Do., 12.07.2018

Drei 18-Jährige als neue Wachhabende am Badesee Die Anrede „Bademeister“ ist okay

Die drei neuen Wachhabenden am Badesee (von rechts), Franziska und Fabian Schulte sowie Leon Schütz, mit Helmut Wilken, Ressortleiter Wasserrettung beim Münsteraner Verein Wasser+Freizeit.

Die drei neuen Wachhabenden am Badesee (von rechts), Franziska und Fabian Schulte sowie Leon Schütz, mit Helmut Wilken, Ressortleiter Wasserrettung beim Münsteraner Verein Wasser+Freizeit. Foto: Alfred Riese

Saerbeck - 

„Luft 16 Grad, Wasser 23 Grad“, meldete die Infotafel am Badesee für den Mittwochmorgen – und „Wachleiter Fabian“. Für ihn, Fabian Schulte, seine Zwillingsschwester Franziska und Leon Schütz ist es die erste Wochenschicht als Schwimmaufsicht im Saerbecks Naturfreibad.

Von Alfred Riese

In dem Trio von 18-Jährigen ist Fabian Schulte offiziell als „Wachhabender“ der Chef, seine Kollegen sind die „Wachgänger“. Aber „Bademeister“ ist als Anrede für alle in den roten T-Shirts des Münsteraner Vereins Wasser+Freizeit (W+F) völlig okay, finden sie.

Qualifiziert sind die drei – wie jeder ehrenamtliche Wachhabende von W+F – durch den Rettungsschwimmer-Schein in Silber. Den haben die seit Jahren bei Wasser+Freizeit aktiven Mitglieder schon etwas länger in der Tasche. Sie waren Leistungsschwimmer oder geben Schwimmunterricht. Weil sie nun volljährig sind, die Abi-Prüfungen geschafft haben und erst einmal Zeit ist, „haben wir die Gelegenheit beim Schopf ergriffen und machen seit Freitag die Aufsicht hier“, erzählt Leon Schütz. Wie die 14 weiteren Rettungsschwimmer von Wasser+Freizeit verbringen sie ehrenamtlich eine Woche der Saison im Haus am Badesee, ein bisschen Urlaub ist es auch.

Wie Retten funktioniert, wissen die Drei in Theorie und Praxis. Schwimmen in Kleidung oder schnell über längere Strecken, 25 Meter Tauchen das Befreien aus Klammergriffen Ertrinkender und anders herum Fesselgriffe zum Abtransport an sichere Ufer gehören dazu, genauso Erste Hilfe. Größer und schwerer dürften Rettungsbedürftige ruhig sein, sagt Franziska Schulte. Im Wasser sei das wegen des Auftriebs kein Problem.

Auch an Land hatten die Drei noch keine Probleme, etwa durch mangelnden Respekts wegen ihres Alters. „Das rote T-Shirts reicht für die Autorität“, sagt Leon Schütz. Mit dem Hausrecht rausschmeißen mussten sie noch niemanden und hoffen auch, dass das so bleibt. Allerdings unterscheidet Franziska Schulte bei Sicherheitshinweisen mittlerweile zwei Typen von Eltern: die Einsichtigen, die mit ihrem kleinen Kind den Schwimmerbereich verlassen, und die Diskutierer. Das liege aber wohl nicht an ihrem Alter, sondern eher an den angesprochenen Personen.

Zum Anfang ihrer Wochenschicht wurden die Drei gleich ins kalte Wasser geworfen: heiß, trocken – ab ins Wasser, dachten sich allein am Sonntag an die 800 Badeseegäste. Das Schlimmste, womit das Wach-Trio konfrontiert war: eine Schnittwunde von einer Muschel und eine Triathletin weiter draußen im See, die vom Boot aus vor einem Gewitter gewarnt werden musste. Wenn es wie derzeit kühl und feucht ist, schlagen die Drei die Zeit tot. Unterm Strich steht für sie gegen Ende ihrer ersten eigenverantwortlichen Wache am Badesee fest: „Das machen wir gerne wieder.“

Das hört Helmut Wilken, Ressortleiter Wasserrettung bei Wasser+Freizeit, gerne. Er ist mit 71 Jahren deutlich älter als die drei Neuen zusammen. Und er ist „sehr froh, dass junge Leute dazu kommen“. Der jährliche Test für Wachhabende ist übrigens für jedes Lebensalter gleich: die Prüfungen für den Rettungsschwimmer in Silber.



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