Gemeinde geht gegen Emissionen vor
Offiziell anerkannte Prüfnasen

Saerbeck -

Einen neuen Anlauf, Einschränkungen in Bau- und Gewerbegebieten durch Geruchsemissionen möglichst klein zu halten, unternimmt die Gemeinde. Sie setzt dabei nun auf offiziell anerkannte Prüfnasen.

Montag, 10.12.2018, 06:32 Uhr aktualisiert: 10.12.2018, 06:50 Uhr
Saerbeck aus der Luft – jetzt werden die Bereiche, an denen es Geruchsemissionen gibt, genau unter die Nase genommen.
Saerbeck aus der Luft – jetzt werden die Bereiche, an denen es Geruchsemissionen gibt, genau unter die Nase genommen. Foto: Gemeinde Saerbeck

Der Rat folgte in seiner jüngsten Sitzung einer Empfehlung des Planungsausschusses dazu. Die Geruchssituation und die genauen Umweltgerüche sollen zunächst im Gewerbegebiet Nord I und im Wohngebiet Eschgarten beurteilt werden. Später könnten weitere Gebiete folgen, sagte Bauamtsleiter Andreas Fischer.

Bisher war in Saerbeck die Geruchsimmissions-Richtlinie (Girl) das Maß der Dinge.

Hier werden Standardwerte zum Beispiel für Bauernhöfe mit Tierhaltung angenommen und eine Prognose für die Ausbreitung der Gerüche berechnet. Sind die errechneten Werte in den Rasterflächen zu hoch, wird es schwierig mit Wohnbau und Gewerbe, aber auch für die Entwicklungsmöglichkeiten der Landwirtschaft.

Konkret darf zurzeit die westliche Hälfte des noch neuen Gewerbegebiets Nord „nur eingeschränkt als Lagerplatz ohne ständigen Aufenthalt von Arbeitskräften“ angeboten werden, berichtete die Verwaltung. Die Folge: „Die Vermarktung gestaltet sich äußerst schwierig.“

Dem Bebauungsplanverfahren Eschgarten III, das neues Wohnbauland in Saerbecks Süden schaffen sollte, schoben die Prognoseberechnungen nach der „Girl“ gleich ganz einen Riegel vor.

Die mögliche Lösung präsentierte im Planungsausschuss Frank Müller von der Firma Uppenkamp & Partner (Ahaus), ein Sachverständigenbüro für Immissionsschutz. Berechnete Prognosen nach dem „Girl“-Schema liefern in der Regel hohe Belastungswerte, erklärte er. Beim Geruch gebe es als Instrument zum Messen tatsächlicher Werte nur die menschliche Nase, in Sachverständigenbüros die so genannte Norm-Nase.

Die durchschnittlich geruchsempfindlichen Träger solcher Norm-Nasen würden ein halbes Jahr lang, durch drei Jahreszeiten und zu allen Tageszeiten 52 Begehungen an festgelegten Rasterpunkten vornehmen und dabei zehn Minuten lang im Zehn-Sekunden-Takt einmal riechen und notieren. Statistisch repräsentativ nannte Müller dieses Verfahren.

„Wir werden nichts schönriechen“, stellte der Sachverständige klar. Er verwies zugleich auf Beispiele im Kreis Borken, wo die Nasenproben geringere Werte als die Berechnungen ergeben hätten. Die Arbeit der Norm-Nasen sei mittlerweile auch vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) bestätigt und werde von Gerichten anerkannt.

Vor dem Hintergrund der allgemeinen Flächenknappheit sprachen sich die Verwaltung und die Politik in vollständiger Einigkeit für die rund 25 000 Euro teuren Rasterbegehungen aus.

„Das ist angesichts der Flächenproblematik Pflicht und wird neue Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen“, erklärte Anne Raffel (CDU).

Wegen der Prognosezahlen sei zurzeit das Wohngebiet Eschgarten ein Deckel für die landwirtschaftliche Entwicklung, meinte Bürgermeister Wilfried Roos. Das könnten die Norm-Nasen vielleicht ändern. „Ohne diese Begehungen können wir bald die Ortsentwicklung einstellen, weil wir auf die Landwirtschaft zu wachsen“, stellte Bauamtsleiter Fischer in Aussicht.

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