Do., 19.07.2018

Energiestammtisch unterwegs: Ausgleichsflächen des Bürgerwindparks Sinningen Gut für Rohrweihe, Kiebitz und Co.

Was die Betreiber des Bürgerwindparks Sinningen für den ökologischen Ausgleich tun, erläuterte Dieter Ruhe, Geschäftsführer der Windpool GmbH, Teilnehmern des Energiestammtischs vor Ort.

Was die Betreiber des Bürgerwindparks Sinningen für den ökologischen Ausgleich tun, erläuterte Dieter Ruhe, Geschäftsführer der Windpool GmbH, Teilnehmern des Energiestammtischs vor Ort. Foto: Alfred Riese

Saerbeck - 

Mehr als 20 kohlendioxidneutrale Kilometer im Fahrradsattel leisteten die Teilnehmer des Energiestammtischs der Klimakommune Saerbeck am Dienstag, um sich über den Bürgerwindpark in Sinningen und besonders die Ausgleichsflächen dafür zu informieren.

Von Alfred Riese

„Wenn am Ende ein Kompromiss herauskommt, bei dem keine Seite aufgeben muss, ist es ein erfolgreicher Ausgleich“, setzte Dieter Ruhe, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Windpool Sinningen, einen Schlussstrich unter die Streitigkeiten mit Umweltschützern um die Genehmigung des Großprojekts im Jahr 2017.

Herausgekommen ist unter anderem eine 1,5 Hektar große Blänke in den Emsauen, die zuvor ein Acker war. Wasserfläche, Schilf, eine spezielle Wiesensamenmischung und nur ein bis zwei mal Mähen im Jahr sollen einen Ersatzlebensraum für die Rohrweihe entstehen lassen. Gut zehn Kilometer brauchten die Energiestammtisch-Radler bis dorthin.

Kürzer war der weitere Weg den Schuldamm entlang bis zum Windpark. Östlich davor erstrecken sich 40 weitere Hektar mit Ausgleichsmaßnahmen. Auf 15 Hektar davon wurde Acker in extensiv bewirtschaftetes Grünland umgewandelt, auf dem ein Magerrasen entsteht. Eine 5000 Quadratmeter große Blänke liegt mittendrin. Die restliche Fläche wird so bewirtschaftet, dass Vögel während der Rastzeit möglichst wenig gestört werden. Im Blick sind dabei besonders der Große Brachvogel, der Kiebitz und die Feldlerche. Darüber hinaus werden in einem insgesamt 245 Hektar großen Gebiet Nistschutzzonen dort eingerichtet, wo der Große Brachvogel und der Kiebitz zur Brut schreiten. Diese Flächen radelte der Energiestammtisch allerdings nicht ab.

Das Konzept ist das Ergebnis eines außergerichtlichen Vergleichs zwischen dem Naturschutzbund (Nabu) und den Bauherren des Windparks, nachdem der Nabu Anfang 2017 gerichtlich gegen die Baugenehmigung vorgegangen war.

Nach den Ausgleichsflächen nahmen die Energiestammtisch-Radler den Grund dafür in Augenschein: den Bürgerwindpark Sinningen mit seinen sechs Windkraftanlagen, jede mit rund 150 Metern Nabenhöhe und 115 Metern Rotordurchmesser. Die Enercon-Anlagen stehen in einem Riegel mit dem Windpark auf Emsdettener Seite und in Sichtweite sowohl der Windräder im Bioenergiepark und des gerade entstehenden Windparks in Hörstel. Enercon-Bauleiter Mehmet Parlak bemühte sich, jede der vielen Fragen zur Technik zu beantworten und öffnete auch an einer Anlage die Tür zum Inneren: Faszination Hightech im großen Maßstab. Dieter Ruhe bezifferte das Investitionsvolumen auf rund fünf Millionen Euro je Anlage. Die Modelle würden besonders bei schwachem Wind eine bis zu doppelt so große Leistung liefern als die älteren Versionen im Bioenergiepark. „Gut für die Energiewende“, fand er.



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