Ideen zur Kreiselgestaltung
Zwischen Kitsch und Poesie

Saerbeck -

An Vorschlägen zur Gestaltung von Kreisverkehren in Saerbeck mangelt es nicht. Ratsherr Ewald Baar bringt nun zwei weitere Vorschläge zur Diskussion, die unterschiedlicher kaum sein können.

Sonntag, 23.07.2017, 17:36 Uhr aktualisiert: 23.07.2017, 17:40 Uhr
Und nachts mit Beleuchtung: Der wackere Landmann aus Recke ist der Gegenentwurf einer zeitgemäßen Gestaltung.„L’ arbre à vent“: Ein Baum im Wind ist das Geschäftsmodell eines französischen Start-ups.Die „Blätter“ des Windbaums  sind Aeroleaves, kleine Kraftwerke, die Strom erzeugen.
Und nachts mit Beleuchtung: Der wackere Landmann aus Recke ist der Gegenentwurf einer zeitgemäßen Gestaltung.„L’ arbre à vent“: Ein Baum im Wind ist das Geschäftsmodell eines französischen Start-ups.Die „Blätter“ des Windbaums  sind Aeroleaves, kleine Kraftwerke, die Strom erzeugen. Foto: prf

Eine Verkehrsinsel, machen wir uns nichts vor, ist nichts anderes als eine Kreuzung, auch wenn sie sich kreisrund gefällt. Philosophisch betrachtet, ist der Kreisel (in der Schweiz sagt man Teller) ein Ort der Begegnung und Entscheidung: Man begegnet anderen Verkehrsteilnehmern und geht, nein: fährt wieder auseinander. Das einzig Ernste daran: man muss sich entscheiden, wohin es gehen soll. Ein Kreisel kann aber auch eine Bühne sein, ein kleines Freilichtmuseum, das, wenn man es richtig macht, über die Gemeindegrenzen ausstrahlen kann. Und wenn man es sehr richtig macht, kann ein gestalteter Kreisel die urbane Landschaft prägen und Orientierungspunkt oder gar Wahrzeichen werden.

Manche Kommunen machen es sich leicht und überlassen ortsansässigen Unternehmen die Gestaltung und Pflege der Kreisel. Um die Kreiselbühne vor Guerilla-Kunst, dem klammheimlichen Aufstellen von Kunst- oder Kitschobjekten möglichst zu verhindern, führen andere Kommunen Wettbewerbe durch oder fragen, wie in Saerbeck, die Bevölkerung.

Wie neulich schon berichtet, kam dabei schon ein Dutzend Vorschläge heraus; jetzt stellt Ratsherr Ewald Baar zwei weitere Vorschläge zur Diskussion, die unterschiedlicher kaum sein können: In Recke fand er auf einem sandsteinbestückten Kreisel die nostalgisch verklärte Silhouette eines pflügenden Bauern hinter seinem Ackergaul. „Ah, ein Einhorn!“, riefen die Mitglieder des Saerbecker Gemeinderats, als Ewald Baar ihnen das nächtlich illuminierte Bild zeigte.

Viel offensichtlicher als diese Landlust-Optik passt zur Klimakommune der „L’ arbre à vent“ aus dem französischen Start-up „New Wind“. Dessen Gründer, Jerome Michaud-Larivière, wirbt damit, dass der Baum angeblich 83 Prozent des Stroms einer vierköpfigen Familie deckt. Dafür sorgen 54 bis 60 Mikroturbinen auf den Zweigen des neun Meter hohen und sieben Meter breiten Stahlstamms. Die Stückkosten werden mit 46 500 Euro angegeben. (Die Aufstellung des alten Windrades aus dem Bioenergiepark würde nach Auskunft des Bürgermeisters ähnlich teuer.) Der Wind-Baum soll eine Lebensdauer von mindestens 15 Jahren haben; er würde 455 Meter Straße, 164 Quadratmeter Büros oder 71 Parkplätze beleuchten.

Der Kreiselgestaltungswettbewerb ist noch nicht entschieden.

Ah, ein Einhorn!

Erstaunter Ausruf im Gemeinderat
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