Baden im Kanal
Macht Laune, ist aber auch gefährlich

Saerbeck -

Der Dortmund-Ems-Kanal ist bei Binnenschiffern – und Badefreunden – eine beliebte Wasserstraße. Was darf man aber als Badender im Kanal? Und vor allem, was nicht? Worauf muss man achten. Wir sind dieser Frage mal nachgegangen.

Montag, 14.08.2017, 16:19 Uhr aktualisiert: 14.08.2017, 21:43 Uhr
Triathleten dürfe das,  aber wer sonst gerne im Kanal badet, muss sich strikt an strenge Regeln halten.
Triathleten dürfe das,  aber wer sonst gerne im Kanal badet, muss sich strikt an strenge Regeln halten. Foto: prf

Grundsätzlich, so Sascha Weinand von der Wasserschutzpolizei in Duisburg, toleriere man das Baden im Kanal. Es gibt aber Regelungen. Für den rein rechtlichen Aspekt gibt es dazu ein fürchterliches Wort, die sogenannte Binnenschifffahrtsstraßenordnung.

Wo ist Schwimmen erlaubt und wo verboten?

Dort finden sich sämtliche relevanten Stellen. Zum Beispiel Paragraf 8.10. Er regelt das Bade- und Schwimmverbot. Dort steht, wo im Kanal Baden und Schwimmen verboten sind: im Bereich bis zu 100 Metern ober- und unterhalb einer Brücke, eines Wehres, einer Hafeneinfahrt, einer Liegestelle oder einer Anlegestelle der Fahrgastschifffahrt im Schleusenbereich und im Arbeitsbereich von schwimmenden Geräten an durch entsprechende Schilder gekennzeichneten Stellen.

Weiter heißt es dort: Ein Badender und ein Schwimmer müssen sich so verhalten, dass ein in Fahrt befindliches Fahrzeug nicht behindert wird. „Diese Verbote werden kontrolliert, und es werden auch Anzeigen gefertigt“, so Weinand.

Anschwimmen von Binnenschiffen

Und dann ist da noch das Anschwimmen der Binnenschiffe. Auch verboten. Natürlich. Das regelt Paragraf 6.17. Dort heißt es in den Absätzen drei und vier:

„Das Anlegen oder Anhängen an ein Fahrzeug oder einen Schwimmkörper in Fahrt sowie das Mitfahren im Sogwasser sind ohne ausdrückliche Erlaubnis des Schiffsführers verboten. Personen, die Wassersport nicht mit einem Fahrzeug betreiben, müssen von einem Fahrzeug oder Schwimmkörper in Fahrt oder von einem schwimmenden Gerät während der Arbeit ausreichend Abstand halten, dass die Schifffahrt oder die Arbeit des schwimmenden Gerätes nicht gestört oder gefährdet wird.“

Blindfahrt unter Brücken

Aber warum diese Regelungen? Stichwort Schwimmen unter Brücken: Warum man da nicht schwimmen darf und sollte, erklärt Sascha Weinand. „Binnenschiffe müssen unter der Brücke ihrer Steuerhäuser einfahren“, so Weinand.

Das habe einen toten Winkel von bis zu 500 Metern zufolge, auch auf dem Radar gebe es durch die Brücke einen Schatten. „Die Schiffe sind also mehrere hundert Meter im Blindflug unterwegs“, so Weinand. Sie sehen einen Schwimmer nicht. Und selbst wenn. Ein Binnenschiff habe, so Weinand, einen Bremsweg von einem Kilometer.

Springen von Brücken

Stichwort Springen von Brücken: Mordsgefährlich. Häufig, so Weinand, sei es vorgekommen, dass während des Sprunges ein Schiff unter der Brücke aufgetaucht war und die Springer nicht im Wasser, sondern auf dem Schiff landeten. Die Folge: Knochenbrüche. Unter bestimmten Umständen könne ein solcher Sprung auch eine Straftat sein, nämlich dann, wenn der Schiffsverkehr gefährdet wird, so Weinand.

Ein weiterer Aspekt sei die Höhe. Wer vom Brückenbogen springe, befinde sich oft in etwa 15 Meter Höhe (auf das Wasser bezogen). „Eine Plastiktüte oder ein Brett im Wasser reichen da schon für Knochenbrüche, wenn man draufspringt, so Weinand. Beim Klettern auf den Bogen bestehe außerdem Rutschgefahr. Es sei schon vorgekommen, so Weinand, dass Leute beim Klettern ausgerutscht und auf Straßen oder Gleise gefallen seien, teilweise mit tödlichen Folgen. Das Betreten der Bögen erfülle in bestimmten Fällen sogar den Straftatbestand des Hausfriedensbruches.

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Anschwimmen von Schiffen

Stichwort Anschwimmen von Schiffen: Auch das An-Bord-Klettern sei Hausfriedensbruch, wenn es der Schiffsführer nicht will, so Sascha Weinand. Und gefährlich, selbst, wenn die Eltern sagten, sie hätten das früher auch gemacht. „Die Schiffe sind heute größer“, so Weinand, verfügten über eine größere Maschinenleistung und hätten auch ganz andere Anlagen an Bord. Kurz: Der Sog, der dabei entsteht, ist enorm.

Und weil es so gefährlich ist, patrouilliert die Wasserschutzpolizei. Im Sommer noch mehr als sonst. Rund 300 Anzeigen, so schätzt Weinand, würden wegen Kanalschwimmens jedes Jahr geschrieben.

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