Stadtgeflüster-Interview: Dominik Irtenkauf trifft sich mit Max Bayer-Enck und Hasso Maaß in der Werkstatt
Männerträume

Männer(t)räume: Es gibt sie noch. Träume vom Rückzugsgebiet, vom Partykeller, vom Kraftraum, in dem man Energie tankt.  Hasso und Max haben dieses Jahr auf DMAX in der Sendung „Männer(t)räume“ gezeigt, wie man mit etwas Kreativität eine coole Einrichtung bastelt. Das muss nicht teuer sein! Es kommt auf die Idee an. Auf das Know-how. Hasso und Max konnten sich mit diesen Projekten manch eigenen Traum verwirklichen. In Hassos Werkstatt in Münster sitzen wir beim Kaffee zusammen und klönen über die Faszination von Holz, Metall und Ideen.  Max steht für Holz, Hasso für Metall – und beide für Ideen.

Mittwoch, 19.12.2018, 12:14 Uhr
Stadtgeflüster-Interview: Dominik Irtenkauf trifft sich mit Max Bayer-Enck und Hasso Maaß in der Werkstatt: Männerträume
Mit Leidenschaft zimmern und schweißen Max und Hasso, Hasso und Max die Männerträume Deutschlands. Foto: Illustration: Stadtgeflüster Interview – Thorsten Kambach

Wie beschäftigt seid ihr gerade?

Max: Eigentlich immer gut. Aber die Sendung ist abgedreht.

 

Hasso: Im Moment sind das alles nur Nachwehen der ersten Staffel. Um Staffel 2 wird noch verhandelt. Trotzdem reißt es nicht mit Arbeit ab. Bei Max ja sowieso nicht.

 

Du arbeitest in einer Firma?

Max: Ja, Kawentsmann. Die Firma habe ich gegründet, wir haben gut zu tun. Daher ist mir nach wie vor nicht langweilig.

 

Hasso: Ich bin ja mehr ein Freelancer, hangele mich von einem Job zum nächsten. Mir ist durch die DMAX-Geschichte auch eine Menge liegengeblieben. Ich bin allein hier mit Jobst, einem Freund, der auch bei mir angestellt ist.

 

Der kam auch in der Serie vor?

Hasso: Ja, genau.

 

Du sagst: liegengeblieben.  Das war also viel Aufwand  für DMAX?

Hasso: Ja. Wir mussten viel Zeit und Energie in die Sendung stecken. Das waren häufig zwölf bis vierzehn Stunden am Tag. Manchmal mehr. Ich bin gerade damit beschäftigt, den ganzen Schrott und was da so angefallen ist wegzuarbeiten. (lacht)

 

Was hat euch an der Sendung besonders gefallen?

Max: Wir konnten unsere Heimat, das Münsterland, mit einbeziehen. Wir haben im Kreuzviertel, am Aasee, in Telgte und Ostbevern oder auch in den Baumbergen am Longinusturm gedreht. Sogar die Footballer von den Münster Blackhawks haben in einer Folge mit angepackt. Diese Form von Lokalpatriotismus in der Sendung unterzubringen, war geil, weil wir unsere Heimat lieben und schätzen.

 

Wie ich das verstehe, haben sich Männer beim Sender mit ihren Träumen beworben, ihr habt daraufhin die Vorschläge ausgesucht und dann losgelegt?

Max: Ja. Aber die eigentliche Herausforderung bestand darin, dass wir zwar keine Laien im Handwerk waren, aber sehr wohl darin, Menschen zu überraschen. Innerhalb kürzester Zeit aufzunehmen, was die haben wollen – und das in einem Zeitraum von zehn bis höchstens sechzehn Tagen umzusetzen. Wir mussten uns dazu noch mit einem Kamerateam auseinandersetzen, mit einem Produzenten und mit dem Sender.

 

Hasso: Wir mussten im Prinzip unseren Job, den wir kennen, mit dem ganzen Fernsehtölt unter einen Hut bekommen. Das ist ja eine komplett andere Welt. Das war am Anfang etwas kompliziert, weil wir da reinwachsen mussten.

 

Also, ich meine, wenn ihr sonst an Metall und Holz werkelt, ist das schön und gut. Vor einem Kamerateam musstet ihr euch ja doch etwas anders geben?

Hasso: Der Grundgedanke war am Anfang, die DMAX-Crew begleitet uns einfach mit der Kamera beim Arbeiten. Wie in einer Doku. Doch die haben uns ja nicht gefilmt, als wir „privat“ für einen Kunden was bauten, sondern es ging nur um die Männer(t)räume-Geschichten. Wie du schon gesagt hast: Die Leute bewerben sich beim Sender mit Männerthemen. Es mussten irgendwelche Große-Jungs-Träume sein: Fitnessräume, Bar etc., aber wirklich nur für diese Sache.

 

Max: Wir haben das letztlich in unserem Stil umgesetzt. Wenn wir dich als Beispiel nehmen würden: Du bewirbst dich da als Redakteur und hättest gerne so ein Männer-Arbeitszimmer, wo du dich wohlfühlst, wo du dich zurückziehen und Musik hören kannst. Hast da deine Höhle.

 

Oh geil! Das wäre super. Wie ginge es weiter?

Max: Du erzählst uns von der Idee, und wir greifen das auf. Wir haben uns also von den Bewerbern die Erlaubnis geholt, unsere eigenen Vorstellungen zu ihrer Idee umzusetzen.

 

Hasso: Genau. Mehr als den Wunsch oder die Idee wollten wir nicht hören. Anspruch der Sendung war ja auch, wie wir das umsetzen. Wie wir uns da Gedanken machen, wie wir da kreativ herumwerkeln. Schlicht: Wie wir Ideen entwickeln. Das ist klasse, wenn du als Handwerker abgefahrenes Zeug bauen kannst, das in der Privatwirtschaft kaum bestellt wird. Kunde XY ordert so etwas Ausgefallenes in der Regel ja nicht.

 

Max: Wir haben mit jedem dieser Männerträume ein bisschen unseren eigenen Traum erfüllt.

 

Zur Vorbereitung schaute ich mir eine Folge an: Polizist Christian aus Recklinghausen wollte eine Industrial-Bar im Keller haben. Also der kam zwischendurch gar nicht vorbei?

Hasso: Gar nicht! Da wären wir auch ausgeflippt!

 

Max: Der wurde am Ende tatsächlich überrascht. Am Tag eins, wo wir in dieses Café gegangen sind, um ihn zu überraschen, war das auch für uns Tag eins vor der Kamera. Inzwischen sind wir da routinierter.

 

Hasso: Am Anfang war es noch etwas hölzern.

 

Was wäre passiert, wenn ihr mit dem Resultat völlig danebengelegen hättet?

Hasso: Klar hätte es sein können, dass wir uns total verschätzen. Die Anforderung bestand also auch darin, den Typ richtig einschätzen zu können. Du sagst mir jetzt: Ich bin voll der Angel-Typ, ich möchte gerne ein Angelzimmer mit allem, was dazugehört. Wir beide greifen diese Idee auf, aber schätzen dich vom Typus völlig falsch ein. Und bauen dir das in ultramodern – und dann bist du eher der Querdenker-Typ, der mehr so auf Retro steht.

 

… eine mittelschwere  Katastrophe.

Hasso: Ja. Denn wir hätten zwar deinen Traum verwirklicht, wären aber an deinem Geschmack vorbeigeschlittert.

 

Ich denke, so etwas bringt im Netz immer ein wenig Häme.

Hasso: Ja, klar. Ich habe da gar nichts von gelesen. Du bestimmt?

 

Max: Ich kenne die Kommentare.

 

Hasso: Ich dafür keinen Einzigen. Das ist klar, dass eine Sendung auch solche Bemerkungen anzieht. Das war nie unsere Intention…

 

Max: Die schreiben dann: „Hasso erklärt euch mal Flexen.“ Und dann steht Hasso da und hat überhaupt nicht die Absicht, irgendwem irgendetwas zu erklären. Die Frage in dem Moment war: „Was machst du denn da, Hasso?“ – „Ja, ich flexe. Da musst du ein bisschen aufpassen.“ Er trägt aber keinerlei Schutzkleidung, keine Brille, keinen Gehörschutz, steht auf einer Leiter…

 

Hasso: … Brille habe ich, glaube ich, auf …

Max: … steht auf einer Leiter, ungesichert. Macht eigentlich alles verkehrt, was man verkehrt machen kann. Da sagen die Leute: „Hey, was will der mir erklären!?“ Das ist aber eben gar nicht unsere Absicht.

 

Wie ist das beim Budget? Müssen die Bewerber dieses Material und die Arbeitsstunden bezahlen?

Max: Sie bekommen das geschenkt. Wir haben natürlich ein Budget, das wir nicht überschreiten können, aber die Teilnehmer müssen nichts beitragen.

 

Hasso: Das Einzige, was sie liefern müssen, ist eine abgefahrene Idee… Du merkst natürlich, dass sich die Einfälle wiederholen. Sagen wir mal eine fiktive Zahl: Also bei 1000 Einsendungen sind 990 eine Bar. Männer sind halt einfach gestrickt. Es ist nicht so leicht, da spannende Ideen für die Folgen herauszupicken.

 

Was waren die verrücktesten Vorschläge?

Hasso: Ach, da gab es zum Beispiel die Poledance-Bar.

 

Max: Wir hatten einen Vorschlag, da war der Bewerber Bogenschütze, er wollte einen 3D-Bogenschützenpark in seine Scheune gebaut haben. Ein anderer wollte eine Drohnenwerkstatt. Es gab Rennbahnfahrer. Das Problem ist nur, wenn man das sieht: Das muss für uns in diesem Zeitraum auch umsetzbar sein. Viele hatten komplett vermüllte Keller oder dort war es feucht. Da musste Trockenbau gemacht werden. Das hätte den zeitlichen Rahmen gesprengt. … Ein Star-Wars-Fan war noch dabei, der hat sich auf einmal einfach nicht mehr gemeldet.

 

Wollte der ein Raumschiff gebaut haben?

Hasso: Ja, ein Raumschiff hätte man da reinbauen können, darauf hatten wir richtig Bock. Wird sicher noch in der zweiten Staffel auf uns zukommen. Irgend so ein themenbezogener Zockerraum. Etwas in Richtung Rollenspiel, so LARP-Geschichten. Fantasy – das wird mit Sicherheit auf uns zukommen.

 

Eure Sendung können auch Nicht-Handwerker gut anschauen, wegen der ganzen Ästhetik.

Max: Ja. Das Tolle an diesem Format ist, dass wir den Leuten, die mit Handwerk nichts zu tun haben, zeigen, dass man tolle Sachen machen kann. Das ist einfach ein erstklassiges Gefühl, wenn man das fertige Ding in der Hand hält.

 

Ihr zeigt immer die einzelnen Schritte.

Max: Genau. Das ist das Schöne für den Zuschauer: In jeder der acht Folgen hat er die Möglichkeit zu sehen, was aus einem Fundstück oder Material werden kann. Nachher ist er dann in dem Raum und denkt: Ach cool! Aus dem Holz ist das geworden und aus dem Flügel das.

 

Hasso: Das hat Max goldrichtig gesagt. Das ist der Kern der Sendung: Die Leute an etwas teilhaben zu lassen, das entsteht. Und nicht, ob irgendwas im Detail noch besser geht! Das interessiert nicht. Es geht um den Prozess und die Entwicklung. Was man unternehmen kann, außer vor seiner Playstation zu hocken und zu zocken.

 

Max: Aus unserer Sicht der Dinge.

 

Da sagt ihr was, denn das Handwerk hat ja akute Nachwuchsprobleme!

Max: Darüber diskutieren wir auch, ob wir mit der Sendung auf DMAX was ändern können. Natürlich wäre das schön, wenn sich das ein Jugendlicher anguckt und denkt: Was könnte ich denn mal machen? Das ist jetzt nicht so das starre Handwerkerding, so in der Art von: mit ’nem Elektriker-Bulli vorfahren und immer nur dieselbe Sache machen. Sondern übern Tellerrand hinaus gucken. Das Ganze zu verknüpfen.

 

Hasso: Genau. Man sollte Spaß haben. Ich mache gelegentlich auch Sachen fürs Jugendausbildungszentrum oder „Lernen und Fördern“. Sie kommen mit einem Haufen Jugendlicher her, die keine Perspektive sehen. Dann versuche ich, denen ein wenig die Augen zu öffnen, dass es auch anders geht.

 

◊◊◊

Max Bayer-Enck und Hasso Maaß

Ein Traum-Duo, das von DMAX angesprochen wurde, ob es sein kreatives Handwerk nicht einem Millionenpublikum präsentieren wollte. Based in good old Münster Town. Mit Leidenschaft zimmern und schweißen Max und Hasso, Hasso und Max die Männerträume Deutschlands.

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6325085?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F5321497%2F
Nachrichten-Ticker