Søren Wendt betört Konzertgäste in der Arche
Die Poesie des Harfners

Saerbeck -

Nicht nur Engel können die Harfe ertönen lassen. Nahezu engelsgleiche Klänge waren am Samstag in der Arche zu hören, zunächst im Gottes-dienst, den Laienpredigerin Barbara Schäffer hielt, sowie im anschließenden Konzert.

Montag, 12.06.2017, 15:07 Uhr aktualisiert: 13.06.2017, 15:01 Uhr
Søren Wendt, Skandinavist und Musikethnologe, an der böhmischen Wanderharfe.
Søren Wendt, Skandinavist und Musikethnologe, an der böhmischen Wanderharfe. Foto: Tünde Kalotaszegi-Linnemann

Groß, blond, sympathisch stand er da, mit seiner böh-mischen Wanderharfe, fast wie aus einer längst vergangenen Zeit. Søren Wendt, Skandinavist, Musikethnologe nennt sich selbst „freiberuflicher Harfner und Sänger“. Vor allem ist er ein Ausnahmekünstler, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, den Zuhörern traditionelle und moderne skandinavische Musik, mal mit biblischem Bezug, mal rein weltlich orientiert, zu präsentieren. Dazu nimmt er hauptsächlich die Wander-harfe, die kleiner, somit handlicher und transportabler als die große Konzertharfe ist und über einen hellen, weichen Ton verfügt. Außerdem hatte er die noch kleinere Reiseharfe mit im Gepäck.

Ursprünglich arbeitete Wendt als Elektrosignalmechaniker bei der Bundesbahn bis Ende der 90-er Jahre „der Schraubenschlüssel gegen den Harfenstimmschlüssel ausgetauscht ward“, wie er in seiner Biografie schreibt. Kein schlechter Tausch, wie sich bereits nach den ersten Tönen herausstellte. Mit seiner lyrischen Stimme und einfühlsamen Begleitung verzauberte er das Publikum innerhalb weniger Minuten. Er ist so eine Art moderner Minnesänger, fahrender Folkmusikant und darüber hinaus ein exquisiter Harfenist. Im Gottesdienst besang er höchst sensibel „Maria, sie ist eine Jungfrau rein“ und ließ die schwedische Version von Paul Gerhardts „Geh aus mein Herz“ erklingen.

Im Konzert führte Wendt humorvoll, augenzwinkernd, aber stets gut akzentuiert durch das Programm. „Die skandinavische Musik hat die Melancholie und die Andacht, aber wir können auch flotte Tanzmusik“, erklärte er fast schwärmerisch. Das zeigte er prompt mit einem Exkurs in die rhythmische Welt der „Polska“, die nicht so „langweilig daherkommt wie etwa der Walzer“, wie er kommentierte. Neben einigen erfrischenden Frühlings- und Sonnenliedern aus Schweden und Dänemark gab es unter anderem einen überaus romantischen Hochzeitsmarsch, der nur noch von einem finnischen Liebeslied getoppt werden konnte. „Oh mein Goldvögelchen, mein Herzlieb“, hieß es da, aber Wendt interpretierte es jenseits von Kitsch oder jeglichem Chi-chi. Für das Highlight des Abends tauschte er die Harfe gegen die syrische Trommel und ließ „Hombatihej, mein kleines Pferdchen“ mit Sprechgesang, Falsett und Hufenschlag über Stock und Stein galoppieren. Nach begeistertem Applaus belohnte Søren Wendt das Publikum mit einem dänischen „Raus-schmeißer“ im Boogie-Stil.

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