorf. Dann bin ich nach Münster gezogen, habe hier auf der Bühne der Theaterpädagogik meine Stücke gespielt, über mehrere Jahre eine Schauspielklasse in Düsseldorf besucht, und dadurch sind dann wieder die nächsten Sachen entstanden. So hat sich das unterm Strich gefügt. Man muss halt rausgehen und machen, dann passiert schon irgendwas.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

◊◊◊

 

Lisa Feller

Die in Düsseldorf geborene Komikerin und Schauspielerin hat Münster vor vielen Jahren zur Wahlheimat auserkoren. Seitdem lebt und wirkt sie nicht nur vor Ort mit verschiedensten Auftritten, sondern zählt spätestens nach der Comedyserie „Schillerstraße“ zu einer der erfolgreichsten Komikerinnen in Deutschland, die in Shows, wie „Ladies Night“, „Genial daneben“ und vielen weiteren ein oft und gern gesehener Gast ist.

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