Partnerstadt Rietavas
Die europäische Idee fast greifbar

Rietavas/Saerbeck -

„Die Zahl der Saerbecker Litauen-Fans wird immer größer“, sagt der Vorsitzende des Partnerschaftsvereins, Bernd Schweighöfer. Er selbst gehört mit zwölf Besuchen zu den „Wiederholungstätern“.

Donnerstag, 22.02.2018, 11:30 Uhr
Der Festakt zum 100-jährigen Jubiläum der Unabhängigkeit.
Der Festakt zum 100-jährigen Jubiläum der Unabhängigkeit. Foto: privat

Aber in der 18-köpfigen Reisegruppe, die am Aschermittwoch in die litauische Hauptstadt Vilnius flog, waren auch elf Mitreisende, die die Saerbecker Partnerstadt Rietavas noch nicht kannten.

Die deutschen Besucher wurden von mehreren Familien in Rietavas aufgenommen. „Das fördert die Freundschaft und ist viel persönlicher als ein Hotel“, sagt Bernd Schweighöfer. Auch Bürgermeister Wilfried Roos schätzt die Gastfreundschaft der Litauer. Für ihn war es bereits der 25. Besuch in der litauischen Stadt.

Die zweite stellvertretende Bürgermeisterin Annegret Raffel (CDU) gehört zu den Neulingen. Sie bereiste zum ersten Mal das Baltikum. „Ich war überrascht von der Herzlichkeit, mit der wir in Litauen empfangen wurden“, sagt sie.

Der Freitag stand dann ganz im Zeichen des Nationalfeiertags. Am 16. Februar 1918 wurde die litauische Unabhängigkeit ausgerufen. Zum 100-jährigen Jubiläum übertrafen sich die Litauer selbst. „Alle Straßen waren in den Farben der Litauischen Trikolore geschmückt“, erzählt Annegret Raffel.

Nach dem offiziellen Empfang im Rathaus mit Vertretern der Partnerstädte Gulbene in Lettland und Ketrzyn in Polen zog man gemeinsam durch die Stadt. Den Höhepunkt bildete die Enthüllung einer Gedenktafel für die sechs Mitbegründer von 1918 aus Rietavas.

Der denkwürdigste Moment war die bewegende Rede des Saerbecker Bürgermeisters Wilfried Roos beim Festakt, in der er sich stellvertretend für die Verbrechen der Deutschen im Zweiten Weltkrieg entschuldigte, erinnert sich Annegret Raffel. „Auf einmal wurde es ganz still im Saal“, berichtet sie. Nach einer kurzen Schrecksekunde löste sich die Situation. Die Litauer applaudierten, froh über diese aufrichtige Entschuldigung eines deutschen Bürgermeisters. „Ich hatte Tränen in den Augen“, sagt Annegret Raffel. „In diesem Moment war die europäische Idee vom freundschaftlichen Miteinander der Nationen fast greifbar.“

Die Party danach hat dann bis spät in die Nacht gedauert, erzählt Bernd Schweighöfer. „Die Litauer wissen eben, wie man feiert.“

Bürgermeister und Litauen-Kenner Wilfried Roos freut sich über die enorme Entwicklung des Landes. „Diese Menschen können wirklich stolz auf sich sein“, sagt er.

Auch Annegret Raffel ist von ihrer ersten Reise nach Litauen begeistert. „Überall wurden wir mit einer tief empfundenen Freundlichkeit begrüßt, und ich hatte den Eindruck, dass diese Menschen wirklich etwas bewegen wollen“, sagt Annegret Raffel. 

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