Mi., 07.01.2015

Vor 70 Jahren wurde Pierre Meau in der Arrestzelle erschossen Der Sergeant und sein Mörder

Der kleine Anbau am ehemalige Schlauchturm der Feuerwehr war Saerbecks Kittchen; die Gebäude sind längst abgerissen, heute ist dort der Parkplatz des Pfarrheims.

Der kleine Anbau am ehemalige Schlauchturm der Feuerwehr war Saerbecks Kittchen; die Gebäude sind längst abgerissen, heute ist dort der Parkplatz des Pfarrheims. Foto: Archiv Heimatverein

Saerbeck - 

Heute vor genau 70 Jahren wurde auf dem Saerbecker Friedhof ein französischer Pilot begraben – und wenige Monate später wieder ausgegraben. Der junge Pierre Meau, das ergab die Obduktion in Münster, war erschossen worden. sein Mörder: der Saerbecker Dorfpolizist.

Von Sandra Lüttmann

„ Rheinsalm meldet, Rheinsalm meldet . . .“ Älteren Saerbeckern klingt dieser Aufruf aus dem Volksempfänger noch heute in den Ohren.

Es geschah vor genau 70 Jahren: Rheinsalm. Es ist Freitag, der 5. Januar 1945. Das Radar der Nachtjagdleitstellung im Schulkamp erfasst Bomberverbände der Alliierten. Ihr Ziel: der Dortmund-Ems-Kanal in Westladbergen. Um ihn zu schützen, waren dort Flakstellungen aufgebaut, unter anderem am Hof Richter.

Sie beschießen die Angreifer und treffen dabei den Bomber „ Halifax LL 557“ so schwer, dass er abstürzt. Sergeant Pierre Meau, der 22-jährige Pilot kann sich mit dem Fallschirm retten; ein Feldgendarm nimmt ihn in der Nähe der Riesenbecker Straße gefangen und bringt ihn in die kleine Arrestzelle am damaligen Feuerwehrgerätehaus, dem Saerbecker Kittchen.

Was dort am Abend des 6. Januar geschieht, gehört zu einem der dunkelsten Kapitel der Saerbecker Dorfgeschichte: Unter nie restlos geklärten Umständen, angeblich wegen eines Fluchtversuches, erschießt der damalige Dorfpolizist den französischen Flieger.

Der heute noch in Saerbeck lebende Alfred Maimann war damals im Raum nebenan: „Der Wärter ging mit dem Essenstablett rüber, und dann hörte ich den Knall.“

Zwei Tage später, am Montag, den 8. Januar, wurde Pierre Meau zunächst auf dem Saerbecker Friedhof beigesetzt. Auf Anordnung der französischen Besatzungsbehörde wurde die Leiche am 30. November 1945 exhumiert und zur Obduktion in die Gerichtsmedizin nach Münster gebracht. Dort stellte der Gerichtsarzt etliche Schussverletzungen fest, die auf eine vorsätzliche Tötung hinwiesen.

Der Dorfpolizist wurde daraufhin wegen Mordes angeklagt; ein Kriegsgericht verurteilte ihn 1949 zu 20 Jahren Gefängnis mit Zwangsarbeit. Nach einen Gnadenerlass des Hohen Kommissars wurde der Dorfpolizist 1953 aus der Haft entlassen.

Die Familie Pierre Meaus veranlasste 1950 die Rückführung der Leiche ins heimische Frankreich.

Am 1. April 2008 brachten Gesamtschüler am ehemaligen Standort der Arrestzelle am heutigen Pfarrheim eine Gedenktafel an, die an die Ereignisse am 6. Januar 1945 im Saerbecker Kittchen erinnert.



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