Von so lala bis fulminant: Durchwachsenes Klavierkonzert in der Bürgerscheune
Melanies Schuhe waren toll

Saerbeck -

Wer bis nach der Pause durchgehalten hat, nicht wie unter anderem die anerkannte Sopranistin Daniela Stampa, die enttäuscht den Saal verließ, wurde redlich belohnt. Als hätten die beiden eine wundersame Wandlung erfahren, gelangen die Filmmusiken zu den James Bond Klassikern „Skyfall“ oder „Dr. No“ technisch versiert, präzise und voller Power. Endlich zeigten sie, was wirklich in ihnen steckt.

Samstag, 23.09.2017, 14:39 Uhr aktualisiert: 26.09.2017, 15:47 Uhr
Licht und Schatten: Das Klavierduo Melanie und Filip Peoski hinterließ nach dem Konzert in der Bürgerscheune einen zwiespältigen Eindruck.
Licht und Schatten: Das Klavierduo Melanie und Filip Peoski hinterließ nach dem Konzert in der Bürgerscheune einen zwiespältigen Eindruck. Foto: Tünde Kalotaszegi-Linnemann

Manchmal lohnt es sich doch, bis zum Schluss zu bleiben. So jedenfalls am Donnerstag in der Bürgerscheune, wo das Klavierduo Melanie und Filip Peoski unter dem vielversprechenden Titel „Klassik meets Film“ ein Konzert gab. In der Ankündigung hieß es, dass das Ehepaar „Titelmusik berühmter Filme auf zwei Klavieren zaubern wird“. Die erste Hälfte des Abends glich aber eher einem Trauerspiel.

Zugegebenermaßen motiviert es Künstler nicht unbedingt, wenn nur 26 Zuhörer erscheinen, aber das darf auch nicht dazu führen, dass sie quasi teilnahmslos wie eine Spieluhr ihr Programm mechanisch runterrattern, ohne jegliche Dynamik oder gar Emotion. Aus den Filmen „Aladin“, „Arielle“ oder „Der König der Löwen“ stammten die durchweg eingängigen Melodien. Schade, dass so gar kein Funke übersprang.

Auch bei anderen Evergreens wie „Moon River“ oder „Hallelujah“ von Leonard Cohen war es nicht viel anders. Außerdem mischten sich für Profis viel zu viele falsche Töne dazwischen. Natürlich lag die Klangqualität zum Teil auch an den beiden E-Flügeln, die nur begrenzte Kapazitäten hatten.

Das Duo gab in einem Gespräch im Anschluss zu, dass es sich nicht gut an die Instrumente gewöhnen kann und es sich unwohl fühlt. Aber bitteschön: warum macht man dann sowas? Zum ersten Teil bleibt zu sagen, dass die Schuhe der hochschwangeren Melanie Peoski toll waren.

Wer allerdings bis nach der Pause durchgehalten hat, nicht wie unter anderem die anerkannte Sopranistin Daniela Stampa, die enttäuscht den Saal verließ, wurde redlich belohnt. Als hätten die beiden eine wundersame Wandlung erfahren, gelangen die Filmmusiken zu den James Bond Klassikern „Skyfall“ oder „Dr. No“ technisch versiert, präzise und voller Power. Endlich zeigten sie, was wirklich in ihnen steckt. Auch im „Fluch der Karibik“ hauchten sie den Abenteuern von Captain Jack Sparrow Leben ein. Die Fans von „Star Wars“ kamen mit einer fulminanten, tastenakrobatischen Darbietung auf ihre Kosten. Und in ihren Solo-Parts präsentierten sich die beiden als einfühlsame Künstler.

Mit ihrer temperamentvollen Zugabe, dem „Csárdás“ des italienischen Komponisten Vittorio Monti, überzeugten sie das spärlich erschienene Publikum vollends. Auf alle Fälle sollte das Pianisten-Paar sein Konzept noch mal überdenken. Mit solchen Abenden tut es sich keinen Gefallen.

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