Mi., 16.05.2018

Rentenseminar für Senioren beim Kolping-Bildungswerk Bösen Überraschungen vorbeugen

Renten-Referentin Roswitha Floer zeigt die Daumenregel: Ab 18 000 Euro Rente jährlich sollte man eine mögliche Steuerpflicht im Auge behalten, rät sie. Rechts die Praktikantin Malin Esmyol.

Renten-Referentin Roswitha Floer zeigt die Daumenregel: Ab 18 000 Euro Rente jährlich sollte man eine mögliche Steuerpflicht im Auge behalten, rät sie. Rechts die Praktikantin Malin Esmyol. Foto: Alfred Riese

Saerbeck - 

Da scheint das Kolpingbildungswerk (KBS) Saerbeck einen Nerv getroffen zu haben.

Von Alfred Riese

Selten war ein Infoangebot so schnell ausgebucht wie das mit dem Titel „Hilfe, ich bin Rentner – muss ich jetzt Steuern zahlen“, berichtete Klara Leiting, pädagogische Mitarbeiterin des KBS. Man hängte die gleiche Veranstaltung am selben Abend noch ein zweites Mal dran. Aber auch bei dann insgesamt 40 Plätzen gingen weiter Anfragen nach einer Wiederholung ein. Rente und Steuern: Offensichtlich ein Volltreffer mitten in den Bedarf, das zeigte sich auch an der Vielzahl der Fragen, die an diesem Abend an Roswitha Floer gingen.

Die Beratungsstellenleiterin des Lohnsteuerhilfevereins Greven/Nordwalde hatte für alle, die sich im Ruhestand Sorgen machen wegen des Finanzamts, eine Daumenregel parat: Ab 1500 Euro Einkünften im Monat muss man aufpassen. In Wirklichkeit ist die Sache natürlich komplizierter. Wie viel von der gesetzlichen Rente steuerpflichtig ist, hängt nämlich vom Geburtsjahrgang und damit dem Datum des Rentenbeginns ab. Jahr für Jahr steigt der Anteil am Einkommen, auf den der Fiskus ein Auge wirft. Für einen allein lebenden Neurentner Anfang 2017 sind es 74 Prozent erklärte Roswitha Floer. Davon die Sozialabgaben und Sonderausgaben abziehen, das macht beim Neurentner 11220 Euro zu versteuern und 431 Euro Steuern. Der ältere Kollege, der 2005 in Rente ging, muss nur 50 Prozent seiner Rente versteuern und kommt da noch auf eine null.

Und die Steuerexpertin kommt zu diesem Ratschlag: „Wenn sie alleine leben und über 18 000 Euro im Jahr haben, sollten sie an eine Steuererklärung denken.“ Das solle man nicht auf die leichte Schulter nehmen, erklärte Roswitha Floer und berichtete von mehreren tausend Euro Nachzahlung für einige Jahre zurück. „Da ist das Finanzamt nicht lustig“, meinte sie. Auf die Feststellung eines Teilnehmers „bei mir hat sich das Finanzamt noch nicht gemeldet“ riet sie zur Vorsicht: „Sie selbst sind dafür verantwortlich, dass sie eine Steuererklärung machen.“

Seitdem „das System auf links gedreht“ wurde, unter anderem mit dem ansteigenden steuerpflichtigen Rentenanteil, gebe es weitere Fallstricke, mahnte die Expertin: voll zu versteuernde Betriebsrenten, wegfallende Freibeträge durch verstorbene Ehepartner, Rentenerhöhungen, die Freigrenzen reißen. Selbst rechnen oder rechnen lassen, dazu riet Roswitha Floer immer wieder, damit keine bösen Überraschungen kommen.



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