Do., 23.08.2018

LOV schätzt 30 Prozent Ertragsverlust beim Mais Teilweise Totalschaden

Beispiele für schlecht ausgebildete Maiskolben finden sich auf vielen Äckern.

Beispiele für schlecht ausgebildete Maiskolben finden sich auf vielen Äckern. Foto: Alfred Riese

Saerbeck - 

Die Bilanz auf den zum Gutteil abgeernteten Äckern ist für den Landwirtschaftlichen Ortsverein (LOV) Saerbeck kein Grund zur Freude: Ausfälle durch die lange Trockenheit, wie im Land und im Bund, meldet Andreas Puckert, im LOV zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit.

Von Alfred Riese

In Saerbeck schätzt er beim Mais 30 Prozent Ertragsverlust. Je nach Bodenqualität, Wasserführung und Aussaatzeitpunkt seien die Pflanzen an guten Standorten noch für den Corn-Cob-Mix als Futter verwendbar. Auf anderen Äckern gehe es Richtung Totalschaden. Beim Getreide seien die Saerbecker Landwirte immerhin „mit einem blauen Auge davon gekommen“.

Der zurzeit in der Politik diskutierten Not- oder Dürrehilfe erteilt Helmut Vennemann, Vorsitzender des LOV, allerdings für Saerbeck eine glatte Absage. „Hier in der Region brauchen wir keine Nothilfe. Wenn Betriebe Liquiditätsprobleme haben, ist dafür nicht der Steuerzahler zuständig“, erklärt er. Jahre wie dieses müssten von den Betrieben über das langjährige Mittel ausgeglichen werden. Vennemanns Forderung zielt darauf, genau dies zu erleichtern: „Für solche Naturereignisse sollte es Landwirten möglich gemacht werden, eine steuerfreie Gewinnrücklage zu bilden.“ Also in guten Wirtschaftsjahren etwas zurücklegen, ohne darauf Steuern zahlen zu müssen, um dieses Kapital dann zum Beispiel bei einer Dürre oder anderen Notlagen zu nutzen.

Eine solche Regelung könnte Ausfälle wie jetzt abpuffern helfen. Nach „unheimlich viel Temperatur und Sonne und sehr wenig Regen laufe die Maisernte nun fünf Wochen früher als sonst, erklärt Helmut Vennemann. Aber die Kolben, die es für guten Futtermais braucht, sind vielerorts schlecht ausgebildet, so dass die Ernte nur noch gehäckselt fürs Silo taugt, ist Andreas Puckerts Erkenntnis: „Zukaufen ist das einzige, was du machen kannst“, sagt der Sauenhalter und Schweinemäster. Das Problem dabei bringt Frank Weber, stellvertretender Vorsitzender des LOV, auf den Punkt: „Weil deutschlandweit die Ernte schlecht ist, ist der Zukauf teuer.“ Das betreffe Veredlungsbetriebe und Milchviehhalter. Katastrophenstimmung wolle die Drei aber nicht schüren: „Wir vom LOV in Saerbeck gehen nicht davon aus, dass wegen der Trockenheit und schlechter Ernte Tierbestände zurückgefahren werden müssen.“

Ist das schon Klimawandel oder noch Wetter? Wissenschaftler seien sie nicht, meinen die LOV-Vertreter zurückhaltend. Aber: „Ich beobachte nicht nur Dürre, sondern auch Wechselfröste im Frühjahr, Stürme in der Vegetationsperiode, Starkregen und Hagel im Sommer“, berichtet Vennemann. „Die ältere Generation erzählt von ganz anderen Wintern mit monatelangem Frost und Sommern mit viel Regen“, sagt Weber.



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