Untreue-Prozess gegen Ex-Raiffeisenchef
Dubiose Geschäfte mit Mais aus Brasilien landen vor Gericht

Saerbeck/Münster -

Das Material in den Aktenordnern am Richtertisch dokumentiert die Geldflüsse. Mit gesenktem Kopf sitzt der 56 Jahre alte Angeklagte aus Neuenkirchen im voll besetzten Gerichtssaal des Landgerichts neben seinem Verteidiger. Zum Auftakt des Prozesses hat der Staatsanwalt das Wort.

Dienstag, 21.11.2017, 08:30 Uhr
Untreue-Prozess gegen Ex-Raiffeisenchef: Dubiose Geschäfte mit Mais aus Brasilien landen vor Gericht
Das Geschäft mit brasilianischem Mais sollte hoch profitabel und ohne Risiko sein, doch der Mais wurde nie geliefert und es entstand ein Schaden in Millionenhöhe. Foto: Colourbox.de

Von Untreuehandlungen in 67 Fällen, bei Zufügung eines Vermögensnachteils größeren Ausmaßes und Betrug im Zusammenhang mit dem Ankauf von brasilianischem Mais, spricht der Ankläger. Davon, dass das einstige Vorstandsmitglied einer Genossenschaft aus Saerbeck, im Zuge von Vertrags- und Geschäftsabschlüssen zwischen November 2011 und 2013 in einer Vielzahl von Handlungen in Erwartung von Maislieferungen Zahlungen in Höhe von 567. 000 Euro auf das Konto seines Vertragspartners veranlasst habe.

Mais wurde nie geliefert

Die Geldzahlungen gingen zu Lasten des Kontos der Raiffeisengenossenschaft Saerbeck e.G. bei der Volksbank in Saerbeck. Die Maislieferung hingegen blieb wie in allen Fällen, aus. Um den finanziellen Schaden aus den fehlgeschlagenen Maislieferungen auszugleichen, soll der Angeklagte versucht haben, einen Direkthandel mit brasilianischen Maisproduzenten aufzubauen. 83. 000 Euro wurden überwiesen. Obwohl keine Aussicht auf konkrete Maislieferungen bestand, ein erneuter Vorstoß.

Um Gewinne für die Genossenschaft zu erzielen – so die Anklage – schloss der 56-Jährige mit zwei Unternehmen Verträge über den Weiterverkauf. Schadenersatzansprüchen von rund 900. 000 Euro sieht sich die Genossenschaft ausgesetzt. Zudem legt die Anklage dem 56-Jährigen zur Last, von Januar 2007 und Oktober 2012 Scheckgutschriften auf seinem Konto in Millionenhöhe verbucht zu haben. Die Transaktionen gingen zu Lasten der Genossenschaftsbank. Einen ersichtlichen Rechtsgrund soll es hierfür nicht gegeben haben.

Wenn die Vorwürfe stimmen, dann droht dem Angeklagten Ungemach. 

Angeklagter gesteht

Wie vom Verteidiger angekündigt, räumte der Angeklagte die Tatvorwürfe trotz einiger Erinnerungslücken im Sinne der Anklage ein. Irgendwie sei er seinen eigenen Weg gegangen. Zunächst auf Deutschlandebene. Dann europaweit. Alles habe er auf Gewinn ausweiten wollen. So nahm die Geschäftsidee Konturen an, als es zwischen dem Angeklagten und einem Geschäftskollegen über allgemeine Getreideprodukte aus Brasilien gekommen war. Das Geschäft mit Brasilien habe er nicht intern angesprochen. Beim zweiten Geschäft dann wohl, aber nicht in der Größenordnung. Wie der Angeklagte betonte, wollte er niemanden mit hineinreißen. „Die Entscheidung habe ich getroffen. Kein anderer.“

Der Stein war ins Rollen geraten, als Ende 2012 Anfang 2013, Unregelmäßigkeiten zutage traten. Es sei kein Geld mehr in der Kasse, berichtete ein Zeuge vor Gericht.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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