Besuch in der Gedenkstätte Auschwitz
Schüler blicken in den Abgrund

Saerbeck -

Sich als Deutscher ohne Schuldgefühle mit der Geschichte des Nationalsozialismus auseinandersetzen, ist das möglich? Schülerinnen und Schüler der Q1 (Jahrgang zwölf) der Maximilian-Kolbe Gesamtschule (MKG) stellten sich diese Frage.

Dienstag, 19.06.2018, 12:00 Uhr
Die Zwölftklässler der MKG mit der Zeitzeugin Lidia Maksymowicz, die 1943 als dreijähriges Mädchen mit ihrer Familie nach Auschwitz-Birkenau deportiert wurde.
Die Zwölftklässler der MKG mit der Zeitzeugin Lidia Maksymowicz, die 1943 als dreijähriges Mädchen mit ihrer Familie nach Auschwitz-Birkenau deportiert wurde. Foto: MKG

Unter Anleitung zweier Teamer des Vlothoer Vereins „Stätte der Begegnung“ machten sich rund 30 Schülerinnen und Schüler in Begleitung zweier Lehrkräfte auf den Weg nach Oświęcim. Die polnische Stadt mit rund 40 000 Einwohnern befand sich zur Zeit des Nationalsozialismus unter deutscher Besetzung, während der sie den Namen „Auschwitz“ trug. Den Schülern wurde vor Ort sowohl der Ortskern des einladenden Oświęcims gezeigt wie auch die Gedenkstätte Auschwitz, die aus dem Konzentrations- und Arbeitslager Auschwitz I sowie dem Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau besteht.

Hier stellte sich die Gruppe den Verbrechen des Nazi-Regimes und bekam einen erschreckenden Einblick in die industrialisierte Massentötung und die Misshandlungen an Menschen verschiedener ethnischer Gruppen. Hierzu zählten vor allem Juden sowie Sinti und Roma wie auch Homosexuelle, Behinderte und Widerständler jeglicher Art.

Als besonders eindrucksvoll empfand die Gruppe die in der Gedenkstätte Auschwitz ausgestellten Exponate, die die Masse der Getöteten verdeutlichten, zum Beispiel Tonnen mit abgeschnittenem Haar sowie Kleidung, Schuhe und Wertgegenstände der Opfer.

Emotional sehr bewegend waren die Momente, in denen der Gruppe durch ausgestellte Familienbilder oder Briefe bewusst wurde, dass hinter jeder Nummer, die ein Häftling in Auschwitz bekam, ein Einzelschicksal von einem individuellen Menschen steht.

Ein sehr wichtiger Moment war das in einem jüdischen Museum stattfindende Zeitzeugengespräch mit Lidia Maksymowicz, die 1943 als dreijähriges Mädchen gemeinsam mit ihrer Familie nach Auschwitz-Birkenau deportiert wurde, wo sie 1945 durch die Rote Armee befreit und von einer polnischen Familie adoptiert wurde. Zum Abschluss ihres Berichts appellierte sie, dass die Geschichte sich nicht durch Unwissenheit wiederholen dürfe.

Nach der fünftägigen Exkursion sind die Schüler sich einig, dass die Konfrontation mit der deutschen Geschichte notwendig ist, um das Ausmaß dessen verstehen zu können, was den Menschen und Familien angetan wurde – denn „wer sich nicht an die Vergangenheit erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen“ (George Santayana).

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Die Autorinnen sind Schülerinnen der MKG

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