Ein Besuch auf der Straßenbaustelle B 219 / Zwei Maßnahmen in Saerbeck schließen sich an
Die Wegbereiter

Saerbeck/greven -

Der Spiegel nennt sie „Staumacher“, in einem Automagazin heißen sie „Asphalt-Cowboys“, und irgendwo anders war, etwas abschätzig von „Pflasterflickern“ zu lesen. Vielleicht sind sie nichts von alledem oder von alledem ein bisschen: Straßenbauer, die nicht nur Straßen bauen, sondern, wie jetzt auf der B 219, ramponierte Straßen reparieren. Ihr Job ist überraschend anspruchsvoll, und deshalb braucht er Männer wie Ludger Langenberg von StraßenNRW, der darüber wacht, dass die Pläne, die er in einer dicken Mappe immer bei sich hat, auch genauso umgesetzt werden; immerhin verbaut der Bund hier 1,3 Millionen Euro.

Mittwoch, 27.09.2017, 22:14 Uhr aktualisiert: 27.09.2017, 22:20 Uhr
Das Asphaltlegen (oben links) ist eine heiße Sache: Thermolaster bringen das 170 Grad heiße Material direkt zur Baustelle. Ludger Langenberg (rechts) erklärt die Funktion des Kunststoff-Gitternetzes, das in die Straße eingebaut wird. Auch Alufolien liegen unter dem Asphalt; das lässt millimetergenaue Dickenmessungen zu. Rechts unten die Standorte der neuen Schilder.
Das Asphaltlegen (oben links) ist eine heiße Sache: Thermolaster bringen das 170 Grad heiße Material direkt zur Baustelle. Ludger Langenberg (rechts) erklärt die Funktion des Kunststoff-Gitternetzes, das in die Straße eingebaut wird. Auch Alufolien liegen unter dem Asphalt; das lässt millimetergenaue Dickenmessungen zu. Rechts unten die Standorte der neuen Schilder. Foto: Hans Lüttmann

Dafür frästen die Straßenbauer auf der 1,7-Kilometer-Strecke 30 000 Quadratmeter Straßendecke ab, zogen flächendeckend ein Spezialgitter ein, legen derzeit den Asphalt auf und ziehen schließlich eine Dünndecke darüber. „Das“, sagt Ludger Langenberg, „geht aber nur, wenn wir top trockenes Wetter haben.“ Aber auch jetzt sei schon abzusehen, dass die Arbeiten nicht in der geplanten Frist abgeschlossen sind: „Der 6. Oktober ist definitiv nicht zu halten.“ Allerletzter Termin wäre der 16. Oktober.

Danach schließen sich in Saerbeck zwei weitere Maßnahmen an: Die Rampe am Abzweig von der B 219 auf die Westladbergener Straße muss komplett erneuert werden, und auch der Kreisel am Kanal (wo es rechts zum FMO geht) hat eine dringende Reparatur nötig. Über den Grund dafür wundert sich der Laie: Schwerlaster; zwischen zwei und 30 Schwertransporte fahren hier jede Nacht durch. „Das hat mit Brückenbaustellen auf der Autobahn zu tun“, erklärt Ludger Langenberg, „und wird wohl noch zwei Jahre lang so bleiben.“ Dass die Laster viel kaputt machen: Die fahren über Bankette und Inseln, bengeln Straßenschilder um oder nehmen sie raus und lassen sie liegen; auch Absperrbaken werden kurzerhand beiseite-, aber nicht wieder zurückgeräumt. „Jeden Morgen das Gleiche“, seufzt Langenberg.

Zurück auf der B 219, wo auch drei Brücken und Teile des Radwegs saniert werden. Nachdem zwölf Tonnen schwere Walzen den frisch gelegten Asphalt verdichtet haben, wird nachgemessen, ob das Optimum auch erreicht wurde. „Unter 98 Prozent machen wir’s nicht“, sagt der Mann mit dem Isotop-Messgerät, dass absolut genaue Ergebnisse liefert.“

Ein paar Meter weiter runter sind zwei Männer mit einer anderen Messung beschäftigt: Auf dem Radweg prüfen sie, ob die Dicke des neuen Belags auch stimmt. Dazu wurden in bestimmten Abschnitten 70 Zentimeter lange Alustreifen unter die Decke gelegt, sodass jetzt mit einer Art Metalldetektor die genaue Schichtdicke gemessen werden kann.

Zum Schluss noch eine Frage, die sich etliche Autofahrer auch schon gestellt haben: Ist dieser Riesenaufwand überhaupt nötig? So kaputt war die Straße doch gar nicht. „Für den Laien vielleicht nicht so schnell zu erkennen“, erklärt Ludger Langenberg, „aber die Schäden, die wir ausgemacht haben, kamen größtenteils von unten, aus dem Keller sozusagen. Und es ist immer besser, vorzusorgen und rechtzeitig was zu machen. Dann haben wir für die nächsten zehn Jahre Ruhe.

Zeit wird es auch für die Straßenschilder, die nach über 30 Jahren verblasst und verwittert sind und ihren Dienst quittieren dürfen.

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