Di., 21.08.2018

Dreimann-typische Sommerserenade Romantisch, albern und hoch musikalisch

„Dreimann“ um den Westladbergener Künstler Peer Christian Stuwe.

„Dreimann“ um den Westladbergener Künstler Peer Christian Stuwe. Foto: Kai Schenk

Kattenvenne/Saerbeck - 

Das muss man erst mal hinkriegen: als Weltumsegler in Kattenvenne anlegen. Einfach mal so über den Bullerbach schippern? Hört sich eher an wie Seemannsgarn.

Von Hans Lüttmann

Am Sonntagnachmittag aber standen die drei Männer und zwei Frauen der Band „Dreimann“ auf der Bühne des Heckentheaters in Kattenvenne und wunderten sich: wie sie es hingekriegt haben, so viele Zuhörer in ihr Konzert zu locken, dass die Stühle knapp wurden. Und noch eine andere Erstaunlichkeit hinkriegten, aber die kommt erst ganz zum Schluss.

„Die Weltumsegler“ betitelten die Musiker um den Westladbergener Texter, Komponist und Arrangeur Peer Christian Stuwe (im wahren Leben auch Maler und Bildhauer) ihren Auftritt in der antiken und barocken Vorbildern nachempfundenen kleinen Waldbühne zwischen Eiben, Linden, Buchsbaumhecken und Tecklenburger Fachwerk. Beäugt von den Charakterköpfen des Künstlers Stefan Donhauser, die einen Intellektuellen, einen Aufschneider, einen Kämpfer und einen Spitzzüngigen darstellen; und beklatscht von einem erst abwartenden, bald aber dahinschmelzenden Publikum, das sich nur zu gerne dieser Dreimann-typischen Sommerserenade hingab, die Blues und Reggae, Jazz und Liedermacher-Folk, französische Chansons, auch Kinderliederquatsch und selbst billige Rote-Ohren-Erotik durch wohlgesetzte Verse adelt: politisch, über korrupte Volksvertreter, Mauerbauer, Fremdenfeinde; romantisch, über Regentage zum tagträumerischen Wegfliegen, das Ende einer Liebe und die Liebe zu Paris; wetterfühlig über unbeschwerte Sommertage und dräuendes Herbstlaub; albern, engagiert, vor allem aber: hoch musikalisch.

Dafür steht, allen voran – selbst dem Ober-Dreimann Stuwe – Sängerin, Multinstrumentalistin, Geräuscherfinderin und Wunderwuzzi Heide Bertram, die auf der Bühne alles kann außer Langeweile. Aber auch Gitarrist Wolfgang Brammertz, Schlagzeuger Jürgen Hintz und Bassistin Uta Kröger besorgten den Zuhörern einen nachdenklich-beschwingten Sommernachmittag, anschmiegsam eingebettet in die Konzertreihe „Trompetenbaum und Geigenfeige“.

Mit dieser, der dritten Erstaunlichkeit: Zum Abschluss brachte Heide Bertram die westfälischen Gemüter ihrer Zuhörer derart in Wallung, dass sie ihre Bodenhaftung vergaßen und das titelgebende Lied von den Weltumseglern seemannssehnsüchtig mitsangen. Das muss man erst mal hinkriegen.



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