Historischer Streifzug durch die Saerbecker Gaststättengeschichte
15 Schankstuben für 1570 Einwohner

Saerbeck -

Junge Leute für den Heimatverein zu interessieren und gleichzeitig ein Stück Saerbecker Heimatgeschichte zu vermitteln. Beides ist dem Heimatverein mit seinem „Kreuzweg der besonderen Art“ gelungen.

Dienstag, 06.08.2019, 18:45 Uhr aktualisiert: 07.08.2019, 08:46 Uhr
Lernten Saerbecker Heimatgeschichte einmal von einer anderen Seite kennen: die Teilnehmer des „besonderen Kreuzweges“.
Lernten Saerbecker Heimatgeschichte einmal von einer anderen Seite kennen: die Teilnehmer des „besonderen Kreuzweges“. Foto: Heimatverein

Viele junge Saerbecker folgten Josef Berkemeier und Peter Dütsch zu dieser ungewöhnlichen Exkursion auf Schusters Rappen.

Besucht wurden die Standorte der historischen und noch betriebenen Gaststätten im Saerbecker Ortskern. Und das waren einige. Deutlich mehr als es die gut 20 Teilnehmer im Vorfeld geahnt haben. Namen wie Hase, Unkel, Hagemann, Möllers (Hilbert), Liesenkötter, Willebrandt, Dyckhoff, Dierksen (Winter), der Dorfkrug, seit 1974 Dahm’s Hoff und außerhalb des Ortskerns Deitermann (Potthoff), Kloppenburg (Mersmann), Ruhmöller, Stegemann und andere verschafften den Saerbeckern ein dichtes gastronomisches Angebot. Hinzu kamen noch die drei Schnapsbrennereien der Familien Dalmöller-Nienhaus (heute Brennereimuseum und Heimathaus), Deitermann und Hase.

Unter der sachkundigen Führung von Josef Berkemeier und Peter Dütsch wurden nicht nur die verschiedenen Stätten der Saerbecker Gastbetriebe aufgesucht, zu jeder wurden auch überlieferte Geschichten und zahlreiche Dönkes aus alten Tagen erzählt. Und natürlich gab es das eine oder andere passende Getränk dazu. Auch die „Sol-Eiertradition“ der historischen Gaststätte Unkel wurde wiederbelebt.

Die Teilnehmer erfuhren eine Menge über die wechselvolle Geschichte des Saerbecker Gaststättengewerbes. Um 1900 gab es für die seinerzeit 1570 Einwohner sagenhafte 15 Schankstuben und Gaststätten. Vor allem der sich stetig entwickelnde Fuhrmannsbetrieb von Ibbenbüren nach Münster sorgte neben der Nachfrage durch die einheimische Bevölkerung für zusätzliche Gäste. Allein um die Saerbecker Kirche herum gab es in Spitzenzeiten gleich sechs Schankstuben, in denen man geselligen Kontakt pflegen konnte. Das Bier dazu kam aus Münster, Greven und Burgsteinfurt. Weil nicht jeder gleich gut mit dem Gerstensaft und dem Klaren umgehen konnte, wurden zeitweise „Säuferlisten“ ausgehängt. Wer darauf namentlich genannt war, dem durften die Wirte bei Strafe keinen Alkohol ausschenken.

1930 verfügte Saerbeck immer noch über neun Gaststätten. Bei Hagemann, Möllers und Liesenkötter konnte man auch übernachten. 1982 gab es dann im Ortskern mit den Gaststätten Möllers (später „Zur Post“), Else Winter (heute Markt 23) und dem Dorfkrug nur noch drei. Die Gaststätte Hagemann war 1981 der Dorfkernsanierung zum Opfer gefallen. Dort steht heute das Cafe Liesenkötter.

Viele historische Begebenheiten und Dönkes wussten Peter Dütsch und Josef Berkemeier anschaulich zu jedem Standort erzählen. Manch einer der Teilnehmer konnte aus Erzählungen von Eltern und Großeltern den einen oder anderen Schwank beisteuern. Und so verging die Zeit im Fluge.

„Ein anschauliches Stück Orts- und Heimatgeschichte, lebendig und anschaulich präsentiert und erzählt“, zogen am Ende alle ein positives Fazit. „Und Spaß gemacht hat es auch noch.“

Beim Abschluss im Heimathaus bestand dann noch ausreichend Gelegenheit, das Erlebte bei Bier und Bratwurst noch einmal Revue passieren zu lassen und zu vertiefen. Das Ziel, junge Saerbecker für Heimat- und Ortsgeschichte und die Arbeit des Heimatvereins zu interessieren, wurde voll erfüllt. Der „besondere Kreuzweg“ wird sicher nicht das letzte Mal gegangen worden sein, schreibt der Heimatverein.

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