Do., 16.08.2018

Junge Saerbeckerin in Malawi – eines der ärmsten Länder der Welt Laut, bunt und erfinderisch

In Malawi sind große Märkte an der Tagesordnung. Auf ihnen finden die Malawier alles – von Lebensmitteln bis hin zu bunten Stoffen. Die Marktstände sind in der Regel eher einfach gehalten. Das kleine Bild zeigt die Saerbeckerin Johanna Entrup.

In Malawi sind große Märkte an der Tagesordnung. Auf ihnen finden die Malawier alles – von Lebensmitteln bis hin zu bunten Stoffen. Die Marktstände sind in der Regel eher einfach gehalten. Das kleine Bild zeigt die Saerbeckerin Johanna Entrup. Foto: privat

Saerbeck - 

Mit diesen drei Worten beschreibt die Saerbeckerin Johanna Entrup ihre Heimat des vergangen Jahres: „laut, bunt und erfinderisch“. Die Rede ist von Malawi, einem kleinen Land im Osten Afrikas.

Von Stefanie Behring

Mit seinen 19 Millionen Einwohnern auf einer Fläche von rund 120 000 Quadratkilometern ist das Land nur wenig bekannt. Die Republik liegt zwischen Sambia, Mosambik und Tansania und ist geprägt von großer Armut.

Wie diese Zeitung bereits berichtete, verbrachte Johanna Entrup ein Jahr lang in diesem Land, morgen kehrt sie zurück nach Saerbeck. Mit dem Projekt „weltwärts“ unterstützte sie vor Ort den Aufbau einer Kolpingfamilie und unterrichtete in einer Schule. Während ihrer Zeit dort, wurde der angehenden Studentin klar, welche Vorurteile viele Deutsche noch mit Afrika verbinden. In ihrem Blog stellt sie klar: „Malawi ist zwar eines der ärmsten Länder der Welt, doch die Menschen hier haben auch Internet und sehen, wie das Leben in Europa stattfindet. Sie kennen die Trends und möchten dieses Leben teilen, sie möchten nur selten mit ihren im Busch sitzenden, bemalten Vorfahren identifiziert werden. Auch hier findet das 21. Jahrhundert statt. Es gibt Supermärkte, Autos, Kühlschränke und Flachbildschirme – nur halt nicht so oft wie in Deutschland und auch nur in den Städten.“

Besonders die Tatsache, dass es derartige Dinge dort nur selten gibt, mache die Menschen in Malawi sehr erfinderisch. Tiere, die ohne irgendwelche Körbe auf Fahrrädern transportiert werden, sind ebenso häufig wie auf Rädern gestapelte Utensilien. „Kinder spielen mit Dingen, die sie irgendwo finden“, erklärt Johanna Entrup. Sie habe schon mehrere Kinder gesehen, die sich Autos aus Draht gebastelt haben. Diese werden dann mit einem Stock vor sich hergeschoben, und Wettbewerbe, wer am schnellten ist oder am professionellsten in eine Parklücke fahren kann, können beginnen. Ein weiterer Beleg für Kreativität: Schuhcreme als Ersatz für Haarfärbemittel bei den ersten Anzeichen von grauen Haaren.

Auch die Natur sei dort eine ganz andere. Johanna Entrup beschreibt sie als sehr bunt – von wunderschönen Sonnenuntergängen über lila blühende Bäume bis hin zu glitzernden Steinen am Boden geprägt. Die Kleidung der Malawier sei ebenfalls in der Regel sehr farbenfroh. Auf jedem Stoffmarkt finden sich die unterschiedlichsten Farben und Muster wieder.

Laut sei es in Malawi vor allem aufgrund der Musik. Auf dem Markt verfügt fast jeder Stand über eine Musikbox und lässt daraus laute Lieder erklingen. Diese werden zum Teil unterbrochen von den vielen hupenden Autos. Die Freiwillige lacht: „Es scheint, als würden die Autofahrer bei jeder Gelegenheit, die es gibt, hupen – auch ohne Grund.“ Die Infrastruktur, wie wir sie hier kennen, gebe es in dem ostafrikanischen Land nicht.

Selbstverständlich unterscheiden sich auch viele weitere Facetten des alltäglichen Lebens in Malawi von dem hier in Deutschland. Allein die Tatsache, dass eine Frau in Malawi im Durchschnitt 5,6 Kinder hat (zum Vergleich: In Deutschland liegt der Durchschnitt bei 1,3) und Großfamilien mit mehreren Generationen „ganz normal“ sind. Generell haben Frauen eine sehr wichtige Rolle in Afrika – sie sind für die Versorgung und Erziehung der Kinder und auch für den Haushalt und die Ernte auf dem Feld zuständig, und das alles ohne Maschinen. Die Häuser bestehen im Wesentlichen aus einem großen Schlafraum mit einigen Nebenräumen. Die Küche und die Toilette sind meistens außerhalb des Hauses. Schulklassen umfassen in der Regel bis zu 100 Kinder, die von einem Lehrer betreut werden.

Es gibt viele weitere Aspekte, an denen Johanna Entrup die Unterschiedlichkeiten und Gemeinsamkeiten zwischen Deutschland und Malawi festmachen könnte. Doch trotz umfassender Beschreibungen der Situation vor Ort ist klar: Am besten erlebt man es doch selbst.

Zum Thema

Weitere spannende Erzählung über die Freiwillige und das Leben in Afrika findet man auf ihrem Blog unter www.johannainmalawi.blogspot.com.



https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5977289?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686837%2F