Dokumenten-Funde: Drohte 1934 die Eingemeindung?
Am „Schwarzen Donnerstag“ vorbei

Saerbeck/Greven -

Es hätte vielleicht ein „schwarzer Donnerstag“ werden könnte, als sich im Herbst 1934 Amtsträger im Grevener Rathaus zusammensetzten und berieten, ob das Amt Saerbeck aufgelöst und Greven zugeschlagen werden sollte. Das legen Aufzeichnungen nahe, die Hans-Dieter Bez vom Heimatverein Greven gefunden hat.

Dienstag, 27.12.2016, 15:13 Uhr
Wilhelm Cherouny, von 1921 bis 1935 Amtmann in Saerbeck. Hat er damals den Plänen zur Auflösung Saerbecks und Eingemeindung in Greven zugestimmt?.
Wilhelm Cherouny, von 1921 bis 1935 Amtmann in Saerbeck. Hat er damals den Plänen zur Auflösung Saerbecks und Eingemeindung in Greven zugestimmt?. Foto: Gemeinde Saerbeck

Das wäre beinahe Saerbecks „Schwarzer Donnerstag“ geworden: An jenem 22. November 1934, im zweiten Jahr der Nazi-Herrschaft, wollte ein Häuflein von Amtsträgern im Grevener Rathaus die Auflösung und Übernahme Saerbecks vorbereiten. Herausgefunden hat diese bislang nicht bekannte Fußnote der Lokalgeschichte der Grevener Hans-Dieter Bez, Gründungsmitglied und bis 2012 langjähriger Vorsitzender des Grevener Heimatvereins: „Ein Zufallsfund“, sagt Bez zu dem Protokoll der Sitzung, zu der Landrat Dr. Friedrich Boeckenhoff die Grevener Amtsältesten eingeladen hatte.

Während draußen der kalte Spätherbst über den Marktplatz fegte, hockten drinnen der Landrat, Grevens kommissarischer Amts-Bürgermeister Ferdinand Coppenrath, drei Beigeordnete, zwei von elf Amtsälteste (die neun anderen wollte man wohl nicht dabei haben) und Gemeinde-Schulzen zusammen und heckten die Erweiterung des Amtes Greven aus.

„Der Landrat“, schreibt Hans-Dieter Bez in seiner Aufzeichnung, „stellte den Sachverhalt den Anwesenden dann so dar, als sei diese Idee nicht neu und als sei er aufgefordert worden, nun endlich diesen Vorschlag zu machen“. Denn, so habe der Landrat mitgeteilt, ohne das zu belegen, es sei angeregt worden, das Amt Saerbeck aufzuheben und die Gemeinde Saerbeck in den Amtsverband Greven zu übernehmen. Schon früher hätten dahingehende Bestrebungen zur Verhandlung gestanden, seien jedoch ergebnislos geblieben.

Boeckenhoffs Hauptargument: Es sei nicht mehr tragbar, das Amt Saerbeck als solches bestehen zu lassen, zumal es keinen Gemeindeverband darstelle und eine Einwohnerzahl von nur 2300 Seelen aufzeige. Außerdem gleiche die Gemeinde Saerbeck in der Zusammensetzung ihrer Bevölkerung und wirtschaftlichen Struktur den Außengemeinden Grevens und überhaupt hätten die beteiligten Bürgermeister „die ganze Angelegenheit gründlich durchberaten und seien zu dem Ergebnis gekommen, dass diese Regelung den beteiligten Gemeinden Ersparnisse und dauernde Vorteile bringen würde“.

Wenn Wilhelm Cherouny den Plänen tatsächlich zugestimmt hätte, müsste im Saerbecker Archiv darüber doch zumindest eine Notiz zu finden sein. „Aber nein“, sagt Archivar Fred Wieneke, „soweit ich weiß, gibt es keine einzige Unterlage darüber, dass ein solches Gespräch mit dem damaligen Saerbecker Bürgermeister (Amtmann und Bürgermeister bezeichnen in Cherounys Fall gleichermaßen die hauptamtliche Funktion als Verwaltungschef) stattgefunden hat.

Im Grevener Rathaus verabschiedete die Achterrunde derweil den Landrat mit einstimmigem Votum nach Münster, von wo aus dieser plante, „den zuständigen Regierungsstellen entsprechende Vorlagen zu machen“.

Das wird er dann auch wohl gemacht haben, vermutet Hans-Dieter Bez, „aber, wie man weiß, ohne den gewünschten Erfolg. Denn nirgendwo ist noch mal die Rede von seinem Eingemeindungsplan Saerbecks in das Amt Greven. 40 Jahre später, 1974, wird es diesmal dem Verhandlungsgeschick und der persönlichen Überzeugungskraft des damaligen Saerbecker Bürgermeisters Dr. Anton Gerdemann gelingen, der Gemeinde Saerbeck die Selbstständigkeit im Rahmen der kommunalen Neuordnung zu erhalten.“

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