Mo., 06.08.2018

Künstler Jörg Madlener über die Malerei Mehr Gespräch als Vortrag

Intim war die Atmosphäre zwischen Jörg Madlener und dem Publikum.

Intim war die Atmosphäre zwischen Jörg Madlener und dem Publikum. Foto: Tünde Kalotaszegi-Linnemann

Saerbeck - 

Tod, Sterben, Vergänglichkeit waren ebenso zentrale Themen im Bürgerhaus, wie Gedanken zur Malerei vom technischen sowie auch vom philosophisch-existenziellen Aspekt reflektiert.

Von Tünde Kalotaszegi-Linnemann

Dort hielt am Donnerstagabend der international renommierte Künstler Jörg Madlener (diese Zeitung berichtete) einen Vortrag über das Relief des assyrischen Löwen von Niniveh (645 vor Christus), das ihn zu rund 55 Zeichnungen und Bildern inspirierte.

Leider war das Auditorium mit etwa einem guten Dutzend Zuhörern mehr als übersichtlich, obwohl es in Saerbeck eine beachtliche Kunstszene gibt. Vielleicht lag es einfach an der großen Hitze und Urlaubszeit, dass so viele Plätze leer blieben. Dadurch entstand quasi indirekt eine persönliche, fast schon intime Atmosphäre im Saal. So wurde aus dem Vortrag ein Gespräch im kleinen Kreis.

Vordergründig ging es um das in Abu Dhabi, von dem Britischen Museum ausgestellten Relief des sterbenden Löwen, den König Ashurbanipal jährlich erlegen musste, um seine Macht zu sichern. Da der Akt des Sterbens in der Kunst tabu war, nur Tote, wie der gekreuzigte Jesus gezeigt wurden, die mitunter auch schön anzusehen waren, interessierte dies Madlener umso mehr. Nach Kant impliziert das Sublime, also die Kunst auch das Negative. Hegel geht sogar weiter und konstatiert, dass das Negative des Todes den Menschen erst zu geistigen Wesen macht.

Ausgehend von seinen Löwen-Bildern nahm er das Publikum an die Hand und brachte ihm per Power-Point-Präsentation, in der er noch viele andere seiner Werke zeigte (etwa Pferde-Zeichnungen, Toter Syrer, Sandstorm etc.), seine Art des Arbeitens und seine Gedanken zur Malerei nahe. Zugegebenermaßen unter-nahm er zahlreiche Exkursionen ins Philosophische, die aber fester Bestandteil seiner Kunst sind. Schließlich ist er ein denkender Maler.

„Meine Löwen sind eine Interpretation der Interpretation“, erläuterte er tiefgründig. Da nach jeder Minute der Blick auf das Objekt ein anderer ist, sind seine Löwen sehr verschieden. Mal ist ein ganzes Tier zu sehen, mal nur ein Ausschnitt beispielsweise das Maul, mal dominiert schwarz oder gelb oder blau, mal verschwimmt das Figurative mit dem Abstrakten. „Ein Bild kann figurativ anfangen uns abstrakt werden oder umgekehrt. Die Steigerung ist wichtig, die im Leeren, bedeutend in der chinesischen Malerei, gipfeln kann,“ erklärte Madlener. Dabei ist das Spiel zwischen leicht und schwer, voll und leer von Bedeutung.

Er demonstrierte ein liegendes Dreieck, wobei die breite Seite das Volle, das Reale und die Spitze das Leere, das Abstrakte darstellt. Dieses Spiel ist auch gut in seinen Bildern zu erkennen. Seine Löwen durchschreiten viele Stufen bis hin zu einem Farbklumpen, der nur noch reine Agonie symbolisieren soll. Auch die Frage nach dem „Unfertigen“, wann ist der Maler mit einem Bild fertig, wurde thematisiert. „Man kann ein Bild auch solange fertig machen, bis es so kaputt ist, dass auf den Trümmern erst ein Neuanfang entstehen kann“, so Madlener.

Auf die Frage, wann das letzte Werk eines Malers beendet ist, hat er für sich auch eine passende Antwort: „Mein letztes Bild ist das, was ich noch nicht gemalt habe“. Da bleibt zu hoffen, dass noch viele Bilder folgen werden. Vielleicht präsentiert er diese schon demnächst in seiner Ausstellung hier vor Ort, die er bereits akribisch plant.



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