Was die Mitglieder des Osnabrücker Slow-Food-Conviviums in Liesenkötters Backstube suchen
„Wir backen uns einen Jacques“

Saerbeck -

Dass die Genießer des 1996 gegründeten Osnabrücker Slow-Food-Conviviums (lateinisch für Tischgesellschaft oder Gastmahl) jetzt für eine ausgedehnte Backstunde nach Saerbeck anreisten, klingt folgerichtig und vernünftig, wenn Tobias Liesenkötter sein Bäcker-Credo vorbetet: „Wir sind ein regionaler Handwerksbäcker und leben nach der Philosophie des bewussten Backens. Wir beziehen unsere Rohstoffe von regionalen Lieferanten, wir stellen unsere Backwaren handwerklich her und geben unseren Teigen Zeit und Ruhe für den ursprünglichen Geschmack.“

Mittwoch, 14.06.2017, 22:25 Uhr aktualisiert: 14.06.2017, 22:30 Uhr
Eine eher untypische Handbewegung für einen Bäcker, aber wer Tobias Liesenkötter kennt, der weiß, dass er auch ein riesengroßes Herz für den Karneval hat; und da passt Brötchenteig-Weitwurf doch wieder ins Bäckerbild.
Eine eher untypische Handbewegung für einen Bäcker, aber wer Tobias Liesenkötter kennt, der weiß, dass er auch ein riesengroßes Herz für den Karneval hat; und da passt Brötchenteig-Weitwurf doch wieder ins Bäckerbild. Foto: Hans Lüttmann

Nein. Slow Food heißt eben nicht, den Cheeseburger im Mümmeltakt zu futtern, die Chicken Wings über den Tag verteilen oder nicht im Stehen oder Gehen essen. Slow Food ist eine vor 25 Jahren gegründete internationale Initiative zur Rettung des kulinarischen Erbes. Die Grundidee ist einfach: Ob marokkanischer Couscous oder tibetanischer Yakkäse, Murnauer Alpenrinder oder kolumbianischer Panela-Zucker – überall in der Welt gibt es kulinarische Produkte, die für Tradition, Identität, Genuss und kleinräumige Produktion stehen. Wenn man sie verteidigt, ist das bereits der erste Schritt gegen die Verwüstung der Welt durch Überfischen, Monokulturen und Pestizide.

Dr. Edgar Klinger, Vorsitzender des Osnabrücker Conviviums, erzählt, wie seine Ortsgruppe auf Saerbeck und Liesenkötter gestoßen ist: „Wir sind immer auf der Suche nach guten Lebensmitteln und Menschen, die mit Herzblut und Hingabe dafür arbeiten; und beides haben wir in Saerbeck gefunden.“ Darunter solches Urgetreide wie Dinkel, Emmer und Norddeutscher Champagnerroggen. Und nicht zuletzt Tobias Liesenkötters Suche nach einem Ersatz für die möglicherweise allergene Rieselhilfe im Salz. Jetzt nimmt er Meersalz ohne den ominösen Zusatz: „Das verklumpt zwar manchmal, aber dann hau ich das Salzfass ordentlich auf den Tisch.“

Dort, auf dem Tisch mussten die Osnabrücker dann auch selber Hand anlegen: Echte Saerbecker, die mal mehr, mal weniger gelangen, einen süßen Hefezopf und schließlich den Renner aus Liesenkötters Backstube, „Pain Jacques“, galt es zu kneten, flechten und in den Ofen zu schieben.

Slow Food-Ortsgruppen gibt es von Cuxland bis zur Zugspitze, von Rügen bis Münster. Das Osnabrücker Convivium zählt inzwischen gut 150 Mitglieder. Sie treffen sich zu Genießer-Stammtischen, um in lockerer Runde bei einem Glas Wein oder Bier und etwas Leckerem zu essen Ideen auszutauschen. Das sind oft Abendessen bei ausgewählten Köchen der Region oder Besuche bei regionalen Produzenten hochwertiger Produkte – da passen Saerbeck und Tobias Liesenkötter ja wie Butter und Brötchen.

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