Fr., 27.07.2018

Ernte vor 60 Jahren und heute Faszinierende Gegenüberstellung

Vor 60 Jahren brauchte es für den gleichen Hektar an der Sinninger Mühle einen ganzen Tag, bis die Stiegen auf dem Feld standen. Das Foto zeigt Herbert, Johannes und Heinz Eilers (von links) mit einem Hanomag R12 mit Selbstbinder.

Vor 60 Jahren brauchte es für den gleichen Hektar an der Sinninger Mühle einen ganzen Tag, bis die Stiegen auf dem Feld standen. Das Foto zeigt Herbert, Johannes und Heinz Eilers (von links) mit einem Hanomag R12 mit Selbstbinder. Foto: Möller

Saerbeck - 

Ein Zufall ist es nur, aber er zeigt eine interessante und bemerkenswerte Gegenüberstellung von alt und neu in der Landwirtschaft.

Von Alfred Riese

Das recht aktuelle Foto von Claudia Puckert stammt aus einer Bilderschau zu einer Veranstaltung der Saerbecker Landwirteschaft und zeigt einen modernen Mähdrescher bei der Arbeit vor der Sinninger Mühle. Als Heinz Eilers (71 Jahre) es sah, machte es in seinem Kopf Klick. Über dem Sofa in seiner Wohnung in Emsdetten hängt ein gerahmtes Schwarz-Weiß-Foto, das eine ähnliche Szene zeigt: Getreideernte mit der Sinninger Mühle im Hintergrund. Aber ansonsten ist auf dem Bild aus dem Jahr 1958 alles anders.

Heinz Eilers – selbst kein Bauer gewesen, aber vom Hof – ist auf dieser Aufnahme aus einer anderen Zeit selbst abgebildet. Er kann sich noch erinnern, wie der Fotograf Möller aufs Feld kam mit seiner Kamera, rief „Haltet ein!“ und dann sein Motiv etwas umstellte, damit der Schatten des Mähbalkens nicht mehr störte. Im Hintergrund ragt die Mühle noch an ihrem alten Standort mitten auf dem Hof empor, etwas nördlicher als jetzt. Am Steuer des Treckers sitzt Heinz´ älterer Bruder Herbert, damals elf Jahre alt. In der Mitte legt der Vater Johannes Eilers das Getreide ab. Die Garben zieht rechts der junge Heinz Eilers ab.

Weil er die Gegenüberstellung so faszinierend findet, hat Heinz Eilers recherchiert: Ernte damals und heute. Vor 60 Jahren fuhr auf dem Feld an der Mühle ein Hanomag R12 (12 PS). Der angehängte Selbstbinder stammte von McCormik und hatte eine Schnittbreite von 1,3 Metern. Die Kraftübertragung geschah über ein Laufrad am Binder. Ernten bedeutete fünf bis sechs Arbeitsgänge. Beim Mähen lieferte der Selbstbinder Garben, die die Frauen in Handarbeit zu Stiegen aufstellten und bündelten. Handarbeit war auch das Aufladen der Stiegen auf Reng­sterwagen. Die Fahrt von Stiege zu Stiege würde heute unter Kinderarbeit laufen. Ungedroschen wurde das Korn, wieder von Hand, in der Scheue abgeladen und gelagert, um später mit der Forke in den Drescher befördert zu werden. Das Korn abfüllen und einlagern, wie auch das Stroh, war der letzte Schritt. Auf etwa drei Arbeitskräfte für jeden einzelnen Schritt kommt Heinz Eilers, insgesamt knapp 18 Paar Hände.

Mit weniger als einem Drittel Menschen geht es heute. Für den Mähdrescher auf dem aktuellen Foto hat Heinz Eilers die Daten eines modernen Claas Lexion 740 herausgesucht. Der schafft mit seiner Schnittbreite zwischen sechs und 7,5 Metern rund 1,5 Hektar in der Stunde inklusive Dreschen und Ballen binden. Im Führerhaus sitzt ein Fahrer, darüber hinaus braucht es zwei Trecker mit Fahrern zum Abtanken des Getreides und auf dem Hof eine Person, um das Silo zu befüllen. Auch das Einbringen der Strohballen erledigt im Zweifelsfall einer alleine. Vor 60 Jahren brauchte es allein für einen Hektar einen ganzen Tag, bis auch nur die Stiegen standen.



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