Eröffnung der Ausstellung mit Bildern von Mechthild Alfing
Das Unbeachtete „im Fokus“

Nordwalde/Saerbeck -

„Ich habe den Blick für das Unbeachtete. Nicht das Perfekte ist interessant. Ich liebe alles, was so ein wenig neben der Spur ist.“ So beschreibt die Künstlerin Mechthild Alfing ihren Fokus. Was sie Blei- und Farbstift und etwas Aquarell daraus macht, zeigen ihre Bilder, die im Bürgerhaus zu sehen sind.

Dienstag, 13.06.2017, 18:00 Uhr aktualisiert: 18.06.2017, 11:19 Uhr

Da soll mal einer sagen, Zeichnungen sind heutzutage nicht mehr „in“, also nicht mehr zeitgemäß. In Saerbeck scheint das ganz anders zu sein, denn wenige Stunden nach der Vernissage im Bürgerhaus waren die meisten Bilder von Mechthild Alfing bereits verkauft. Genauer: Kaum waren die letzten Dankesworte gesprochen, die Präsentweinchen verschenkt, klebten schon ruck-zuck die ersten roten Punkte an den Rahmen.

„Im Fokus“, so lautet der Titel der Ausstellung, bedeutet „den Brennpunkt, die Mitte, wo die Strahlen sich treffen zu erwischen, was gar nicht so einfach ist“, wie die stellvertretende Bürgermeisterin Anne Raffel (CDU) in ihrer Begrüßung feststellte. „Das ist auf jeden Fall die Liebe zur Natur, die überall in Mechthilds Werken präsent ist“, attestierte Kunstexperte Prof. Jan Cejka in seiner kurzen fachlichen Einführung. Während in vergangenen Jahrhunderten die Zeichnung als Grundlage für jegliche Malerei galt, ging das Interesse zunehmend verloren. Woran das liegt, kann nur gemutmaßt werden: „Als Zeichner stehen wir hier nackt. Man kann sich nicht hinter farbigen Flächen verstecken“, konstatierte Cejka.

Und das tut die ehemalige Lehrerin und Künstlerin keinesfalls, im Gegenteil. Da finden sich beispielsweise eine zart kolorierte Tulpe, verblüht auf einem Stück Papier, eine fast zerbrechlich wirkende, verwelkte und trockene Rose, ganz filigran erscheinende Eierschalen oder Äpfel, die durch ihre feinen Konturen aussehen, als seien sie aus Glas. Dabei kommt es auch immer auf das Detail an. So wird ein kaputtes Stück Holz zum Star auf dem Papier.

„Ich habe den Blick für das Unbeachtete. Nicht das Perfekte ist interessant. Ich liebe alles, was so ein wenig neben der Spur ist“, erläuterte Mechthild Alfing mit leuchtenden Augen und rückt genau solche Objekte in den Fokus. Am liebsten verwendet sie den guten alten Blei- respektive Farbstift. Aber auch dem Aquarell ist sie zugetan, wie etwa an dem, in sattem blau blühenden Rittersporn zu sehen ist. Dieses Blatt ist übrigens eine Hommage an den berühmten Grafiker und Zeichner Horst Janssen (1929-1995), den sie als ihren „großen Propheten“ verehrt. Völlig aus dem Rahmen fällt ihr, mit locker hingeworfenen Strichen gezeichnetes Selbstporträt, das von einer aus Köln angereisten Besucherin als „absoluter Knaller“ tituliert wurde.

Nicht nur ihre Kunst hatte Alfing im Gepäck, sondern zudem noch ihre Klavierlehrerin, die exzellente Konzertpianistin Chizuru Amakawa, die mit romantischer Klaviermusik die Ausstellungseröffnung begleitete. Noch bis zum 25. Juni (nur sonntags von 11 bis 18 Uhr, sonst nach Vereinbarung) sind die Bilder im Bürgerhaus zu sehen, und nach dem Rekord-verkauf vermutlich in manchem Wohnzimmer.

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