Severin Matthes begeistert an der Breil-Orgel
Als wäre er nie weg gewesen

Saerbeck -

Donnernde Zweiundreißigstel-Oktaven im Pedal, harmonisch komplizierte Klanggeflechte, durch die sich ein Cantus firmus seinen Weg bahnt, aber auch schlichte choralartige Partien waren am Sonntagnachmittag in der St. Georg-Kirche zu hören.

Dienstag, 07.05.2019, 09:15 Uhr aktualisiert: 07.05.2019, 16:06 Uhr
Severin Matthes begeisterte das Publikum bei seinem Orgelkonzert in der St. Georg-Kirche.
Severin Matthes begeisterte das Publikum bei seinem Orgelkonzert in der St. Georg-Kirche. Foto: Tünde Kalotaszegi-Linnemann

So wie er vor drei Jahren bei seinem Abschiedskonzert „Die Königin aller Instrumente“ in ihrem Glanz erstrahlen ließ, knüpfte Severin Matthes dort wieder an. Natürlich hatte er dafür ein überaus anspruchsvolles Programm mit im Gepäck. Aber wer ihn kennt, weiß, dass er sich künstlerisch nicht mit Kleinigkeiten zufrieden gibt. Kein Wunder also, dass Franz Liszts (1811-1886) berühmtes „Präludium und Fuge über B-A-C-H“ gerade gut genug als „Entrée“ war. Virtuos und einfühlsam zugleich bewältigte er fast spielerisch alle Klippen dieser schwierigen Komposition.

Doppelte Unterstützung erhielt er dabei von seiner Frau Linnéa sowie von Kirchenmusiker Christoph Brehm, die bei der Registrierung assistieren mussten. Für einen Moment schien es, als sei er gar nicht aus Saerbeck weggegangen. Mittlerweile wohnt Matthes mit seiner Familie am Niederrhein und schaut gerne mal an seiner alten Wirkungsstätte vorbei, worüber sich auch sein Nachfolger Brehm freut: „Im Namen der ganzen Pfarrgemeinde und des Kirchenteams begrüße ich ganz herzlich meinen Vorgänger Severin Matthes, seine Frau und seinen Sohn, der gerade unterwegs ist.“ Als quasi Gastgeber und Kollege ließ es sich Christoph Brehm nicht nehmen, die äußerst kompetente Moderation selbst zu übernehmen.

In Johann Sebastian Bachs (1685-1750) „Präludium und Fuge C-Dur, BWV 547“ ließ Matthes zunächst die tänzerische Leichtigkeit zur Geltung kommen, während er die Komplexität der Fuge in ihrer ganzen Klarheit interpretierte. Louis Vierne (1870-1937) war nicht nur Komponist und Organist, der 37 Jahre lang an der Kathedrale „Notre Dame“ in Paris gewirkt hat, sondern verfasste auch eine Vielzahl an Transkriptionen für Orgel. Dazu gehört auch die „Prélude, op.3“ von Sergei Wassilijewitsch Rachmaninow (1873-1943), ursprünglich ein Klavierwerk, das in der Orgelfassung durchaus an Reiz gewinnt.

Grandios gelang die „Toccata“ aus der „Orgelsinfonie Nr.5 f-moll op.42 Nr.1“ von Charles Marie Widor (1844-1937). Hierbei nutzte Severin Matthes alle technischen Möglichkeiten der Breil-Orgel, wie die gesamte Zungenbatterie inklusive Récit (Schwellwerk), um der spätromantischen Musiksprache gerecht zu werden. Mit einer enormen Präzision ließ er im Manual die Sechzehntelfiguren herunterrattern, um sie in einem „perpetuum mobile“ fortzusetzen.

Nach ein wenig Bach und zwei Präludien und Fugen von Marcel Dupré (1886-1971) durfte das Publikum endlich seiner Begeisterung freien Lauf lassen. Severin Matthes wurde verabschiedet mit der Option auf weitere Konzerte.

Zunächst freuen sich die jungen Eltern erstmal auf ihren weiteren Nachwuchs, der für September avisiert ist. Von den 420 Euro eingenommener Spenden über-ließ Matthes die Hälfte der Gemeinde als Dankeschön.

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