Glücksmomente
Sie bewegt Leib und Seele

Saerbeck -

Es bewegt sich etwas bei Josef Winnemöller. Erst im Inneren – und dann erhebt sich der Mann in seinem Zimmer im Seniorenzentrum am See aus dem Bett und möchte doch noch zu den anderen in die Wohnküche.

Mittwoch, 06.12.2017, 08:00 Uhr
Mit ihrem Akkordeon und mit ihrem Einfühlungsvermögen besucht Anne-Marie Grage im Seniorenzentrum am See bettlägerige Bewohner und versucht, „Glücksmomente“ zu schaffen, hier bei Josef Winnemöller mit (v.l.) Pflegekraft Ann-Kathrin Kliche, Silvia Aschemoor von den Sozialen Diensten und Bettina Rudolph von der Hausleitung.
Mit ihrem Akkordeon und mit ihrem Einfühlungsvermögen besucht Anne-Marie Grage im Seniorenzentrum am See bettlägerige Bewohner und versucht, „Glücksmomente“ zu schaffen, hier bei Josef Winnemöller mit (v.l.) Pflegekraft Ann-Kathrin Kliche, Silvia Aschemoor von den Sozialen Diensten und Bettina Rudolph von der Hausleitung. Foto: Alfred Riese

Anne-Marie Grage lässt zufrieden die Luft aus ihrem Akkordeon. Sie hatte Josef Winnemöller gerade einen Besuch abgestattet, mit ihrem Instrument, mit alten, wohlbekannten Liedern und vor allem mit ihrem spontanen Einfühlungsvermögen.

Anne-Marie Grage, Jahrgang 1963, war mal Chemielaborantin. Vor 20 Jahren schlug sie die gesicherte finanzielle Zukunft aus und einen anderen Weg ein, als sie entdeckte, „meine Berufung ist, Lebensfreude unter die Menschen zu bringen“. Sie machte aus sich eine freischaffende Künstlerin mit Akkordeon, wurde unter anderem Musikpädagogin, Trainerin für gewaltfreie Konfliktlösung, Coach und Klinikclownin. „Glücksmomente“ schaffen, hat sie sich zur Aufgabe gemacht.

„Ich erinnere die Menschen an die Lust am Leben und Lebendig-Sein“, dieser Satz von ihrer Homepage passt vielleicht am besten zu der neuen Herausforderung, der sich Anne-Marie Grage seit zweieinhalb Jahren stellt: Menschen in Altenheimen, teils bettlägrig und dement, nahe kommen, Kontakt aufzubauen, auch zu Sterbenden, mit Hilfe ihres Instruments.

Im Oktober, bei der Jubiläumsfeier des Seniorenzentrums, war die Frau mit dem Akkordeon schon einmal da, für die Bewohner, die nicht mitfeiern konnten. Nach dem zweiten Besuch in diesen Tagen möchte Bettina Rudolph, Leiterin der Sozialen Dienste, gerne eine regelmäßige Einrichtung daraus machen. „Das Akkordeon und Anne-Marie Grage helfen, wo andere, auch der soziale Dienst, nicht weiterkommenen“, sagt sie. Auch wenn manchmal nur mit leiser Begleitung der Vorname der Bewohnerin immer wieder gesungen wird und vermeintliche Kleinigkeiten die Wirkung sind. „Eine Demenz-Patientin öffnete bei der Musik die Augen, die Frau öffnete sich“, beschreibt Bettina Rudolph eine Szene. Auch Josef Winnemöller wirkte sichtlich berührt im „Glücksmoment“ mit der Akkordeonspielerin.

Solche „Glücksmomente“ sind allerdings in keinem Budget vorgesehen, stellt Bettina Rudolph fest. Im Seniorenzentrum werden sie finanziert vom Förderverein, unter anderem aus den erlösen der Wochenmarktstände mit selbst Gemachtem aus dem Haus am See.

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