Prozess
Unfallfahrer lässt Reife vermissen

Saerbeck -

Nach einem schweren Unfall im vergangenen Sommer, bei dem der 19-jährige Beifahrer starb, wurde der Fahrer nun vor dem Amtsgericht Ibbenbüren in den Anklagepunkten fahrlässige Tötung, Körperverletzung und Pkw-Führung unter Alkohol-Einfluss schuldig gesprochen und nach dem Jugendschutzgesetz bestraft.

Mittwoch, 17.01.2018, 11:01 Uhr aktualisiert: 17.01.2018, 17:02 Uhr

Es war die Nacht vom 14. auf den 15. Juni 2017, als sich um 0.12 Uhr der folgenschwere Unfall dreier Jugendlicher an der B 475 in Fahrtrichtung Ladbergen ereignete. Dabei wurde der 19-jährige Beifahrer des Peugeots tödlich verletzt, ein weiterer Insasse aus dem offenen Verdeck des Cabrios geschleudert. Er überlebte wie der 20-jährige Fahrer aus Saerbeck (diese Zeitung berichtete). Am Montag wurde nun der Hauptprozess am Amtsgericht Ibbenbüren verhandelt.

In den Anklagepunkten fahrlässige Tötung, Körperverletzung und Pkw-Führung unter Alkohol-Einfluss (Blutproben ergaben noch um 0.36 Uhr in der Unfallnacht einen Wert von 1,13 Promille) wurde der Fahrer schuldig gesprochen und nach dem Jugendschutzgesetz bestraft.

Bis dahin war in dem Prozess die bestimmende Frage: Wer war überhaupt Fahrer des Wagens? Denn der Angeklagte konnte sich nach eigenen Aussagen nicht mehr an die Fahrt erinnern. Ob er gefahren sei, wisse er nicht. Auch der Anlass der Fahrt war ihm schleierhaft. Im Laufe des Prozesses zeichnete sich aber ein deutliches Bild.

Und das sah so aus: Geplant war Camping im Grünen. Eine Gruppe junger Erwachsener hatte sich zum Zelten an der Ems verabredet. Mit allem, was dazu gehört: Musik, einem Grill und Alkohol. Nachdem Bier und Spirituosen aufgebraucht waren, wurde mit dem Auto Nachschub aus der Wohnung des Angeklagten geholt. Am Abend wurden noch weitere Fahrten unternommen – nun bereits unter Alkoholeinfluss. Das Unglück ereignete sich dann nach Mitternacht. Der Wagen, der dem überlebenden Mitfahrer gehört hatte, sei in einer leichten Rechtskurve von der Fahrbahn abgekommen. Der alkoholisierte Fahrer habe hektisch das Lenkrad umgerissen, dabei setzte er auf dem Grünstreifen auf. Laut zuständigem Sachverständiger brach dabei der Radträger ab, das Cabrio habe sich in der Folge überschlagen. Es gebe laut Sachverständigen keinen Hinweis für eine technische Unfallursache. Die genaue Geschwindigkeit sei schwierig zu bestimmen, aus Erfahrung sei sie aber nicht schneller als die zugelassenen 100 Stundenkilometer gewesen.

Nach Zeugenaussage habe der auf der Rückbank sitzende Insasse, der nicht angeschnallt war, versucht, sich an den Überrollbügeln festzuhalten. Dies klappte nicht, er wurde aus dem Auto geschleudert und kurz danach von ankommenden Autofahrern aufgefunden. Die Ersthelfer setzten den Notruf, kümmerten sich um die Verletzten. Der Beifahrer war zu diesem Zeitpunkt schon verstorben.

Da dieser bewiesenermaßen auf dem Beifahrer-Sitz saß und die dritte Person aufgrund seiner eigenen Aussage sowie Zeugenaussagen hinten gesessen haben muss, konnte der Angeklagte nur der Fahrer des Wagens gewesen sein.

Das Urteil: Der 20-jährige Saerbecker muss 120 Sozialstunden absolvieren, eine Jugendstrafe von neun Monaten ist auf zwei Jahre Bewährung ausgesetzt. Außerdem wird ihm die Fahrerlaubnis für ein Jahr und sechs Monate entzogen. Der Richter begründete, dass der Angeklagte ein Verhalten ohne erwachsene Reife an den Tag legen würde – er habe vor und während des Prozesses nicht gezeigt, dass er sich der Schwere und Schuld des Vergehens, die ihn „früher oder später unweigerlich einholen“ würde, wirklich bewusst sei. Aufgrund dessen wurde das Jugendstrafgesetz mit Blick auf den „Erziehungsgedanken und der weiteren Entwicklung“ angewendet. Der Anwalt des Fahrers begrüßte das Urteil.

Laut Richter sei es wichtig, dass die Tat in den folgenden beiden Jahren so gut es geht verarbeitet werde, der Angeklagte solle sich außerdem einer psychologischen Behandlung öffnen. Diese hatte er zuvor abgelehnt.

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