Im Bezirk Ibbenbüren sind sieben Stellen frei
Notar gesucht – aber keiner will

Saerbeck -

Hört sich doch eigentlich nach einem Super-Job an: Notar.

Dienstag, 01.08.2017, 22:41 Uhr aktualisiert: 05.08.2017, 16:01 Uhr
Stempel, Siegel, Unterschrift:  Notare sorgen dafür, dass alles seine Richtigkeit hat, wenn ein Vertrag geschlossen wird.
Stempel, Siegel, Unterschrift:  Notare sorgen dafür, dass alles seine Richtigkeit hat, wenn ein Vertrag geschlossen wird. Foto: Colourbox

Im schicken Büro sitzen, nette Damen im Vorzimmer, Verträge aller Art aufsetzen, Stempel drauf, alles beurkunden, fette Gebühren kassieren, pünktlich Feierabend machen. So weit die gängigen Vorurteile. Doch irgendwas muss anders sein, denn: Keiner will Notar werden. Sieben Stellen sind aktuell frei im Bezirk des Amtsgerichtes Ibbenbüren, zu dem neben der Bergmannsstadt auch Hörstel, Hopsten, Mettingen, Recke und Saerbeck gehören. Sieben freie Stellen – keine einzige Bewerbung.

Wieso? Weshalb? Warum? Viele Fragen unseres Medienhauses dazu hat Rechtsanwalt Christoph Sandkühler (Geschäftsführer Westfälische Notarkammer Hamm) beantwortet. „Der Drang danach, Notar zu werden, ist nicht mehr so vorhanden“, sagt Sandkühler. Und dass das „nicht so schön ist“, sagt er auch.

Und so ist aktuell die Lage bei den Notaren im Amtsgerichtsbezirk: 22 gibt es insgesamt, zwei davon in Saerbeck. Doch der Bedarf ist größer als diese 22 Amtsinhaber. Legt man die Anzahl der in den vergangenen zwei Jahren notariell beurkundeten Verträge zugrunde, ergibt sich rechnerisch ein Bedarf von sieben zusätzlichen Notaren, erklärt Sandkühler.

Ein Notariat ist ein öffentliches Amt. Es wird vom Land NRW vergeben. Und so hat das Justizministerium NRW besagte sieben Stellen im AG-Bezirk Ibbenbüren öffentlich ausgeschrieben und sucht Bewerber. Doch: Der Präsident des Oberlandesgerichtes in Hamm, der wohl gerne neue Notare ernennen möchte, bleibt untätig, muss untätig bleiben: „Es hat sich niemand auf die Stellen beworben“, sagt Sandkühler.

Die Gründe dafür sind nach seinen Worten vielfältig: Erst einmal kann nur zum Notar ernannt werden, wer schon Rechtsanwalt ist. Zudem müssten Bewerber über einige Erfahrung im juristischen Grundberuf verfügen. Danach wird‘s ambitioniert: „Es muss eine notarielle Fachprüfung abgelegt werden“, sagt Sandkühler. Dabei liegen die Hürden hoch: „Diese Prüfung ist sehr aufwendig, es ist fast wie ein drittes Staatsexamen.“

Es wundert also nicht, dass die Rechtsanwälte der Region wenig Ambitionen haben, zusätzlich auch Notar zu werden. Und das, obwohl der Geschäftsführer der Notarkammer einräumt, dass die Sache finanziell durchaus lukrativ ist – will heißen einträglich. Christoph Sandkühler formuliert es so: „Notar, das ist nicht das Schlechteste ...!“

Ein weiteres enormes Hemmnis neben dem formalen Bewerbungsverfahren und der schweren Prüfung ist die schlichte Tatsache, dass ein Notar alleine nicht handlungsfähig ist. „Als Neustarter ein Büro zu eröffnen, ist fast unmöglich“, sagt Sandkühler. Denn: Es gibt schlicht keine, gar keine, überhaupt keine Fachangestellten, die dem Notar zur Seite stehen. „Das wirkt sich schmerzhaft aus. Notar sein können sie nicht alleine. Ohne Fachangestellte geht es nicht“, sagt Sandkühler. Fazit: Es wird auf Sicht keine neuen Notare geben in Ibbenbüren und drumherum. Für 2017 ist das Verfahren per se beendet.

Nun wird das NRW-Justizministerium im Jahr 2018 wohl erneut sieben (oder mehr) Notariate für den hiesigen Amtsgerichtsbezirk ausschreiben. Ob sich dann Bewerber finden? „Ich bin nicht optimistisch“, sagt Christoph Sandkühler. Er hätte wohl sehr gerne was anderes gesagt ...

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