Mi., 25.07.2018

Künstler Jörg Madlener weilt derzeit in Saerbeck Die rettende Kraft der Bilder

Jörg Madlener fühlt sich in der Natur am wohlsten. Gerne nimmt er sein Skizzenbuch mit.

Jörg Madlener fühlt sich in der Natur am wohlsten. Gerne nimmt er sein Skizzenbuch mit. Foto: Tünde Kalotaszegi-Linnemann

Saerbeck - 

Was macht ein assyrischer Löwe in Saerbeck? Zunächst einmal gar nichts. Es sei denn, er ist nicht ganz freiwillig in das Gepäck eines Besuchers geraten.

Von Tünde Kalotaszegi-Linnemann

Die Rede ist von Jörg Madlener, der eigentlich mit seiner Familie in New York, besser gesagt in Hoboken lebt und hier einige Wochen verbringt, um die hiesige Umgebung inmitten der Natur und die Pferde zu genießen. Als renommierter Maler und Bühnenbildner möchte er aber auch den Interessierten einen kleinen Einblick in seine Kunst präsentieren, in Form eines Vortrags am Donnerstag, 26. Juli, um 20 Uhr im Bürgerhaus (diese Zeitung berichtete).

Beim assyrischen Löwen (645 vor Christus) handelt es sich um ein außergewöhnliches Relief des sterbenden Löwen aus dem Palast in Niniveh, das Madlener vor acht Jahren in einer Ausstellung in Abu Dhabi sah. In der damaligen Zeit musste König Ashurbanipal jedes Jahr einen Löwen im Zweikampf erlegen, um seine Macht zu bestätigen. „Dieses Thema ist in der Kunst tabu. Man zeigt den Tod, aber nicht das Sterben. Agonie wird nicht ge-zeigt“, erklärt Madlener im Gespräch und kräuselt nachdenklich seine Stirn. Ihn interessiert der Moment des Hinübergleitens von einer Welt in die andere, quasi als Tür, die durchschritten werden muss.

Auf die Frage warum das so sei, weiß er schnell eine Antwort: „Wir Menschen haben mehr Angst vor dem Sterben als vor dem Tod. Ich nicht, ich habe meine Rettung, das nächste Bild.“ Worte, die charakteristisch sind für seine Haltung und mitunter erklären, warum er von einem Thema nicht nur ein Bild sondern, wie er sagt, immer so ungefähr fünfzig malt.

Kein Wunder also, dass er Hunderte von Kunstwerken geschaffen hat, die in vielen Teilen der Welt ausgestellt worden sind, unter anderem in New York, Luxemburg, Brüssel, Buenos Aires und Abu Dhabi. Die Liste ließe sich um viele Orte verlängern. Auch war er auf der Biennale in Venedig, in Sao Paolo, im Centre Pompidou in Paris und im Guggenheim in New York präsent.

Er ist aber nicht nur Maler, vielmehr ist er ein Denker, Philosoph, der die humanistische Bildung in sich aufgesogen hat, und ein äußerst kritischer Mensch, vor allem wenn es um Unterdrückung, Krieg und Ausbeutung geht. Seine größten Feinde sind beispielsweise Imperialismus und Kolonialismus. Das liegt sicher teilweise daran, dass er einige Jahre bei Theodor Adorno studiert hat, nicht ohne ihn gleichermaßen kritisch zu reflektieren. Auch sonst liegt ihm die dialektische Denkweise im Blut. Die Musik hat es ihm ebenfalls angetan. Insbesondere liebt und verehrt er Gustav Mahler. Nicht umsonst hat er zahlreiche Porträts von ihm angefertigt. Herausragend ist sein Zyklus „Das Lied von der Erde“ (1980 – 1985).

B leibt die Frage offen, wieso hält ein Künstler, der unter anderem Wohnsitze in Brüssel, Abu Dhabi und New York hatte, seinen Vortrag ausgerechnet in Saerbeck? Seine Affinität für das Münsterland ist durch seine Schwester entstanden, die er häufig in Tecklenburg besucht hat. Das ging sogar soweit, dass er 2013 mit Frau und Kind einige Zeit dort gelebt hat. Allerdings fand seine Gattin als Architektin, spezialisiert auf Hochhäuser, nicht die passende Arbeit, also ging es zurück ins Bauernhaus nach Hoboken, New York. Nun macht seine Tochter Alma – Gustav Mahler lässt grüßen – ein Praktikum in Ladbergen. Und: „Ich nenne es das Saerbecker Wunder, den Bio-Energiepark. Ich finde es großartig, was die Gemeinde unter Beteiligung der Einwohner hier leistet. Wenn wir die Erde nicht weiter zu unserem Mülleimer machen wollen, ist das der beste Weg“, schwärmt Jörg Madlener. Eine schönere Liebeserklärung kann es kaum geben.

Zum Thema

Für alle Kunstinteressierte öffnet Jörg Madlener seine Lagerräume in Form von einer Werkschau am 27., 28. und 29. Juli sowie am 3., 4. und 5. August jeweils von 10 bis 18 Uhr. Firma Altevogt, Hollenbergsweg 12, Lengerich



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