Die einen rümpfen die Nase, für Landwirte ist sie wertvoller Dünger
„Gülle ist kein Abfall“

Saerbeck -

„Es geht darum, Nährstoffe in den Boden zu bekommen, zur Pflanzenwurzel.“ So beschreibt Andreas Puckert, Landwirt in Sinningen, was er seit Kurzem wieder mit dem großen Fass hinter dem Trecker auf dem Acker tut.

Samstag, 02.03.2019, 17:00 Uhr
Andreas Puckert, Öffentlichkeitsarbeiter des Landwirtschaftlichen Ortsvereins, unterbricht seine Arbeit auf dem Acker, um das Gülle ausbringen zu erklären.
Andreas Puckert, Öffentlichkeitsarbeiter des Landwirtschaftlichen Ortsvereins, unterbricht seine Arbeit auf dem Acker, um das Gülle ausbringen zu erklären. Foto: Alfred Riese

Je nachdem, wie der Wind weht, riecht man es auch im Dorf: Seit Anfang Februar darf wieder Gülle auf die Felder. Mancher mag die Nase rümpfen oder sich wegen der langsamen Gespanne auf den Wegen und den Gülle-Tanklastern auf den Straßen ärgern. Für Andreas Puckert, auch Öffentlichkeitsarbeiter des Landwirtschaftlichen Ortsvereins (LOV), ist das, was hinter seinem Trecker auf 15 Metern Breite aus den Schleppschläuchen kommt, „wertvoller Dünger“. Um das zu erklären, legt er beim Gülle fahren auf einem Acker an der Sinninger Mühle eine Pause ein. Der stellvertretende LOV-Vorsitzende Frank Weber kommt dazu zum Ortstermin auf dem Wirtschaftsweg.

„Gülle ist kein Abfall“, das betont Frank Weber mehrfach. „Durch das Ausbringen tierischer Exkremente auf die Flächen stellen wir einen Nährstoffkreislauf her“, sagt er. Und dieser Kreislauf werde sorgfältig gesteuert. Am Anfang steht die Bodenanalyse, erklärt Andreas Puckert: Wie viele Nährstoffe braucht es für die Pflanzen? Proben muss er, gesetzlich geregelt, alle sechs Jahre ziehen, beschreibt er das Verfahren: flächig über die Äcker verteilt, in 30 Zentimeter Tiefe, bei Mais zusätzlich in 60 und 90 Zentimeter Tiefe. Auf seinen Äckern wird der Boden alle drei Jahre getestet, um besser planen zu können, erklärt der Landwirt. Im zweiten Schritt ist die Analyse der Gülle dran: Was ist drin an Nährstoffen.

Und dann sind da noch die Zwischenfrüchte, die angebaut werden müssen, wenn nicht Mais, Getreide und Co. auf dem Acker stehen, erklärt Frank Weber. Er nennt die winterharten Stoppelrüben- oder Rapspflanzen „Nährstoffspeicher“, die als Dünger untergepflügt werden. Sie nehmen, zwischendurch gewissermaßen, auch Stickstoffverbindungen auf, bevor sie als Nitrat im Grundwasser landen. Auswaschungen, da redet Weber nicht drum herum, seien allerdings „ein natürlicher Prozess, der kommt auch durch Verrottung im Wald vor“.

Aus der Boden- und der Gülleanalyse und dem Bestand an Zwischenfrucht errechnet der Landwirt den Nährstoffbedarf. Phosphor, Kalium, Stickstoff, das liefert die Gülle, sagt Andreas Puckert, vom Stickstoff bis zur Hälfte des Bedarfs. Schwefel und noch einmal Stickstoff müssten nachgedüngt werden. „Gülle senkt den Bedarf an mineralischem Dünger“, sagt Frank Weber. Die früheren Riesenberge im Landhandel gebe es gar nicht mehr – stattdessen den Nährstoffkreislauf mit dem Güllesilo auf dem Hof als Speicher. Und, das ist ihm wichtig: „Immer genau am Bedarf der Pflanzen orientiert.“

Auf dem Acker an der Sinninger Mühle bedeutet das zu Beginn dieses Jahres: 24 Kubikmeter auf den Hektar, soviel wie 2,4 Millimeter Regen. Manche Bauern fahren einmal im Jahr, andere öfter, stets vor der Aussaat. Von Anfang Februar bis zum 31. August, solange etwas wächst auf den Äckern und die nicht dauerhaft gefroren sind, dürfen sie grundsätzlich.

Die Erfolgskontrolle kann jeder nachvollziehen, meint Frank Weber. Wenn die Frucht gut steht, dann sind die Nährstoffe in der Pflanze, dann hat es geklappt“. Wenn nicht, sind wieder Zwischenfrüchte als lebender Speicher gefragt.

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